Unsere Themenseiten

:

Die Zeitbombe am Gasometer

Was soll nur daraus werden? Zunächst jedenfalls soll das Gasometer-Gelände entgiftet werden. Danach ist alles offen.
Was soll nur daraus werden? Zunächst jedenfalls soll das Gasometer-Gelände entgiftet werden. Danach ist alles offen.
Thoralf Plath

Es dürfte das giftigste Grundstück sein, das in Demmin zu haben ist: Was auf dem Gelände des früheren Gasometers am Richtgrabenweg alles im Boden liegt, weiß niemand so ganz genau. Ein Gutachten listet Schlimmes auf. Jetzt soll das Areal saniert werden.

Tut sich jetzt endlich was auf dem Gelände des alten Gasometers zwischen Lindenstraße und Richtgrabenweg? Was Michael Elsholtz, Regional-Sprecher des Energiekonzerns e.dis, dazu auf Nordkurier-Anfrage zu sagen hat, klingt danach. „Die Ausschreibungen für die Sanierung des Geländes laufen. Im Frühjahr geht es los.“

Dabei sieht, auf den ersten Blick, alles ganz harmlos aus: Gestrüpp und erste Bäumchen scheinen gut zu gedeihen auf dem kontaminierten Ödland. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche eine Folieschicht liegt. Unter dem schwarzen Plastikfilm beginnt der Chemiecocktail.

Zyanide, Schwermetalle, toxische Teerverbindungen

Was auf dem Gasometer-Gelände wirklich alles in die Erde sickerte, weiß so genau kein Mensch. Untersuchungen aus dem Jahr 2006 listen schlimme Umweltgifte auf: Zyanide, Schwermetalle, diverse toxische Teerverbindungen. Auf dem Areal am Mühlengraben stand einst eine Kokerei. Auch der Grund unter dem alten Gasometer direkt dürfte von Laugen und anderen Schadstoffen verseucht sein. Genutzt wurde der alte Stadtgasbottich bis zur Wende als Lager von Taumitteln für den Winterdienst.

Nun will die e.dis, Besitzerin des Grundstücks, den belasteten Boden entsorgen lassen. Was nach der Sanierung mit dem Grundstück passieren soll, ist bisher offen. Vielleicht baut jemand altersgerechte Wohnungen drauf? „Wir werden das Gelände verkaufen“, sagt Unternehmenssprecher Elsholtz. „In unbelastetem Zustand.“

Ein Bodenaustausch ist extrem teuer. Doch allein schon für die Umwelt wäre es ein Segen – die Giftparzelle grenzt direkt an den Mühlengraben, quasi einen Nebenarm der Peene. Es ist das tiefstgelegene Quartier der Hansestadt, nirgendwo ist man dem Wasser näher als hier. Wie viel von den Bodengiften des Gasometer-Areals in den vergangenen Jahren schon in die Peene gespült wurden, kann man nur vermuten.