Filmverleih verärgert

Demminer Kino-Streit schlägt international Wellen

Die Diskussion um das angebliche Vorführverbot für den Film „Wildes Herz” musste Regisseur Charly Hübner nun bei einem Filmfestival in Südtirol erklären.
Birger Schütz Birger Schütz
Sänger Jan "Monchi" Gorkow steht im Mittelpunkt des Films "Wildes Herz", um den in Demmin heftig gestritten wird.
Sänger Jan „Monchi” Gorkow steht im Mittelpunkt des Films „Wildes Herz”, um den in Demmin heftig gestritten wird. Anne Breitsprecher
Dichtes Gedränge vor dem Demminer Kino Filmeck: Ende März sorgte die Premiere des Dokufilms "Über Leben in Demmin" für vollbesetzte Säle. Doch den Streifen "Wildes Herz" wollen die Kinobetreiber in Demmin nicht zeigen. Das sorgt seit Neuestem auch im Ausland für Verwunderung.
Dichtes Gedränge vor dem Demminer Kino Filmeck: Ende März sorgte die Premiere des Dokufilms "Über Leben in Demmin” für vollbesetzte Säle. Doch den Streifen „Wildes Herz” wollen die Kinobetreiber in Demmin nicht zeigen. Das sorgt seit Neuestem auch im Ausland für Verwunderung. Birger Schütz
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Demmin.

Sogar in Norditalien ist Demmin jetzt berühmt: Als die Frage auf die Hansestadt kommt, lässt Charly Hübner sein Mikro sinken und muss für einen Moment breit grinsen. „Das ist echt abgefahren, dass wir in Südtirol darüber reden“, sagt der Regisseur aus MV und blickt amüsiert ins Publikum. Rund 1000 Kilometer Luftlinie ist der Filmemacher in der vergangenen Woche in die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen gereist, um sein Regiedebüt „Wildes Herz“ dem Publikum des 32. Bolzano Film Festival Bozen vorzustellen.

„Das ist natürlich krass“

Doch die Diskussion über das angebliche Demminer Vorführverbot für „Wildes Herz“ holt den Regisseur auch in Italien ein. „Das ist natürlich krass, weil Demmin sowieso durch diese Demonstration im Mai markiert ist“, erklärt Hübner vor den Filmenthusiasten in Bozen. „Dass es nicht in den Fokus gerät, was Demmin eigentlich abwenden wollte, passiert jetzt eigentlich noch mehr.“

Anfang April war der Film über die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ in 150 deutschen Kinos zwischen München und Flensburg angelaufen. Der Film über die vorpommerschen Musiker fand bundesweit viele Zuschauer und gewann mehrere Preise.

Zusage zurückgezogen?

Für die Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft Demmin, die das Kino Filmeck betreibt, reichte das offenbar nicht. Der Film polarisiere, erklärte Kinochef Roman Gau Ende März gegenüber dem Nordkurier. Zudem spreche er nur eine bestimmte Zielgruppe an. Kritiker witterten dagegen Zensur und forderten eine Stellungnahme des Bürgermeisters.

Zwar sei die Diskussion für den Film letztlich nur eine Anekdote, erklärte Charly Hübner in Bozen. „Aber für Demmin ist es eine Katastrophe, dass der Eindruck entsteht, dass demokratisches Agieren gar nicht mehr sein darf.“

Richtig verärgert reagiert Torsten Frehse auf die Diskussion. „Das ist doch kein Propagandastreifen“, erklärt der Geschäftsführer des Neue Visionen Filmverleih, der den Film dem Demminer Kino angeboten hat. „Wir sprechen hier von einem der erfolgreichsten Dokumentarfilme der vergangenen Jahre.“ Doch in Demmin sei eine bereits erfolgte Zusage des Kinos kurzfristig und ohne Erklärung zurückgezogen worden.

Nicht zum Nulltarif

Den Vorschlag der Stadt, den Streifen kostenlos im Rahmen der kommenden Kulturnacht zu zeigen, lehnt der Filmverleiher strikt ab. „Kostenlos?“, fragt er empört. „Das ist unprofessionell. Wir sind eine der größten deutschen Verleiher für Independent Filme und haben kommerzielle Interessen. Wir sind doch keine Klitsche!“ Außerdem habe er den Verdacht, dass es nur darum gehe, den Film pro forma zu zeigen. „Damit man das Thema offiziell weg hat.“

Ob in die Debatte um den Film doch noch Bewegung kommt, könnte sich am kommenden Mittwoch entscheiden. An diesem Tag wird Bürgermeister Michael Koch voraussichtlich eine Erklärung zum Thema abgeben.