Unsere Themenseiten

:

Demminer Sparkasse hat Deutschlands Wucher-Dispo

Bei der Sparkasse Demmin sind die Dispo-Zinsen so hoch wie sonst nirgendwo in Deutschland.
Bei der Sparkasse Demmin sind die Dispo-Zinsen so hoch wie sonst nirgendwo in Deutschland.
dpa

Wer bei der Demminer Sparkasse oder Volksbank sein Konto überzieht, muss mit die höchsten Zinsen Deutschlands zahlen. Gerade im Hinblick auf die kommunal gestützte Sparkasse hält Hans Schommer das für untragbar. "Unsoziale Wucherpolitik", wirft er der Bank vor.

Als der Hohenbollentiner Bürgermeister Hans Schommer im Fernsehen einen Bericht zu Überziehungszinsen sah, packte ihn der Zorn. Denn ausgerechnet im Demminer Land, einem der ärmsten Gebiete Deutschlands, zahlen Bankkunden mit die höchsten Zinssätze, wenn das Girokonto aus dem Rahmen gerät. Und das kann leicht passieren, weiß Schommer. Sowohl in Hohenbollentin als auch in den Nachbarorten lebten zahlreiche Menschen von einer niedrigen Rente. Ein defekter Herd, eine kaputte Waschmaschine könnten ausreichen, das Konto ins Minus zu drücken.  „Diese Menschen trifft es mit voller Wucht.“

10,5 Prozent Zins müssen sie gegenwärtig bei der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin zahlen, wenn die Überziehung im genehmigten Rahmen bleibt. Geht es dafür hinaus, werden 14,5 Prozent fällig. Ähnlich sieht es laut Stiftung Warentest bei der Volksbank aus. Zum Vergleich: Die VR-Bank Uckermark-Randow verlange nur 4,2 Prozent. Solche Unterschiede sieht Schommer umso weniger ein, als sich Banken derzeit Geld zu Niedrigzinsen von der Europäischen Zentralbank (EZB) holen könnten. Gerade im Hinblick auf die öffentlich-rechtliche Sparkasse sieht er hier ein krasses Missverhältnis. Er spricht von „unsozialer Wucherpolitik“ und fordert: „Es darf meines Erachtens nicht geduldet werden, dass sich kommunalgebundene, für die Daseinsvorsorge geschaffene Institutionen in dieser infamen Weise an der Ausbeutung der sozial Schwachen beteiligen.“

Aus der Sicht der Sparkasse stellt sich das ganz anders dar. Der Irrtum bestehe im Vergleich mit der EZB, kontert ihr Vorstandsvorsitzender Peter Siebken. „Wir nehmen kein Geld von der EZB auf und können deshalb auch nicht an ihrem Zinssatz partizipieren.“

Bei Dispo-Krediten habe man erhebliche Aufwendungen und hohe Ausfallraten. „Deshalb ist der Zinssatz vergleichsweise hoch.“ Allerdings seien Dispokredite nur für einen kurzen Zeitraum gedacht. Sollten Kunden diese nicht kurzfristig zurückzahlen können, würden ihnen zinsgünstigere Umschuldungskredite angeboten.