Streit eskaliert

Demminern stinkt Gülle am Wochenende

Ein Landwirtschaftsbetrieb hat in den vergangenen Tagen reichlich Gülle im Raum Demmin ausgebracht - sogar sonntags. Die Anwohner ärgerte das so sehr, dass sie die Polizei riefen.
Anwohner Peter Tuxhorn störte sich vor allem daran, dass am Rande Demmins am Wochenende gegüllt wurde.
Anwohner Peter Tuxhorn störte sich vor allem daran, dass am Rande Demmins am Wochenende gegüllt wurde. Kai Horstmann
Auf diese Grünflächen am Eichholz hat Rainer Tietböhl die Gülle aufbringen lassen.
Auf diese Grünflächen am Eichholz hat Rainer Tietböhl die Gülle aufbringen lassen. Kai Horstmann
Demmin

Darf man auch am Wochenende Gülle auf seine Felder bringen? Genau das machte Rainer Tietböhl, Geschäftsführer des Wolkower Milchhof Kussmann KG, weil diese Arbeit beendet werden sollte. Laut Anwohnern begannen seine Mitarbeiter ab Donnerstagvormittag, die Gülle auf die Felder am Eichholz in Demmin zu bringen. Dabei durchfuhren sie auch die kleine Straße. Einige der Anwohner glaubten am Freitag, dass die Arbeiten zum Abend hin beendet werden würden. Doch das erwies sich als Irrtum. „Am Sonnabend ging das Güllen weiter, und als die Arbeit am Sonntag fortgesetzt wurde, stellte ich die Bauern zur Rede“, sagt Peter Tuxhorn, der sein Haus an einem der bewirtschafteten Felder hat.

Gülle eine Gefahr für Kranich und Co.?

Er wollte den Namen von ihrem Chef wissen, erhielt aber keine Antwort. Um 12.54  Uhr rief Tuxhorn die Polizei zu Hilfe. Zugleich stellte er sich mit seiner Frau Vanda und seinem Ridgeback Ludwig den Güllefahrern in den Weg. Kurz vor der Polizei traf Rainer Tietböhl ein und musste sich einiges anhören. Die Polizisten nahmen den Fall auf und alle Parteien einigten sich darauf, dass der vorhandene Güllebehälter noch entleert wird, und danach endlich die Sonntagsruhe einkehrt.

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Wie Peter Tuxhorn beteuert, geht es hier nicht um einen Nachbarschaftsstreit. Vielmehr wusste er gar nicht, dass die Felder Tietböhl gehörten. Zudem kannte Tuxhorn bis dahin den ehemaligen Präsidenten des Bauernverbandes MV nicht, da er erst vor Kurzem mit seiner Frau nach Demmin zog, weil diese eine Chefarztstelle im Demminer Krankenhaus antrat. „Auf den Feldern sieht man viele Kraniche, Gänse, Rehe und Wildschweine. Ich sehe hier eine Gefährdung der Umwelt durch die hohe Menge an Gülle, die hier aufgetragen wurde. Die Folgen müssen alle Bürger tragen“, erklärt Peter Tuxhorn.

Für Landwirte drängt die Zeit

abei stellt er folgende Rechnung auf: In einem Güllebehälter passen rund 20 Kubikmeter, das sind 20.000 Liter. Tuxhorn schätzt, dass an den vier Tagen rund 50 Gülletransporte auf die Felder gebracht wurden. Damit wären rund eine Million Liter Gülle auf die Felder gebracht worden. Ein anderer Anwohner, der nicht namentlich genannt werden möchte, pflichtet Tuxhorn bei und ist ihm dankbar, dass dieser das Gülleausfahren beendete. Rainer Tietböhl hatte bereits bei dem Streitgespräch eingesehen, dass es ein Fehler war, die Gülle an einem Sonntag ausgefahren zu haben. Das bestätigt auch die Gegenseite. „Das war taktisch einfach unklug. Das hätten wir nicht tun sollen, weil es auch andere Möglichkeiten gegeben hätte“, sagt Rainer Tietböhl und bittet um Entschuldigung.

Dann kommt der Landwirt aber auch auf die fachliche Seite zu sprechen. Er bestreitet, dass es sich um eine so große Menge an Gülle handelt, da die Tanks nur mit höchstens 18 Kubikmeter gefüllt werden. Dazu kann er sich nicht vorstellen, dass es wirklich so viele Fahrten gewesen seien. Eine Verunreinigung der Trebel und der Peene schließt Tietböhl aus. Dazu seien diese Flächen keine Naturschutzflächen, sondern Grünflächen, die noch bis zum Ende des Monats gegüllt werden dürfen. Dagegen ist das Güllen auf den Äckern seit dem 1.  Oktober verboten. „Ich achte sehr auf die Einhaltung der Gesetze, Naturschutz ist auch mir wichtig. Aber wir müssen den Herbst noch nutzen, um unsere Gülle zu entsorgen, denn erst ab 1.  Februar darf diese wieder auf die Felder gebracht werden. Wenn es denn die Witterung zulässt. Schließlich sollen ja unsere Güllebehälter nicht überlaufen“, erläutert Rainer Tietböhl.

Polizei stellt klar: Das ist kein Fall für uns

Die Polizei sieht keinen Anlass, den Fall weiter zu untersuchen. Wie ein Polizeisprecher erklärte, liege aus ihrer Sicht kein rechtlicher Verstoß vor. Peter Tuxhorn benachrichtigte auch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU). „Die düngerechtliche Überprüfung hat ergeben, dass keine Verdachtsmomente vorliegen, dass hier gegen das Düngerecht verstoßen wurde. Erlaubt ist, vom 1.  September bis 31.  Oktober 80 Kilogramm Stickstoff als Gülle je Hektar Grünland auszubringen“, erklärte Amtsleiter Christoph Linke.

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Kommentare (4)

Hohe Gehalte an gebundenem Stickstoff, Phosphor, Kalium und anderen Nährstoffen machen sie zu einem wichtigen Dünger. Auch, wenn sie etwas steng riecht. Das muss auch ein auf Stress gebürsteter grüner Wessi frisch aus der Grossstadt einsehen. So macht er sich hier keine Freunde.

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Was dank ungebändigter Massentierhaltung – Jahr um Jahr zunehmend – für Sondermüll auf den "Lebensmittel" produzierenden Flächen entsorgt wird, ist das Letzte. Die Gewinne (und ausbleibenden Entsorgungskosten) fährt die Agrarindustrie gern ein, die Folgen (u.a. Kosten) tragen Pflanzen, Tiere, Gewässer, Trinkwasser, Anwohner und Nachkommen. Und nicht zuletzt heizen diese Schadstoffquellen in der Nachbarschaft die Landflucht an. Es ist ja nicht so, dass die Agrarindustrie mit Abgas- und Lärmbelastung, Pestiziden & Co "ihre" weitere Umgebung nicht schon genug schädigen würde. Dank starker Lobby und gleichgültigem Wähler legal bzw. bewusst unkontrollierbar gestaltet.

Gülle kann auch noch richtig weiter verwertet werden, dann stinkt es auch nicht mehr auf dem Acker. Einige Bauern arbeiten nicht mehr Zeitgemäßig. Die Politik und EU tut aber auch nichts dagegen. Die Nitratbelastung im Trinkwasser ist gerade durch solche Idioten wieder sehr hoch geworden. Hauptsache die Profite klingeln und die Natur geht den Bach hinunter.