Seit ihrem Besuch in einem Hospiz in Dresden hat Renate Koch die Idee von einer solchen Einrichtung für Demmin nicht mehr
Seit ihrem Besuch in einem Hospiz in Dresden hat Renate Koch die Idee von einer solchen Einrichtung für Demmin nicht mehr losgelassen. Mit einer Satzungsänderung und der Gründung einer gGmbH sind die Weichen nun gestellt. Christine Gerhard
Schwere Pandemie-Zeit

Demminer Sterbebegleiter hoffen auf stationäres Hospiz

Mit schweren Zeiten kennen sich die Mitglieder der Hospizgruppe aus. Die Pandemie hat der Verein überlebt, auch wenn die Sterbebegleitung jetzt besonders schwierig ist.
Demmin

Fehlende Palliativstation, auswärtige Spezialisten am Limit, fehlende ambulante Palliativpflegestation – in diese angespannte Versorgungssituation will das Trägerwerk Soziale Dienste auf Initiative der Demminer Hospizgruppe ein stationäres Hospiz setzen.

Darin sollen Menschen die Möglichkeit erhalten, ihren letzten Lebensabschnitt in ihrer Heimat, in Demmin in der Nähe ihrer Angehörigen zu verbringen. Die ambulanten Helfer der Hospizgruppe planen, die Einrichtung zu unterstützen.

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Lang gehegter Wunsch

Dafür wurde die gGmbH Hospizdienste im Demminer Umland gegründet. Der initiierende Verein wandert unter das Dach des für das stationäre Hospiz verantwortlichen Trägerwerks, das die Verwaltung übernimmt. Für die Vorsitzende der Hospizgruppe Renate Koch geht damit der lange gehegte Wunsch in Erfüllung, „in Zukunft in sicheren Händen zu sein und in größeren Dimensionen tätig werden zu können.“

Nach zwei schweren Jahren ist es vor allem die Aussicht auf das stationäre Hospiz, das den Demminer Verein motiviert. Nicht nur das zuvor gut besuchte Trauercafé am ersten Mittwoch jedes Monats war aufgrund der Pandemie weggefallen und braucht wohl Zeit, wieder anzulaufen. Lange durften die Ehrenamtlichen auch nicht in die Pflegeheime, um den Sterbenden beizustehen.

„Für die Sterbenden und die Angehörigen war das ganz schlimm und bitter. Man konnte es manchmal nicht mit ansehen oder anhören“, erinnert sich die Vorsitzende. Viele Trauernde hätten zudem bei der Organisation von Beerdigungen und Trauerfeiern die Anforderungen durch die Kontaktbeschränkungen belastet.

Hilfe vor allem für Alleinstehende dringend nötig

Auch wenn die Pflegeheime zum Abschiednehmen für nahestehende Angehörige Ausnahmen machten – es sind vor allem die Einsamen, die die Betreuung der Hospizgruppe in Anspruch nehmen. „Man sagt immer, in den ländlichen Regionen haben die Menschen ihre Angehörigen, aber das stimmt nicht unbedingt“, weiß Renate Koch. Oft seien die Betroffenen alleinstehend oder die Kinder wohnten weit entfernt.

Inzwischen haben sich die Pflegeeinrichtungen für die Sterbebegleiter wieder geöffnet, nur das Krankenhaus zögert noch. „Das ist nicht nur sehr hart für die Angehörigen, sondern auch für Ärzte und das Pflegepersonal, die alles telefonisch klären müssen“, weiß Renate Koch, die dennoch Verständnis für die Vorsicht hat. Die Krankenschwestern gäben natürlich auch Zuwendung. So viel Zeit wie die Sterbebegleiter können sie sich aber nicht nehmen und auch keine Angehörigen ersetzen.

Videotelefonate mit den Angehörigen

Um den Kontakt zu den Lieben in Zeiten der Kontaktbeschränkungen zu vereinfachen, hat die Hospizgruppe auf die Idee einer technikaffinen Ehrenamtlichen hin das Projekt „Digitale Assistenz“ ins Leben gerufen. Mit von der Ehrenamtsstiftung finanzierten Tablets ermöglichen die Sterbebegleiter den Betreuten über Videotelefonate den Kontakt mit Angehörigen. Das Angebot werde gerne genutzt, sagt Renate Koch.

Die Kontaktbeschränkungen veränderten auch die interne Zusammenarbeit. So paradox es klingt, die Ehrenamtlichen der Hospizgruppe feiern gerne und hätten auch ihr 15-jähriges Bestehen im vergangenen Jahr gerne festlich begangen. Wegen der Pandemie war das, ebenso wie die regelmäßigen Gruppenabende, nicht möglich. „Die Leute vermissen das, auch die gemeinsame Wochenendfahrt“, weiß Renate Koch.

Weitere Mitstreiter werden gesucht

Die Vorfreude ist deshalb groß: Eine Wochenendfahrt und der Palliativtag in Rostock sind für dieses Jahr wieder geplant. Außerdem begann in dieser Woche der Kurs für vier neue angehende Sterbebegleiter. 80 Theoriestunden und 20 Stunden Praktikum beinhaltet der. „Die Praktika werden schwierig, aber wir finden eine Möglichkeit“, sagt Renate Koch.

22 aktive ehrenamtliche Begleiter standen dem Verein zu Jahresende zur Verfügung, einige jüngere mussten ihr Engagement wegen der zusätzlichen Belastung durch Homeoffice und Kinderbetreuung aufgeben, ein paar ältere durch Krankheit. Neue aktive Mitglieder braucht der Verein immer und ein Einstieg in den Kurs ist laut Renate Koch noch möglich. „Aber man muss es wirklich wollen“, betont sie.

 

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