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Demminer Angler sauer über Peta-Kampagne

Ein sogenannter Ratgeber der selbsternannten Tierschutzorganisation Peta hält Tipps parat, um Angler zu ärgern. Schon das ärgert die Angler. Die Wut steigt.
Karsten Riemer Karsten Riemer
In einem neuen Ratgeber erklärt die Tierschutzorganisation Peta, welche Verhaltensweisen bei einem zufälligen Kontakt mit ei
In einem neuen Ratgeber erklärt die Tierschutzorganisation Peta, welche Verhaltensweisen bei einem zufälligen Kontakt mit einem Angler angebracht sind. Jens Büttner
Demmin.

Gleichmäßig schwappen flache Wellen ans Ufer. Mit gebanntem Blick beobachtet ein Angler den Schwimmer auf dem Wasser und wartet auf den Biss. Darauf, dass er mit einem Ruck unter die Oberfläche gezogen wird. Eine Szene, wie sie täglich in der Region stattfindet. Angeln ist ein beliebtes Hobby. Doch wenn es nach der Tierschutzorganisation Peta geht, gehört es verboten.

Bereits in der Vergangenheit sind die radikalen Tierschützer immer wieder mit Aktionen aufgefallen, die sich gegen Hobby-Angler richten. Eines der prominentesten Beispiele der vergangenen Jahre ist die Klage der Tierrechtler gegen den Rostocker Rapper Materia, der selbst begeisterter Angler ist. Doch auch Vereine und Verbände sehen sich immer wieder schweren Vorwürfen ausgesetzt.

Kieselsteine sollen Fische vertreiben

Anfang August hat die Organisation einen Drei-Punkte-Plan herausgegeben, in dem aufgelistet ist, wie man mit Anglern umgehen soll und ihnen das Hobby vermiesen kann. Dabei soll im ersten Schritt zunächst die Situation evaluiert werden. Beispielsweise, ob der Angler freundlich oder aggressiv wirkt, allein oder in der Gruppe angelt. Auch Bierflaschen sind laut Peta ein Indiz dafür, wie weiter verfahren werden soll. Ansprechen, Kieselsteine ins Wasser werfen (um Fische zu verscheuchen), anzeigen oder die bereits gefangenen Fische befreien, stehen dann auf der Liste.

Auf Verständnis der Angler in und um Demmin dürfen die Tierrechtler allerdings nicht hoffen. „Ich halte von denen überhaupt nichts“, sagt der Vorsitzende des Angelvereins „Demmin West“, Dirk Ahlgrimm. Er selbst hat bereits mit der Organisation zu tun gehabt und scharfe Kritik von Peta geerntet. „Die haben gesagt, ich würde 176 Verbrecher erziehen“, sagt er. Denn so viele Nachwuchsangler betreut er im Verein. Für Ahlgrimm sind solche Äußerungen unverständlich. „Ich bilde 176 vernünftige Angler aus und hole sie vom Computer in die Natur“, so der Vereinschef.

Peta solle Gemeinnützigkeit verlieren

Doch Ahlgrimm hat seine Schlüsse aus dem Konflikt gezogen. Infolge der konstanten Anfeindungen wurde das Gemeinschaftsangeln beim Peenefest in Demmin abgesagt. „Und das nun schon das zweite Jahr“, sagt er. Als die Entscheidung im Jahr 2018 fiel, war die Begründung einfach. Die Tierrechtler hatte die Zahl ihrer Klagen gegen einzelne Angler erhöht. Ein Risiko, dem sich Ahlgrimm nicht aussetzen wollte. Für ihn gibt es eigentlich nur einen richtigen Umgang mit der Tierschutzorganisation: „Denen sollte die Gemeinnützigkeit entzogen werden“, sagt er. Denn: Wer nur andere Leute diffamiere, der könne nicht gemeinnützig sein.

Ähnlich entrüstete Stimmen kommen auch aus dem Demminer Angelservice an der Peene. Das, was Peta rausbringe, habe nichts mit Naturschutz zu tun. Inzwischen höre man auch gar nicht mehr hin, wenn die Tierrechtler sich äußern. Dass Angler in der Region aktiv bei der Ausübung ihres Hobbys gestört wurden, sei bisher aber auch nichts bekannt. Solche Nachrichten kämen bisher von weiter entfernten Angelgebieten.

Auch die Politik hat inzwischen auf den Ratgeber der Tierrechtler reagiert. Der Landtagsabgeordnete Franz-Robert Liskow (CDU) stellt sich dabei hinter Vorpommerns Angler. „Diese sogenannten Tipps grenzen an einen Aufruf zum Diebstahl und zur Gewalt. Jeder Angler lernt in der Prüfung, dass er sorgsam mit den Fischen und der Natur umzugehen hat. In Zeiten von Massentierhaltung und Entfremdung von der Natur dürfe man so etwas nicht kaputt reden“, so der Abgeordnete.

 

Legt mich in Ketten, ich bin schuldig

Nordkurier-Reporter Karsten Riemer ist selbst Angler und entschuldigt sich auf seine ganz eigene Weise bei Peta: 

"Liebe Peta-Mitglieder, ja ich bekenne mich schuldig. Ich bin ein Mörder und allgemein ein schlechter Mensch. Es gibt keinen Grund mehr das zu leugnen. Denn ich bin Angler und ihr habt mit allem Recht. Es ist schön zu sehen, mit welcher Inbrunst ihr gegen dieses bestialische Hobby kämpft. Gegen das hemmungslose Quälen und Abschlachten unschuldiger Tiere. Es ist schön zu sehen, wie ihr immer wieder eine Lanze, pardon, Angel für eure fischigen Freunde brecht.

Ihr macht es genau richtig. Nicht nur kapitalistische Viehzuchtunternehmen werden durch eure Aktionen abgestraft, denn das Problem liegt tiefer. Die Hobbytreibenden sind die Wurzel allen Übels. Der Mann am Wasser, der sich sein Abendessen angelt. Der könnte sich ja schließlich auch anders die Zeit vertreiben. Und Nahrung gibt es im Supermarkt zuhauf. Zum Beispiel so eine leckere Avocado aus Übersee. Das ist doch allemal besser für die Natur als einen Fisch zu fangen.

Liebe Peta, es ist schön zu sehen, dass ihr ein urdeutsches Hobby pflegt. Andere Menschen belehren und eure moralische Überlegenheit demonstrieren. Basierend auf Halbwissen und willkürlichen Anschuldigungen versteht sich."

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Kommentare (1)

Sollte einer dieser ''Tierschützer'' bei mir aufkreuzen und Tiere befreien, welche für die Küche sowieso schon längst fachmännisch getötet wurden (Richtlinien wie Fangbegrenzung, Schonzeit und Mindestmaß sollen ja angeblich auch existieren, hört man..), dann landet dieser sogenannte ''Tierschützer'' auch im Wasser, im Sommer wie im Winter. Dort kann er den Tieren dann ganz nah sein.