GEGEN RASSISMUS

Demminer Aktionsbündnis erinnert mit Plakaten an Anschlagsopfer

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau bei einem fremdenfeindlichen Anschlag zehn Menschen ermordet. Zum ersten Jahrestag plant das Aktionsbündnis 8. Mai eine Plakat-Aktion.
Das Aktionsbündnis startet mit einer neuen Plakat-Aktion.
Das Aktionsbündnis startet mit einer neuen Plakat-Aktion. Kai Horstmann
Hanar hilft beim Aufkleben der Plakate auf die Rückwände mit.
Hanar hilft beim Aufkleben der Plakate auf die Rückwände mit. Kai Horstmann
Demmin ·

Im vergangenen Jahr machte das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin im Vorfeld des besagten Tages mit drei Großplakaten gegen Rassismus auf sich aufmerksam. Mit einer erneuten Plakat-Aktion möchte das Bündnis auf die rassistischen Morde am 19. Februar letzten Jahres in Hanau erinnern.

Der gelernte Bankkaufmann Tobias Rathjen hatte an dem Tag neun Menschen mit Migrationshintergrund getötet sowie sechs weitere verletzt. Nach den Morden in der Hanauer Innenstadt fuhr der Täter nach Hause, ermordete dort seine 72-jährige Mutter und richtet sich dann selbst hin.

Auf den Plakaten des Aktionsbündnisses werden aber nur die gemalten Gesichter der neun Opfer zu sehen sein, während das der Mutter fehlt. Nach einer Diskussion innerhalb des Bündnisses entschieden sich die Mitglieder dagegen, weil sie zu wenig über die Frau wissen. Rathjen hatte die Schusswaffen legal besessen, weil er in einem Frankfurter Schützenverein Mitglied war.

Tägliche Diskriminierung – auch in Demmin

Das Aktionsbündnis möchte laut dessen Sprecher Heinz Wittmer mit den Plakaten vor allem ein Zeichen zum Jahrestag des Vorfalls setzen. Das soll an die Morde erinnern und zugleich mahnen. „Wir möchten die Bevölkerung sensibilisieren, sodass sich solche Vorfälle nicht wiederholen. Wir hatten zuerst überlegt, eine Kundgebung zu machen. Aber die ist nach einer kurzen Zeit wieder vorbei. Dagegen hängen die 20 Plakate ab dem 18. Februar für eine Woche in Demmin, was eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit erzeugt“, erklärt Heinz Wittmer.

Allerdings drängt sich die Frage auf, was Hanau mit Demmin zu tun hat. Wittmers ehrliche Antwort ist: „Gefühlt erst einmal nicht viel.“ Doch dann erinnert er daran, dass es auch in Demmin Übergriffe auf Menschen mit Migrationshintergrund gegeben habe, die zum Glück bei Weitem nicht das Ausmaß von Hanau erreichten. „Leider werden in der Hansestadt noch fünf Jahre nach Beginn der Flüchtlingskrise fast täglich Bürger der Hansestadt deshalb beleidigt, weil ihre Wurzeln in anderen Ländern zu finden sind“, sagt er.

Nordkreuz als Mahnung zur Wachsamkeit

Zudem gibt Wittmer zu bedenken, dass die rechtsextreme Gruppe Nordkreuz um ihren Gründer Marko G. wesentlich Schlimmeres vorgehabt hätte. Nach deren Plänen wären wesentlich mehr Menschen ums Leben gekommen. „So gab es Listen über Menschen, die zu töten sind. Groß war zudem ein SEK-Polizist, der das Töten regelrecht gelernt hat. Das passierte nicht in Hanau, sondern hier in Mecklenburg-Vorpommern“, so Wittmer.

Dem Aktionsbündnis ist klar, dass es mit den Plakaten bei einigen Ablehnung auslösen wird, andern gleichgültig bleiben werden. „Aber gerade Menschen, die im Alltag Opfer rassistischer Gewalt sind – auch wenn es sich dabei ‚nur‘ um die tägliche Diskriminierung handelt – werden diese Plakate aus anderer Sicht betrachten. Ich glaube, sie werden das Gefühl haben, dass sie in der Gesellschaft nicht allein dastehen. Das ist uns sehr wichtig. Dazu kommen die Menschen, die sich angesprochen fühlen und noch aufmerksamer werden, damit so etwas nicht mehr passiert“, hofft Heinz Wittmer.

Mehr lesen: Rechte Todeslisten: Zwischen Sorge und Warnung vor Hysterie

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Kommentare (9)

sind nicht automatisch gleichzusetzen mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. So einfach ist das nicht.

Vor allem, wenn man es "Überfremdungsängste" nennt...

vor dem Fremden ist eine Urangst der Menschen überall auf der Welt. Tief verankert seit der Steinzeit im Stammhirn. Man kann diese Angst Rassismus nennen oder sonst wie. Verschwinden wird sie deshalb noch lange nicht!

Etwa nicht in das Weltbild dieses "Aktionsbündnis"?
Wissen die alles über die an der Opfer?
Schließlich wurde die Mutter auch Opfer.
Bei uns nennt man es Doppelmoral!

Bisher wurde ein Getöteter als mutmaßlicher Einzeltäter von den Staatsmedien präsentiert.
[Frage d. Red.: Was sind "Staatsmedien"? Besten Gruß]
Die Bundesanwaltschaft hat übernommen und die Ermittlungen entsprechend eingestellt.

Da kannst Du in MV aber lange warten, bis die eintritt. Angst habe ich vor den glattrasierten Bockwurstfressern in Thor Steinar Klamotten.

Weiß der Mann überhaupt, was er da faselt?
Es ist nicht mehr weit, dann sind Polizisten alles Mörder. Den sollte man mit Anzeigen zuschütten, damit der endlich Ruhe gibt.

Anzeigen gegen diesen wirren weißen Mann werden nicht mehr entgegengenommen oder nicht weiter verfolgt - ein bezahlter Hofnarr des Systems.

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