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Demminer packen gegen die Flut mit an

In Kolonne fuhren die Katastropheneinsatzkräfte vom Lobeckweg ab in Richtung Ludwigslust.

VonGeorg WagnerRotes Kreuz und Technisches Hilfswerk sind jetzt im Einsatz an der Elbe. Zu Hause wächst die Spendenbereitschaft.Demmin.Die Kolonne ist in der ...

VonGeorg Wagner

Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk sind jetzt im Einsatz an der Elbe. Zu Hause wächst die Spendenbereitschaft.

Demmin.Die Kolonne ist in der Loitzer Straße kaum zu übersehen, die Blaulichter signalisieren Rettungseinsatz. In Demmin ist die Hilfe für die Flutopfer an der Elbe angelaufen. Gestern 17.45 Uhr: Die Transporter sind gepackt, elf Männer und Frauen steigen ein, dann setzt sich der Tross aus sieben Fahrzeugen des Roten Kreuzes in Bewegung nach Ludwigslust. Sie sind kurzfristig alarmiert worden. Nachmittags kam über die Rettungsleitstelle die Anforderung. Wenig später trafen sie ersten der Helfer ein, die meisten von ihnen ehrenamtliche Kräfte. Sie arbeiten in Landwirtschaftsbetrieben ebenso wie in der Pflege oder als Zeitungszusteller, einer von ihnen geht noch zur Schule.
Die Arbeitgeber stellten sie für den Dienst frei. „Ihnen gilt dafür ein besonderer Dank“, sagt die Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes, Bärbel Jahn. Sie weiß, dass das nicht immer selbstverständlich ist. Doch die Bilder von der Flutkatastrophe, die nun auch Mecklenburg-Vorpommern bedroht, haben offenbar eine ähnliche Hilfsbereitschaft freigesetzt wie vor elf Jahren. Mancher, der sich jetzt auf den neuen Einsatz vorbereitet, war damals schon dabei. Und wie im Sommer 2002 packen sie ihre Sachen bei strahlendem Sonnenschein. Kaum vorstellbar, dass weiter im Westen Dörfer und Städte von Wassermassen bedroht sein sollen.
Wo genau sie dort helfen werden, das wissen die Demminer noch nicht. Den Einsatzort werden sie erst in Ludwigslust erfahren, doch der Leiter der Einsatzeinheit, Eckart Barz, rechnet vorerst mit wenig Schlaf. „Wir werden wohl gleich die Nachtschicht bekommen“, vermutet er. Bei Rettungsdienstleiter Ralf Stoeck hat inzwischen das Handy geklingelt. Vom Landkreis kam die Nachricht, dass die Demminer Kräfte für Evakuierungen eingesetzt würden.
Zu der Zeit sind die Helfer der Demminer Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks bereits im Katastrophengebiet. Nachdem es während der Flut in Sachsen und Sachsen-Anhalt noch so schien, als würden die hiesigen Männer in Blau nicht benötigt, hat das rasant steigende Hochwasser der Elbe in Norddeutschland nun alles verändert. Seit kurzem befindet sich das Demminer THW mit seiner Pumpentechnik in Lauenburg. Dort helfen sie beim Abpumpen von Wasser aus den Regenkanälen in der Altstadt, sagt der Kieler THW-Sprecher, Thomas Krimm.
Wie dringend das ist, zeigen schon die Pegelstände. Gerufen wurden die Hilfskräfte bei einem Pegelstand von 8,50 Meter, gestern Vormittag steht er laut Krimm bei 9,30 Meter. Das Wasser der Elbe drückt durch die Kanäle in die Altstadt. Von dort wird es wieder in den Fluss zurück gepumpt. „Solange das geht, bleibt die Altstadt trocken“, sagt Krimm. Steige der Pegel aber wesentlich weiter, dann müsse man einpacken.
Unterdessen rollt auch von anderer Seite in Demmin die Hilfe für die betroffenen Gebiete an. Nach einer Bestandssichtung stellte der Verein der Jungen Europäer fest, dass er Reinigungsmittel abgeben kann. Falls die Anforderung kommt, werde man voraussichtlich nächste Woche bis zu zwölf Paletten nach Boizenburg liefern, so Projektmanager Siegfried Logall. Damit könne gut 200 Familien geholfen werden. „Das liegt uns am Herzen.“

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