STREUNER IM STADTGEBIET

Demminer Katzenjammer nimmt kein Ende

Sie sind oft unterernährt, krank und vermehren sich völlig unkontrolliert: Wild lebende Katzen führen einen harten Überlebenskampf. Eine Demminerin konnte das jetzt nicht länger mit ansehen und handelte. Vom Ordnungsamt schwer enttäuscht hofft sie nun auf Hilfe von anderen Tierfreunden.
Tobias Holtz Tobias Holtz
Diese süßen Katzenbabys suchen schnellstmöglich ein neues Zuhause.
Diese süßen Katzenbabys suchen schnellstmöglich ein neues Zuhause. privat
Die Mutter der Kitten streunt derzeit immer noch im Demminer Stadtgebiet herum.
Die Mutter der Kitten streunt derzeit immer noch im Demminer Stadtgebiet herum. privat
In ihrem derzeitigen Zuhause können die Kitten nur vorübergehend bleiben.
In ihrem derzeitigen Zuhause können die Kitten nur vorübergehend bleiben. privat
Demmin.

Es ist ein Problem, dass die Tierschützer in Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr aufs Neue beschäftigt: Pünktlich zum Herbstbeginn kommen wieder viele Junge von wild lebenden Katzen auf die Welt. Die kleinen Vierbeiner leiden oft schon kurz nach ihrer Geburt an Krankheiten und Hunger, wenn sie als Streuner unter erbärmlichen Bedingungen aufwachsen müssen. Nicht wenige von ihnen verenden qualvoll.

„Doch es scheint sich niemand wirklich dafür zu interessieren“, meint eine besorgte Demminerin verärgert. Die Frau hatte bereits Ende Juli drei herrenlose Katzenbabys nahe der Bundesstraße 194 in einem Gebüsch entdeckt und umgehend das für Fundtiere zuständige Ordnungsamt der Stadt informiert. „Am Telefon sagte man mir, dass die Tiere schon zurechtkommen, da die Mutter sicher in der Nähe sei. Ich solle die Jungen einfach ignorieren“, berichtete sie nun dem Nordkurier. Doch schon zwei Tage später machte sie eine grausige Entdeckung: Eines der kleinen Kätzchen lag überfahren am Straßenrand. „Ich verstehe, nicht warum die Straßenkatzen von den Behörden ihrem traurigen Schicksal überlassen werden“, sagt die Demminerin immer noch sichtlich ergriffen.

Ordnungsamt weist Vorwürfe zurück

Das Ordnungsamt sieht das jedoch ganz anders. „Wir haben in der Vergangenheit schon viele freilaufende Katzen in Verwahrung genommen, die anschließend durch das Veterinäramt des Landkreises auch medizinisch versorgt wurden. Allerdings raten wir immer dazu, die Tiere erst mal eine Weile zu beobachten, sofern sie nicht verletzt sind oder krank aussehen“, teilt ein Mitarbeiter auf Nordkurier-Anfrage mit. Denn bei den meisten Fundtieren handele es sich um sogenannte Freigänger, die einen Besitzer haben.

Die Katzenfreundin gibt sich mit dieser Begründung aber nicht zufrieden. „Es war offensichtlich, dass sich die Jungtiere ohne menschliche Hilfe nicht selbst versorgen konnten“, so die tierliebe Demminerin. Erst am vergangenen Freitag hat sie gemeinsam mit ihrer Tochter wieder Katzenbabys gefunden, die sich zusammengekauert in röhrenförmigen Schächten aufhielten. Dieses Mal zögerten sie nicht lange, setzten die Kitten in ein Körbchen und brachten die ausgehungerten Kleinen direkt zu ihrer Tierärztin. „Die Katzenmutter lag in der Nähe, ließ sich aber von uns leider nicht einfangen. Sonst hätten wir sie auch gleich mitgenommen“, betont die Frau, die sich nach dem Tierarztbesuch erneut ans Ordnungsamt wandte. Denn nur mit Zustimmung der Behörde dürfen gefundene Tiere von Privatpersonen aufgenommen werden. Andernfalls könnte man sich im schlimmsten Fall wegen Fundunterschlagung strafbar machen, heißt es im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).

Dabei müsste es gar nicht erst soweit kommen, sagt die Vorsitzende des Demminer Tierschutzvereins, Kerstin Lenz. Denn es gibt eine denkbar einfache Lösung, die rasant steigende Zahl frei lebender Katzen nachhaltig zu reduzieren: Kastration. „Jede einzelne Straßenkatze stammt ursprünglich von einer unkastrierten Hauskatze mit Freigang ab. Es ist daher das einzige Mittel, um die ‚Katzenschwemme‘ einzudämmen“, so Lenz.

Findelkatzen suchen ein neues Zuhause

Schon im Dezember 2015 hatte Mecklenburg-Vorpommern eine landesweite „Katzenschutzverordnung“ veröffentlicht. Dadurch werden die Landkreise und kreisfreien Städte ermächtigt, bestimmte Gebiete festzulegen, in denen ein überhöhter Bestand an freilaufenden Katzen besteht und Halter zum Handeln aufzufordern. Bisher wurde eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht jedoch nur in der Hansestadt Rostock sowie im Amt Schwaan umgesetzt. „Wir fordern den Gesetzgeber daher auf, eine Verordnung zu erlassen, die für alle Katzenhalter im Land verpflichtend ist. Nur so werden unsere Tierheime entlastet“, sagt Kerstin Lenz.

Doch viele Tierfreunde scheuen den damit verbundenen Aufwand oder können sich eine Kastration nicht leisten. Immerhin kostet der ärztliche Eingriff bei einer Katze etwa 140 Euro. Rund 75 Euro werden für einen Kater fällig. Aus diesem Grund bieten die Demminer Tierschützer regelmäßig kostenlose Kastrationsaktionen an. 30 000 Euro stellt das Land dafür jährlich zur Verfügung. Weitere 30 000 Euro gibt es vom Deutschen Tierschutzbund. Für dieses Jahr sei das vorhandene Kastrations-Budget aber bereits ausgeschöpft.

Die besorgte Katzenfreundin hat indes nur einen großen Wunsch: „Es wäre schön, wenn sich jemand findet, der den sieben niedlichen Findelkatzen ein neues Zuhause schenken möchte. Bei uns können sie leider nur vorübergehend bleiben“, so die Demminerin. Wer die Katzenbabys gerne aufnehmen möchte, kann sich unter der Handynummer 0172 5957015 melden.

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