HAFENKLAUSE UND KRAMKISTE

Demminer Unternehmer warten auf Corona-Hilfe

Für viele Unternehmer wird durch die Corona-Krise die Luft dünn. Funktionierende Alternativen zum Tagesgeschäft gibt es kaum, wie zwei Beispiele in Demmin zeigen.
Auch wenn der Lieferdienst in der Demminer „Hafenklause“ noch nicht richtig angelaufen ist, stehen die Wirtsleute
Auch wenn der Lieferdienst in der Demminer „Hafenklause“ noch nicht richtig angelaufen ist, stehen die Wirtsleute Holtackers für Bestellungen bereit. Karsten Riemer
Hinter der Ladentheke sitzt André Dädler derzeit nicht mehr. Seine Gebrauchtwaren übers Internet zu verkaufen
Hinter der Ladentheke sitzt André Dädler derzeit nicht mehr. Seine Gebrauchtwaren übers Internet zu verkaufen, würde sich nicht lohnen, sagt er. Karsten Riemer
Demmin.

Knapp zwei Wochen ist es her, dass die harten Restriktionen der Bundes- und Landesregierung im Zuge der Corona-Krise in Kraft getreten sind. Neben den allgemeinen Einschränkungen für jeden einzelnen treffen diese vor allem kleine Unternehmen hart. Geschlossene Ladentüren und Restaurants bedeuten für die Inhaber weniger beziehungsweise gar keine Einnahmen, während die Ausgaben, beispielsweise für Miete und Versicherungen, weiterlaufen. Tausende Unternehmen in MV haben Kurzarbeit angmeldet.

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Zwar wurde seitens der Regierung schnelle Hilfe versprochen, diese steht jedoch vielerorts noch aus. So herrscht auch für Demmins Unternehmer weiterhin Ungewissheit, wie es weitergehen soll. „Wir warten noch auf die Unterstützung“, sagt Ulrike Holtackers, Wirtin der „Kleinen Hafenklause“ am Demminer Hanseufer. Beantragt haben sie und ihr Mann die Soforthilfe des Landes Mecklenburg-Vorpommern direkt zu Beginn der Krise. 9000 Euro beträgt dieser Zuschuss. Geld, welches die Eheleute dringend brauchen. Denn Pacht, Versicherung und Strom müssen gezahlt werden. Auf dem Konto sehen die beiden bislang allerdings noch nichts von der staatlichen Finanzspritze. „Aber bis Ende dieser Woche sollte das eigentlich drauf sein“, so Guido Holtackers zuversichtlich.

Lieferdienst wird bisher kaum angenommen

Bislang haben sich die beiden mit einem Lieferdienst für ihre Speisen beholfen, um den Verlust so gering wie möglich zu halten. Doch das Geschäft läuft schleppend. „Dienstag hatten wir sechs Tagesgerichte“, sagt Guido Holtackers. Trotz Werbung in den sozialen Medien oder auf Aushängen müsse sich das Angebot noch weiter herumsprechen.

Zusätzliche staatliche Hilfen, wie die von der Bundesregierung angebotenen Kredite wollen die Wirtsleute allerdings nicht in Anspruch nehmen. „Das hilft ja nichts“, sagt er. Schließlich müssen diese ja auch irgendwann zurückgezahlt werden. Niemand wisse aber, wie und wann das Geschäft nach der Krise wieder anläuft.

Online-Verkauf würde kaum etwas einbringen

Auch in der „Kramkiste“ von Gebrauchtwarenhändler André Dädler heißt es derzeit warten auf Fördermittel. „Noch bin ich recht entspannt, aber wenn die Mittel nicht rechtzeitig kommen, wird es schwierig“, sagt er. Zudem fehlt eine ernsthafte Alternative für den täglichen Verkauf im Laden. Zwar könnte die Ware auch im Internet an den Mann gebracht werden, doch finanziell würde das nicht viel einbringen. Die Preise unterscheiden sich zum lokalen Verkauf teilweise massiv. Zusätzlich fallen Gebühren für die verschiedenen Plattformen an.

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Einzig die Wohnungsentrümpelungen und Haushaltsauflösungen könnten noch etwas Einkommen generieren. Entsprechende Anfragen sind bis dato jedoch rar. „So einen Auftrag könnte ich aber jederzeit annehmen“, sagt Dädler. Als letzter Ausweg bleibt dann nur noch ein Kredit. Einen Antrag hat der Gebrauchtwarenhändler aber noch nicht gestellt. Und bis zu einer Auszahlung der Gelder würde dann auch wieder Zeit ins Land gehen. Zeit, die die Unternehmer der Region allerdings nicht haben.

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