NACHRUF

Demminer trauern um Gymnasiumsleiter

Traurige Nachricht zum Schuljahresbeginn: Nach langer Krankheit ist Gymnasiumsleiter Dirk Kollhoff verstorben.
Karsten Riemer Karsten Riemer
Dirk Kollhoff (07.10.1964 – 27.07.2019)
Dirk Kollhoff (07.10.1964 – 27.07.2019) Privat
Demmin.

Es herrscht eine geteilte Stimmung zum Schulstart am Demminer Goethe Gymnasium. Während sich die Schüler einem spannenden Jahr gegenübersehen und feierlich ihre neuen Mitstreiter begrüßen, macht eine Nachricht die Runde, die Betroffenheit auslöst. Denn ein Gesicht wird künftig fehlen. Auf dem Schulhof, auf den Gängen, im Unterricht.

Ende Juli verstarb Schulleiter Dirk Kollhoff nach langer und schwerer Krankheit. Ein Mann, der fünf Jahre lang die Geschicke der Schule lenkte, bei Schülern und Lehrern gleichermaßen beliebt war und sich nie von seinem Weg und seinen Ideen abbringen ließ. Auch durch die Krankheit nicht. „Wir haben die Nachricht seines Todes mit großem Bedauern aufgenommen“, so der amtierende Schulleiter Axel Binder.

Einer, der zu begeistern wusste

Es war der letzte Schultag vor Ostern, als Dirk Kollhoff das letzte Mal durch das Schulgebäude ging. Er wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass er nicht zurückkehren würde. Für das Kollegium ein bedrückender Moment. „Die Musikschüler haben ihm noch ein Ständchen gesungen“, erinnert sich der stellvertretende Schulleiter Andreas Trunk. Ohne, dass die Kinder damals wussten, dass sie ihren Lehrer nicht wiedersehen würden. Doch er wird immer in Erinnerung bleiben.

Denn Dirk Kollhoff war ein Mann, der zu begeistern wusste. Ein Mann, der die Fächer Deutsch, Geschichte und Philosophie mit Leidenschaft unterrichtete und Kollegen sowie Schülern ein kompetenter Ansprechpartner und wichtiger Vertrauter war. Er setzte sich ein für die Belange der Schule, für Modernisierung und neue Technik. Selbst als er krank wurde, war er für seine Schule da. „Er ist mit der Krankheit sehr stark umgegangen“, sagt Trunk.

Trauerstunde am Freitag

Und auch wenn die Lehrer des Musikgymnasiums bereits über den viel zu frühen Tod Bescheid wussten, stand ihnen am ersten Schultag eine Aufgabe bevor, die schwer zu meistern ist. Den Verlust einer geschätzten Person den Schülern begreiflich zu machen. „Sie haben es mit großer Betroffenheit aufgenommen“, sagt der amtierende Schulleiter. Die Nähe zu seinen Schülern habe Dirk Kollhoff immer besonders ausgezeichnet.

Mit einer Gedenkminute wurde ihm am Montag in den Unterrichtsstunden gedacht. Doch damit ist das Erinnern noch nicht zu Ende. Am Freitag soll es schulintern eine freiwillige Trauerstunde geben. Mit Gedichten und Liedern vom Chor. Ein Abschied, der Dirk Kollhoff gefallen hätte.

 

Zum Tod von Dirk Kollhoff erreichte den Nordkurier dieser Leserbrief der ehemaligen Schülerin Kerstin Annassi:

"Meine Schwester hat mich über den Tod von Herrn Kollhoff unterrichtet und mir auch Ihren wunderbaren Artikel geschickt.  Ich bin 1991 auf das Carolinum gewechselt und habe 1997 dort mein Abitur gemacht. Ich hatte nie Regelunterricht mit Herrn Kollhoff, lernte ihn aber in einem Kurs – „Kreatives Schreiben“ –
kennen. Ich war bereits sehr gut im Fach Deutsch, aber durch ihn habe ich entdeckt, wie einfach es mit fällt, komplexe Sachverhalte so darzustellen, dass sie auch Menschen verständlich sind, die nicht so tief in der Materie stecken. Er hat uns gefördert und gefordert. Er organisierte einen Besuch beim Nordkurier, später haben wir sogar ab und zu einen Artikel für die Zeitung geschrieben.

Heute, mehr als 20 Jahre später, arbeite ich am anderen Ende der Republik. Ich setze Forschungsprojekte um. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es, diese Forschungsprojekte dem Laien – und als Steuerzahler auch dem Finanzierenden der Projekte – nahezubringen. Ich schreibe Reden für Ministerinnen, Staatssekretäre, Referatsleiter und Beiträge für die Webseiten und Social-Media-Accounts des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Herr Kollhoff – Dirk, wie wir ihn dann nach der Abi-Feier nennen durften – hat mein Leben geprägt. Ich bin dankbar und gerade furchtbar traurig, dass sein Leidensweg und sein Tod „an mir vorbeigegangen sind“.

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