GEDENKEN AN KRIEGSENDE

Demminer Requiem hat Premiere

Die evangelische Kirchengemeinde und die Demminer Kantorei haben ein vielfältiges Programm ausgearbeitet, um 2020 des Kriegsendes zu gedenken. Nun steht auch die Finanzierung.
Die Kantorei Demmin ist einer der größten Chöre in Mecklenburg-Vorpommern – hier bei der Aufführung
Die Kantorei Demmin ist einer der größten Chöre in Mecklenburg-Vorpommern – hier bei der Aufführung des „Requiems“ von Wolfgang Amadeus Mozart am 5. Mai 2018. Günter Behnke
Propst Gerd Panknin sieht in den geplanten Veranstaltungen ein gelebtes, demokratisches Bekenntnis.
Propst Gerd Panknin sieht in den geplanten Veranstaltungen ein gelebtes, demokratisches Bekenntnis. NK Archiv
Demmin.

Richtet sich der Blick in Richtung Demminer Stadtkern, streift er stets den über 90 Meter hohen Turm der St. Bartholomaei-Kirche. Doch das Gotteshaus ist nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt und Heimat der evangelischen Kirchengemeinde, sondern auch regelmäßig Austragungsort großer musikalischer Veranstaltungen. So auch in diesem Frühjahr, denn das Gedenkkonzert anlässlich des Kriegsendes vor 75 Jahren steht bevor.

Leid und Hoffnung als Thema

Das von Landeskirchenmusikdirektor Professor Jochen A. Modeß eigens für die Stadt komponierte Requiem wird bei dem Konzert am 2. Mai gleichzeitig uraufgeführt. Die Messe trägt den Namen „Ströme“ und behandelt das Thema Leid im Krieg, aber auch Hoffnung auf Vergebung und Güte. Zudem wird die Kantorei bei dem Gedenkkonzert Brahms „Ein Deutsches Requiem“ singen. Dieses enthält vor allem Bibeltexte, die den Hinterbliebenen Trost spenden sollen. „Das wollen auch die Chormitglieder mit ihrem Gesang“, so Altbürgermeister Ernst Wellmer, der sich selbst in der und für die Kantorei engagiert.

Rund um das Konzert hat die Kirchengemeinde neun weitere Programmpunkte unter dem Namen „über.wunden“ geplant. Der Realisierung stand bisher nur die fehlende Finanzierung im Weg. Nun hat der Kirchenkreisrat aber die Unterstützung von 2500 Euro aus dem Fonds „Initiativen und Projekte“ beschlossen. Noch mal 2500 Euro steuert das Kuratorium der Johannes-Bugenhagen-Stiftung des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises (PEK) bei, teilte der Vorsitzende des Kirchenkreisrats Gerd Panknin mit. Damit seien alle Kosten gedeckt und die Veranstalter können sich auf die Vorbereitungen und Proben konzentrieren.

Klares Zeichen gegen Rechts

Das Gedenkkonzert geht dem jährlich stattfinden Aufmarsch von Rechtsextremisten am 8. Mai voraus und soll diesem ein „klares Zeichen“ entgegensetzten. Auch Propst Gerd Panknin meint: „Musik wird hier zu einem lebendigen demokratischen Geschehen, in dem viele Menschen aktiv einen besonderen Kontrapunkt der Besinnung auf Trauer, Schuld und Verantwortung setzen.“

So wird die Demminer Kantorei auch einen Gedenkgottesdienst, der Teil von „über.wunden“ ist, am Sonntag, 3. Mai, mitgestalten. Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe bereits am Sonntag, 26. April, mit einem Gottesdienst, in dem das Projekt „Demminer Trauertuch“ präsentiert wird. Dabei handelt es sich um eine Decke aus über 1000 Stoffquadraten, deren viele aufgenähte Kreuze die Opfer des Massensuizids symbolisieren sollen.

Darauf folgt am Dienstag, 28. April, ein Gespräch mit der Initiative „Distelblüten – Russenkinder“ im Elsa-Brandström-Haus. Die Initiative beschäftigt sich mit der Geschichte von Besatzungskindern, deren Väter sowjetische Alliierte waren. Vom 4. bis 10. Mai wird eine Künstlergruppe mit dem Namen „Norddeutsche Realisten“ in Demmin und Umland Orte malen, die im Rahmen der Tragödie eine besondere Rolle gespielt haben. Die Werke werden am Sonntag, 10. Mai, im Lübecker Speicher ausgestellt.

Am Freitag, 8. Mai, lädt die Kirchengemeinde am Nachmittag zu einem Friedensgebet ein und am Samstag, 9. Mai, wird es einen Workshop zum Thema kreatives Schreiben geben, gefolgt von einem „Poetry Slam“ am Abend, bei dem die entstandenen Werke vorgetragen werden können. Abschluss des Programms ist ein Gottesdienst am Sonntag, 17. Mai, anlässlich der Aufnahme der Kirchengemeinde in die internationale Nagelkreuzgemeinschaft von Coventry.

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Kommentare (1)

Danke Herr Panknin. Mit dieser Art Selbstgeißelung wird es immer weiter bergab mit der Kirche gehen. Anstatt die frohe Botschaft zu verkündigen, Geschichte Geschichte sein zu lassen, zuversichtlch in die Zukunft zu schauen, den Glauben lebendig zu leben, stimmen Sie auch in den Schuldkult ein. Fürchte dich nicht, war mal; Trage Buße an dem... So wir das nichts werden!