Unsere Themenseiten

Kurioser Vorschlag

:

Demminer, kauft euer Rathaus!

Das Vorbild für den großen Demminer Deal? Per Handschlag, wie die alten Hanseaten auf dem Marktplatz-Brunnen, sollten wir es abmachen: Kaufen wir unser Rathaus!
Das Vorbild für den großen Demminer Deal? Per Handschlag, wie die alten Hanseaten auf dem Marktplatz-Brunnen, sollten wir es abmachen: Kaufen wir unser Rathaus!
Thoralf Plath

Manchmal liegen die besten Ideen so nah, man muss nur drauf kommen. Ein alter Demminer Lehrer hat sich das mit dem Leasing-Rathaus mal durch den Kopf gehen lassen. Ja, dachte er dann. Warum nehmen die Demminer die Sache nicht einfach selber in die Hand?

Da hat manch wackerer Demminer nicht schlecht gestaunt, was der Nordkurier da vor ein paar Tagen meldete: Unser hochverehrtes Rathaus, es ist gar nicht unser! Walter Häberer jedenfalls fand das gar nicht lustig.

Die schmucke Bürgermeisterei mit der stolzen Adresse „Am Markt 1“ – schnöder Fremdbesitz, bloß angemietet von einer Immobiliengesellschaft in Mainz? „Ich dachte immer, und ich denke es immer noch, dass die von uns gewählten Stadtvertreter sachkundig und nach bestem Wissen und Gewissen anstehende Probleme im Sinne der Demminer entschieden haben in all den Jahren“, sagt Häberer. Und jetzt erfahre man, dass ausgerechnet das Rathaus uns gar nicht gehöre!

So ein Ding! Aber muss ja nicht so bleiben

„Na, das ist ja ein Ding. Eigentlich waren wir doch alle stolz darauf, so ein ehrwürdiges Rathaus auf unserem Marktplatz zu haben!“ Doch nun läuft ja bald der Leasingvertrag aus. Bis 2018 muss die Stadt noch zahlen, dann darf sie ihr Hauptquartier kaufen. Zum Restwert. Von 800 000 Euro ist die Rede, inklusive Tiefgarage. Noch hat das Stadtparlament in dieser Frage nichts entschieden, aber bald steht das wohl zur Debatte.

Walter Häberer hat jetzt schon eine Idee: Die Demminer schmeißen ihre Piepen zusammen und kaufen den Laden selbst – in kleinen Stückchen! Sozusagen als Rathausbesitzer-Aktiengesellschaft!

„Der Herr Bürgermeister müsste den Demminern einfach Anteile verkaufen, damit die Stadt mit dem Geld dann zumindest anteilig Rathaus und Tiefgarage erwerben kann“, findet der pensionierte Lehrer. Ja Donnerwetter! Das ist mal ein Vorschlag. Warum kommen die Stadtoberen auf so was nicht selber??

Schöne Idee – gabs ja auch schon bei den Nachbarn

Bürgermeister Michael Koch findet es jedenfalls „hocherfreulich“, dass sich Demminer Einwohner so mit ihrem Rathaus identifizieren. Die Idee sei primär nicht von der Hand zu weisen, formuliert er und spinnt den Faden weiter: „Man könnte zum Beispiel einen Immobilienfonds gründen, an dem Anteile erworben werden können.“ Allerdings, schränkt der gewählte Hausherr vorsichtshalber gleich mal ein, sollten die künftigen Anteilseigner Gewinnausschüttungen eher nicht erwarten.

Noch besser fände der Rathauschef eine Aktion wie die in Neukalen, wo viele Einwohner einen Betrag quasi spendeten und als Dank dafür einen symbolischen Gegenwert erhielten – in dem Fall eine Fliese. Mit dem Geld wurde das Vereinshaus saniert. „Dem Leasinggeber ist es jedenfalls egal, wie und woher die Stadt die Restwertsumme finanziert“, sagt Koch. „Rechtliche Hürden stehen meiner Kenntnis nicht entgegen.“