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Diese Post schickt der „Dorfchef“

Kommen die Bürger nicht, findet zumindest Wolf-Peter Peetz in Beggerow andere Formen der Kommunikation.  FOTO: J. Otto

Von unserem RedaktionsmitgliedJana OttoUngewöhnliche Wege, mit seinen Bürgern in Kontakt zu kommen, beschreitet Wolf-Peter Peetz. Seine Karten-Aktion bringt ...

Von unserem Redaktionsmitglied
Jana Otto

Ungewöhnliche Wege, mit seinen Bürgern in Kontakt zu kommen, beschreitet Wolf-Peter Peetz. Seine Karten-Aktion bringt Interessantes zum Vorschein.

Beggerow.Meist herrscht gähnende Leere auf den Stühlen bei den Gemeindevertretersitzungen in Beggerow. Nur selten nutzen Bürger diese Möglichkeit, um ihre Belange vorzubringen. „Und auf der Straße hört man dann in Gesprächen, was los ist. Doch konkrete Vorschläge, wie etwas zu verändern wäre, bleiben aus“, sagt Bürgermeister Wolf-Peter Peetz. Für ihn war das ein unbefriedigender Zustand und er überlegte sich, wie er die Bürger in seiner Gemeinde erreichen kann. Dabei fiel seine Wahl auf eine Art Postkarte.
Vorne neben seinem Konterfei ein kurzer Text, in dem Peetz darum bittet, sich etwas Zeit zu nehmen und auf die Rückseite zu schreiben, was in der Gemeinde klemmt und wo etwas angepackt werden müsste. „Ich möchte ihre Anregungen aufgreifen und gemeinsam mit den Gemeindevertretern nach Lösungen suchen“, schreibt er weiter. Etwa 100 dieser Karten verteilte der Bürgermeister in Beggerow und den Ortsteilen. „Da, wo ich lang kam, habe ich sie eingeworfen und versucht, alle zu erreichen“, sagt er. Diese Aktion liegt jetzt ein paar Wochen zurück und der überwiegende Teil kam bereits zurück zu ihm. Wolf-Peter Peetz laminierte jede einzelne Postkarte ein, schließlich ist das Geschriebene eine Art Arbeitsgrundlage.
„Die Antworten konnten anonym gegeben werden, doch einige haben ihren Namen und Adresse raufgeschrieben. Und bei einigen kann ich, je nachdem, worum es geht, die Absender zuordnen“, sagt Peetz. Doch darauf kommt es ihm gar nicht an. Er freut sich darüber, dass die Menschen in seiner Gemeinde regen Gebrauch von diesem Angebot machten. Nicht jede Angelegenheit fällt allerdings auch in seine Zuständigkeit. Beispielsweise, wenn es um Bürgersteige geht, die an Landesstraßen entlangführen. Diese Anliegen sammelt er und leitet sie an die zuständigen Stellen weiter.
Viel interessanter für Wolf-Peter Peetz ist jedoch das, was sich Bürger für ihr Dorf wünschen. „So schrieben Jugendliche, dass sie gern mehr Rückzugsorte hätten und sich über einen Basketballkorb freuen würden. Andere wiederum regten Dorfturniere an, in verschiedenen Sportarten“, zählt Peetz auf. Ältere Einwohner sorgten sich um den Leerstand in den gemeindeeigenen Wohnungen, andere beklagten den Zustand verschiedener Straßen und Wege. Diese Liste ließe sich weiterführen. Auffällig beim Durchsehen der Karten ist, dass viele Leute gerade beim Ausbau der Wege gerne bereit sind, selbst mit anzupacken, wenn die Gemeinde das Material zur Verfügung stelle. „Eine Ladung Schotter reicht“ und ähnliches ist zu lesen. Auch kam längst nicht nur Kritik, auch lobende Worte wurden geäußert. Beispielsweise dafür, dass der Winterdienst gut klappte und die betreffenden Anwohner stets pünktlich zur Arbeit kamen. Oder ein Dank an die Gemeindearbeiter, weil sie gute Arbeit leisteten und das Dorf dadurch schöner werde. Und längst nicht jeder Bürger stellte Forderungen wie „es muss“, einige formulierten Anliegen oder Vorschläge.
Wolf-Peter Peetz wird jede Karte akribisch aufarbeiten und dann mit den Gemeindevertretern prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, die Ideen umzusetzen. In der Gemeinde und auch bei den Abgeordneten kam diese Aktion gut an. „Doch darüber wundern, dass niemand mehr zur Sitzung kommt, brauchst du dich jetzt nicht mehr. Sie schreiben dir jetzt lieber“, sagte Gemeindevertreterin Manuela Anders schmunzelnd.

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j.otto@nordkurier.de