Obwohl die Douglasie als tolerant gilt, was die aktuelle Witterungslage betrifft, vertrocknen vor allem junge Bäume durch die
Obwohl die Douglasie als tolerant gilt, was die aktuelle Witterungslage betrifft, vertrocknen vor allem junge Bäume durch die aktuelle Dürre. Eckhard Kruse
Aktuell werden viele Nadelbäume aus dem Wald geholt. Denn ein Großteil ist wegen Hitze und Trockenheit von Schädlingen befa
Aktuell werden viele Nadelbäume aus dem Wald geholt. Denn ein Großteil ist wegen Hitze und Trockenheit von Schädlingen befallen. Ig Bau
Forstamtsleiter Robert-Marc Berger sieht ernste Alarmsignale in den hiesigen Wäldern.
Forstamtsleiter Robert-Marc Berger sieht ernste Alarmsignale in den hiesigen Wäldern. Denny Kleindienst
Borkenkäfer-Plage

Der Dürre-Stress macht die Wälder krank

Schon im zweiten Jahr in Folge hat die Natur mit anhaltender Trockenheit im Sommer zu kämpfen. Für die Wälder wird das immer mehr zur Bedrohung.
Demmin

Auch in diesem Jahr überzeugt der Sommer wieder mit warmen Temperaturen und viel Sonnenschein. Doch was des einen Freud, ist des anderen Leid. Denn die lange Trockenheit sorgt für einige Probleme. Nicht nur die Landwirte haben auf den Feldern mit den Witterungsbedingungen zu kämpfen. Auch den Wäldern setzt der Wassermangel zu.

Ein Großteil der heimischen Nadelbäume ist akut bedroht, heißt es von der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Ostmecklenburg-Vorpommern. Schuld sind die anhaltende Wärme und Trockenheit und ein daraus resultierender Schädlingsbefall. „Nach dem Hitzejahr 2018 fehlt auch in diesem Sommer bislang der nötige Regen“, sagt der Bezirksvorsitzende der Forst-Gewerkschaft, Wolfgang Ehlert. Die IG Bau warnt vor massiven Schäden, die sich auch auf die Forstwirtschaft der Region auswirkt. Vor allem die Kiefern seien davon besonders betroffen, da sie oft auf sandigen Böden stehen und kaum Wasservorräte sammeln können.

Deutliche Alarmsignale

„Die Gesamtsituation ist ernst“, sagt auch der Leiter des für den Bereich Demmin zuständigen Forstamts in Poggendorf, Robert-Marc Berger. Die Kiefer sei davon allerdings weniger betroffen. „Der geht es gar nicht so schlecht“, sagt er. Allgemein trifft die Trockenheit allerdings fast alle Baumarten. Selbst das Laubholz leide inzwischen darunter. „Bei der Buche sieht man ganz deutlich, dass die Blätter sehr klein sind“, so Berger. Das wäre ein Alarmsignal für das kundige Auge.

Außerdem befinde die Buche sich in einem sogenannten Mastjahr. Das bedeutet, dass die Bäume massiv mit Bucheckern behangen sind. „Da geht viel Energie rein“, sagt der Forstamtsleiter. Vor 20 bis 30 Jahren habe es Mastjahre im Abstand von ungefähr einer Dekade gegeben. „Das ist in letzter Zeit deutlich häufiger geworden“, so Berger. Wurde früher nicht davon ausgegangen, dass die hohe Zahl an Bucheckern etwas mit Stress für den Baum zu tun hat, sieht Berger allerdings aktuell einen Zusammenhang.

Doch nicht nur die diesjährige Trockenheit ist die Ursache für die Probleme im Wald. Bereits der nasse Winter zwischen 2017 und 2018 trage eine Schuld an der schwierigen Situation für die Buche. Die allgemeine Feuchtigkeit und steigendes Grundwasser hat damals die tiefer liegenden Wurzeln angegriffen. Durch den sich anschließenden trockenen Sommer im vergangenen Jahr traf es die oberen Wurzelbereiche. „Die konnten dann auch nicht mehr all zu viel Wasser liefern“, so Berger.

Keine einfache Lösung

Vor allem für Flachwurzler wie die Fichte ist anhaltender Wassermangel problematisch. „Das sind die ersten, die betroffen sind“, sagt er. Zusätzlich zu der Stresssituation am Baum, habe die Fichte mit einem starken Schädlingsbefall zu kämpfen. „Der Borkenkäfer hatte 2018 ein gutes Brutjahr“, erklärt der Forstamtsleiter. Dadurch gebe es eine hohe Anzahl an Tieren, die die geschwächten Fichten angreifen können. Als kurzfristige Lösung bliebe den Waldbesitzern dann nur, gezielt die geschädigten Bäume zu fällen. Diese müssen dann zügig abtransportiert oder außerhalb des Fichtenbestands gelagert werden. Auch der Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln sei möglich.

Ein großes Problem ist die Dürre auch für neue Anpflanzungen in den Wäldern. Berger rechnet mit erhöhten Ausfällen durch den Wassermangel. „Die eine oder andere Aufforstung müssen wir wiederholen“, sagt er.

Eine allgemeine Lösung für die Dürreproblematik gibt es indes nicht, wohl aber Ideen, wie den Folgen zumindest teilweise entgegengewirkt werden kann. „Es wird schwerfallen, etwas an den Ursachen zu ändern“, sagt der Forstamtsleiter. Beregnen oder anderweitig bewässern lassen sich die Wälder im großen Stil nicht. Möglich wäre es allerdings, Bäume in den Wäldern heimisch zu machen, die eine höhere Toleranz haben. So nennt Berger beispielsweise die Douglasie oder die Esskastanie als Alternativen. Auch Mischwälder sind für ihn eine Option, um Schäden vorzubeugen. Dadurch würden nicht so viele Kahlflächen entstehen, wenn Bäume aufgrund von Schädlingen oder Trockenheit gefällt werden müssen. Eine schnelle Antwort auf die Dürre ist das allerdings nicht. „Im Grunde läuft man hinterher“, sagt Berger.

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