ERFOLGLOSE AUSSCHREIBUNGEN

Dörfer im Demminer Land müssen um den Winterdienst bangen

Bundes- und Kreisstraßen werden bei starkem Schneefall geräumt und gestreut. Was jedoch den Winterdienst auf Dorf- und Landstraßen betrifft, stehen einige Gemeinden in diesem Jahr im Regen. Und hoffen, dass der nicht gefriert.
Solche Bilder gab es in den letzten Jahren kaum. Die milden Winter haben mancherorts die Bereitschaft für Winterdienstein
Solche Bilder gab es in den letzten Jahren kaum. Die milden Winter haben mancherorts die Bereitschaft für Winterdiensteinsätze weggeräumt. Kirsten Gehrke
Demminer Land.

Nicht alle im Demminer Land träumen derzeit von weißer Weihnacht und einem schneereichen Winter. Else Dürr, der Bürgermeisterin von Schönfeld, bereitet die Vorstellung sogar schlaflose Nächte. Die Gemeinde ist eine von drei im Amt Demmin-Land, die in diesem Jahr trotz Ausschreibung ohne externen Winterdienst auskommen müssen: Der Anbieter, der noch in der vergangenen Saison für sie bereitstand, hat den Betrieb eingestellt, auf eine Neuausschreibung waren keine Angebote eingegangen.

Verübeln kann Robert Beerbaum, Bürgermeister der ebenfalls betroffenen Gemeinde Verchen, es den Betrieben nicht: „Ich verstehe die Firmen“, sagt er nach zwei ergebnislosen Ausschreibungen. „Wenn Sie sich die letzten Winter anschauen und dann die recht teure Technik, ist das ein nicht so dankbarer Job.“ Wahrscheinlich lohne sich der Winterdienst in schneearmen bis schneefreien Wintern für die Anbieter nicht mehr, schätzt auch Else Dürr.

Immer mehr Unternehmen scheuen den Aufwand

Denn die Betreiber müssen Technik und Personal bereithalten, die in milden Wintern möglicherweise selten oder gar nicht zum Einsatz kommen. Dabei werden die Anbieter für ihre Räum- und Streueinsätze nach Stunden bezahlt. Hinzu kommt laut Amt Demmin-Land bei Bedarf zwar eine Bereitstellungspauschale für die gesamte Saison, über die auch die Technik abgerechnet werden kann. Direkte Zuschüsse für den Kauf von entsprechenden Geräten gebe es aber nicht. „Wenn keine Einsätze sind, ist das für die Anbieter natürlich nicht günstig“, ist sich Else Dürr bewusst.

Das bestätigt die Rückmeldung einiger Firmen und Landwirte an das Amt-Demmin Land. Demnach seien fehlende Technik und die Schwierigkeiten bei der Kalkulation durch die ungewissen Witterungsverhältnisse Gründe, keinen Winterdienst anzubieten. Schneit es doch einmal, ist der Aufwand hoch: Bereits nachts um 3 Uhr seien die Räum- und Streufahrzeuge losgefahren, damit der Schulweg um sechs Uhr geräumt war, erinnert sich Else Dürr. Weitere Minuspunkte waren fehlendes geeignetes und zuverlässiges Personal, der Spagat zwischen zu viel und zu wenig Winterdienst, die große Verschleiß- und Reperaturanfälligkeit der Technik und die zu weite Entfernung.

Wege zur Schule sind größtes Problem

Borrentins Bürgermeister Thomas Hannemann sieht in dem Streumittel Sand einen zusätzlichen Knackpunkt: Während Salz von den meisten Gemeinden nicht erwünscht oder gar durch die Straßenreinigungssatzung ausgeschlossen ist, ist das Arbeiten mit Sand für viele Anbieter schwierig und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft: „Man muss die Möglichkeit haben, den Sand trocken lagern zu können, sonst hat man keine Chance, ihn im Winter auf die Straße zu kriegen“, erklärt auch Beerbaum.

Der ausschlaggebende Grund für die ausgebliebenen Bewerbungen war die Forderung nach einer Streuung mit Sand seiner Meinung nach aber nicht. Die Gemeinde Schönfeld etwa hatte für Salz und Sand ausgeschrieben. Gemeldet hatte sich trotzdem niemand. „Wir können anschreiben, wen wir wollen“, klagt Else Dürr.

Auf ihre Gemeinde, die den Winterdienst nun eventuell mit geliehener Technik selbst regeln will, kommt im Falle eines schneereichen Winters eine große Aufgabe zu: „Das Problem ist der Weg zur Schule“, weiß die Bürgermeisterin. „Hier müssen die Straßen beizeiten frei sein.“ Auch für Borrentin könnte der Winter zu einer besonderen Herausforderung werden: „Wir haben ein relativ großes Gemeindegebiet mit acht Ortslagen und gemeindeeigenen Verbindungswegen“, erklärt Hannemann. Immerhin, der Gemeinde Verchen haben für das nächste Jahr bereits zwei Firmen aus Neubrandenburg und Demmin Interesse signalisiert. Diese Saison müssen die drei Gemeinden jedoch anderweitig überbrücken.

„Irgendeine Lösung werden wir schon finden“, ist sich Else Dürr sicher. „Wenn nicht, müssen wir uns wieder mit der Schippe bewaffnen.“

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