Zelt-Krise in Jarmen-Tutow

Dorffesten droht Totalausfall

Das Zelt bot Schutz vor Sonne und Regen. Und es sorgte dafür, dass Dorffeste stattfinden konnten. Damit dürfte nun erst einmal Schluss sein. Es fehlt das Tüv-Siegel.
Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Im Schnitt wurde das allen Gemeinden gehörende Festzelt zuletzt pro Jahr so um die zehn Mal auf- und abgebaut, heißt es aus der Verwaltung. Hier ist die Montage in Vorbereitung des Amtsausscheides der Feuerwehren 2017 in Tutow zu sehen.
Im Schnitt wurde das allen Gemeinden gehörende Festzelt zuletzt pro Jahr so um die zehn Mal auf- und abgebaut, heißt es aus der Verwaltung. Hier ist die Montage in Vorbereitung des Amtsausscheides der Feuerwehren 2017 in Tutow zu sehen.
Jarmens Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt
Jarmens Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt Stefan Hoeft
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Jarmen.

Zelt-Krise im Amtsberich Jarmen-Tutow! Jenes Zelt, das sämtliche Gemeinden des Amtsbereiches nutzen durften, steht erst einmal quasi außer Betrieb herum. Es darf nicht mehr für öffentliche Veranstaltungen aufgebaut werden, wie sich mitten in den Absprachen für den Nutzungsplan 2019 herausstellte. Grund sind das fehlende TÜV-Siegel und weitere damit zusammenhängende Unterlagen, wie der Jarmener Vizebürgermeister, Haupt- und Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt, sagt.

Seit jeher sichern sich viele Veranstalter der Region bei Festen mit einem solchen mehr oder weniger großen mobilen Dach gegen Wetter-Risiken sowie die pralle Sommersonne und die Kühle der Nacht ab. Doch weil die Mietkosten dafür stiegen, entschied das damalige Amt Tutow, 2002 ein gebrauchtes Festzelt für alle seine Dörfer zu erwerben, Kostenpunkt: 12.400 Euro. Eingelagert und aufgebaut von den Gemeinden Tutow und Bentzin kam es fortan bei vielen Feten zum Einsatz, private beziehungsweise gewerbliche Nutzungen indes blieben ausgeschlossen. Nach der Verwaltungsfusion mit Jarmen 2004 kam auch die Peenestadt in diesen Genuss, insgesamt wurde die Konstruktion seither jedes Jahr im Durchschnitt wohl mindestes zehn Mal verwendet.

200 Euro Leihgebühr

Mitten in die Planungen für die Zelt-Vergabe 2019 und offenbar völlig überraschend für die Gemeinden platzte jetzt allerdings die Nachricht, dass vorerst keine weitere Nutzung möglich ist und alle angehalten sind, für den Notfall Alternativen zu suchen. „Das ist ein sogenannter fliegender Bau”, sagt Rainer Hardt. Und damit aus genau dieser Bezeichnung keine reale Erscheinung wird, müsse man sich den Aufbau jedes Mal beim Landkreis genehmigen lassen. Eigentlich so etwas wie eine Formsache, doch weil die Jarmener Verwaltung kein ordnungsgemäßes Prüfbuch vorlegen kann und das nun auffiel, ist damit Schluss.

So einfach einen neuen TÜV gibt es nicht, weil es dafür bestimmter Hersteller-Zertifkate bedarf. „Das hängt mit der Stabilität zusammen”, so der Ordnungsamtsleiter. Problematisch ist daran wohl, dass statt der einstigen DIN-Norm neue Euro-Maßgaben gelten.

Manche Feste drohen auszufallen

Bentzins Bürgermeister Hartmut Giermann jedenfalls bezeichnete es als unwahrscheinlich, die nötigen Bescheinigungen zu bekommen, erst recht schnell. Seine Gemeinde wäre die nächste in der Terminreihe – mit dem Heimatfest im Ortsteil Zemmin Mitte Juni. „Das stellt die Dorffeste vor ein gewaltiges Problem”, weiß er. Schließlich müsse bei professionellen Anbietern pro Quadratmeter Zeltfläche meist mit mehr als fünf Euro Miete gerechnet werden. Jarmen und Bentzin werfe das zwar nicht gleich aus der Bahn, hieß es in der Gemeindevertretung.

Manche andere Kommune oder gar Vereine hingegen vermutlich schon: „Das muss man ganz klar sagen, das kann sich nicht jeder leisten. Und wenn die gesamten Erlöse einer Veranstaltung dafür draufgehen, so ein Zelt zu bezahlen, dann ist das auch nicht Sinn der Sache”, sagt der zweite stellvertretende Bürgermeister Michael Kühling. „Ich wage mal zu behaupten, dass da das eine oder andere Fest nicht durchgeführt wird.”