CORONA-KRISE

Demmins Kultur ist auf dem Weg ins Internet

Um nicht gänzlich auf die Kunstnacht verzichten zu müssen, wurde das geplante Kirchenkonzert kurzerhand ins Internet verlegt. Ob das zu einem Konzept für Demmins kulturelle Zukunft werden kann, muss sich jedoch erst noch zeigen.
Noch einen Monat lang ist das Konzert des Dresdner Residenz Orchesters auf der Internetseite der Hansestadt Demmin verfüg
Noch einen Monat lang ist das Konzert des Dresdner Residenz Orchesters auf der Internetseite der Hansestadt Demmin verfügbar. Screenshot/demmin.de
Demmin.

Die kleinen Rädchen, welche die Hansestadt am Leben halten, stehen weitgehend still. Demmins Politik ruht, Projekte verzögern sich, Veranstaltungen sind gänzlich abgesagt. Die Corona-Krise hat die Stadt im Griff. Für die Kulturszene ist das ein Schuss vor den Bug, dessen langfristige Auswirkungen kaum absehbar sind. Unterkriegen lassen sich die Akteure jedoch nicht. Denn Demmin kann Kunst und Kultur auch digital. Der Aufschlag für entsprechende Angebote trotz Pandemie ist gemacht.

Statt der Kunstnacht und einem Konzert des Dresdner Residenz Orchesters in der St. Bartholomaei-Kirche sind Stadt sowie die Sponsoren des Kunst- und Kulturvereins und der Allianz Kulturstiftung auf das Internet ausgewichen. Und das mit Erfolg. Über 550 Mal wurde das Video der Dresdner Musiker bis Mittwochmorgen aufgerufen. „Das ist enorm“, so Allianz-Generalvertreter Jens Otto. Immerhin sei das schon ein Drittel der Besucher einer normalen Kunstnacht in der Hansestadt. Auch die Reaktionen, die Otto bislang bekommen hat, seien durchweg positiv.

Auch Bildergalerien von Kunsthandwerkern denkbar

Der Vorsitzende des Kunst- und Kulturvereins Ronny Szabó zeigt sich ebenfalls zufrieden mit der Entwicklung. „Ich finde das sehr gut, tragisch wäre es gewesen, wenn nur 50 Leute auf die Seite geklickt hätten“, sagt er. Einen Monat lang soll das Video noch auf der Internetseite der Stadt Demmin verfügbar sein. Technische Probleme hätte es trotz der erhöhten Zugriffszahlen auf der Seite bislang nicht gegeben. „Da haben unsere IT-Leute sehr gut gearbeitet“, so Szabó.

Ob und wie aus der Kultur im Internet ein Zukunftsmodell für die Hansestadt werden kann, ist allerdings noch offen. Ideen gibt es dafür jedoch bereits. „Ich hatte schon angeregt, dass der Kunst- und Kulturverein allen Künstlern eine ähnliche Geschichte anbieten kann“, sagt Otto. Diejenigen, die sonst bei Veranstaltungen, wie der Kunstnacht aktiv sind, hätten so eine Möglichkeit sich zu präsentieren. Dabei müsse es nicht unbedingt ein Videoformat sein. Bildergalerien von Kunsthandwerk seien ebenfalls denkbar. „Dazu sollten dann aber die Kontaktdaten bereitgestellt werden“, sagt er.

Vereine präsentieren sich online

Ein ähnliches Präsentationskonzept fährt auch der Demminer Kulturring. Über den zugehörigen Verein T30 e.V. wird anderen Ehrenamtlern der Stadt die Möglichkeit gegeben, sich im Internet zu der aktuellen Situation zu äußern. So sind beispielsweise der Demminer Heimatverein oder der Demminer Bürger e.V. mit einem Video vertreten. „Die grundsätzlichen Fakten kennen wir alle, es gibt keine Veranstaltungen“, so Sarah Dittrich. Das wird die Vereine auch noch eine Zeit lang begleiten. Denn wann der normale Kulturbetrieb wieder anlaufen kann, lässt sich bislang nur schwer abschätzen. Erst am 6. Mai kommen Bund und Länder zusammen, um über weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen zu entscheiden.

„Das Angebot bei uns geht immer weiter runter“, so Dittrich. Bis sich in Demmin nach der Krise dann wieder eine Kulturszene entwickelt, würde es dauern. Den Weg ins Internet sieht Dittrich daher auch grundsätzlich positiv. „Solche digitalen Formate sind schon schön“, sagt sie. Gibt aber zu bedenken, dass Künstler so etwas auch nicht dauerhaft kostenlos anbieten könnten.

Es besteht ein zusätzlicher Bedarf der Vernetzung

Zumindest die Musiker des Dresdner Residenz Orchesters mussten das auch nicht. Laut Ronny Szabó wurde eine Summe im unteren vierstelligen Bereich für das Konzert ausgegeben. Finanzielle Mittel, welche aber ohnehin durch die Sponsoren bereits für den Auftritt in der Kirche eingeplant waren.

Welche Künstler demnächst noch auf der Internetseite der Stadt die digitale Bühne betreten, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass zwischen den Kulturschaffenden, Ehrenamtlern und der Stadt in der Krise ein zusätzlicher Bedarf der Vernetzung besteht. „Wir arbeiten immer gern mit der Stadt zusammen“, sagt Sarah Dittrich. Die Tür für eine digitale Kultur- und Vereinslandschaft steht in Demmin also offen.

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