Denkmal-Tag

Demminer Verein bringt historische Gemälde in Farbe zurück

Unter dem Motto „Sein und Schein” können sich Geschichtsinteressierte am Sonntag ein Bild von Demmin machen, wie es einst aussah oder gesehen wurde – mit zwei besonderen Aktionen.
Gezeigt wird zum Tag des offenen Denkmals erstmals seit vielen Jahrzehnten unter anderem Karl Rumpels Vision des Hafengeschehe
Gezeigt wird zum Tag des offenen Denkmals erstmals seit vielen Jahrzehnten unter anderem Karl Rumpels Vision des Hafengeschehens in Demmin um 1283. ZVG
Der Maler Karl Rumpel gestaltete einst den Marienhain-Pavillon.
Der Maler Karl Rumpel gestaltete einst den Marienhain-Pavillon. ZVG
Im Marienhain-Pavillon zeigt der Heimatverein eine Neuinterpretation historischer Wandgemälde.
Im Marienhain-Pavillon zeigt der Heimatverein eine Neuinterpretation historischer Wandgemälde. Sophia Brandt
Das Rathaus ist zwar ein Denkmal, aber nur scheinbar historisch. 1998 wurde es feierlich eröffnet.
Das Rathaus ist zwar ein Denkmal, aber nur scheinbar historisch. 1998 wurde es feierlich eröffnet. NK-Archiv
Demmin

„Was in Demmin geschichtlich relevant ist, fängt nicht am 8. Mai an und hört am 8. Mai auf“, findet Stadthistoriker Karsten Behrens. „Es gibt viele Facetten, die es wert sind, gezeigt zu werden.“ Hinderlich ist dabei allerdings, dass aus der Zeit vor 1945 nicht allzu viel übrig geblieben ist, das gezeigt werden könnte. Was verschwunden ist, wollen Heimat- und Garnisonsverein nun zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag wieder sichtbar machen und neu in den Fokus rücken. Vier an Bauzäunen befestigte Banner, jeweils 3,5 Meter lang und einen Meter hoch, werden so auf allen Seiten des Marktplatzes einen Eindruck davon geben, wie es dort früher aussah. An den Marktecken soll die Rundumsicht durch weitere, kleinere Ansichten ergänzt werden. Damit will der Garnisonsverein die für den virtuellen Denkmaltag 2020 online aufbereiteten Ansichten in diesem Jahr „offen begehbar“ machen.

Demminer Rathaus sieht nur historisch aus

Begehbar ist auch das historisch anmutende Rathaus in der Mitte des Platzes. Doch auch das stammt, wie die Demminer wissen, nur dem Schein nach aus der Zeit vor 1945. Damals war das Original abgebrannt, die Ruinen, die laut Behrens für einen Wiederaufbau nutzbar gewesen wären, wurden später abgerissen. Der Marktplatz war damit entkernt und diente als Parkplatz, bis das alte Rathaus Jahrzehnte später wieder zum Kernthema der Kommunalpolitik wurde – mit dem bis heute sichtbaren Ergebnis in gelbem Anstrich. In diesem nach historischem Vorbild erbauten neuen Rathaus hält Hans Schommer vom Garnisonsverein am Sonntag um 10, 11, 13 und 14 Uhr Vorträge zur Geschichte des Marktplatzes.

Mit den Veranstaltungen dort verfolgt der Verein dabei keine politische Agenda, wie Karsten Behrens betont. „Die Marktansichten sind keine Bewerbung für die Bebauung der Marktsüdseite“, erklärt er, „es ist nicht unser Anliegen, beim Tag des offenen Denkmals so zu agieren.“ Dennoch werde die in der Stadtpolitik immer wieder aufkommende Frage in den Diskussionen und Informationsgesprächen wohl einen Schwerpunkt bilden, vermutet der Stadthistoriker. „Es wird immer wieder gefragt, warum nur das Rathaus historisch wiederhergestellt wurde“, hat er festgestellt.

Rumpel-Bilder zum Teil historisch ungenau

Nicht als bleibende, aber durchaus als wiederholbare Installation, ist auch die Aktion des Heimatvereins auf dem Marienhain gedacht, die es beim Ideenwettbewerb des T30-Vereins in ihrer Kategorie auf Platz zwei schaffte. Dabei ist der kleine Park inmitten der Stadt historisch gesehen ein Platz für die Ewigkeit gewesen. Einst war hier ein Friedhof, der Pavillon in der Mitte diente als Kapelle. Die Wände bemalte der damals in Demmin ansässige Maler Karl Rumpel laut Behrens 1937 mit historischen Ansichten in dem ihm eigenen Stil. Denn Rumpel war mehr Künstler als Historiker, seine Gemälde „nicht unbedingt dokumentarisch“, wie Karsten Behrens erklärt: „Sie zeichnen sich oftmals durch eine Vermengung von historischen mit späteren Ansichten aus.“ So sei etwa auf einer mittelalterlichen Stadtansicht Rumpels der Spitzturm der Sankt Bartholomaei-Kirche zu sehen, der aber erst im 19. Jahrhundert einen niedrigeren Turm ersetzte. Gelegentlich bemängelten Kritiker daher, Rumpels Bilder seien nicht authentisch, repräsentierten nicht den originalen Zustand. „Aber man muss dem Künstler zugestehen, dass das seine Sicht auf Demmin war und die Bilder keine Fotos sind“, findet Behrens.

Seit Jahrzehnten jedenfalls waren die vier schwarz-weißen Wandgemälde im Pavillon nicht mehr zu sehen gewesen. Was 1945 mit ihnen geschah, ob sie dem Feuer zum Opfer fielen, übermalt wurden oder vielleicht das eine das andere bedingte, darüber kursieren laut Behrens unterschiedliche Legenden. Fest steht jedoch, dass die im Auftrag des Heimatvereins nachkolorierten Motive – darunter „Heinrich der Löwe“, „Schweden-“ und „Preußenzeit“ – von 10 bis 17 Uhr mit dem Beamer auf die Wände des Marienhains projiziert werden. Zu sehen ist im Pavillon dann außerdem der Nachbau eines Modells, das die Besucher ins Demmin des Spätmittelalters entführt.

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