Um Gegendemonstranten gegen einen NPD-Fackelmarsch aufzuhalten, fährt die Polizei Wasserwerfer auf. .
Um Gegendemonstranten gegen einen NPD-Fackelmarsch aufzuhalten, fährt die Polizei Wasserwerfer auf. Bernd Wüstneck
Gegendemonstranten versuchen mit Sitzblockaden, die NPD-Anhänger aufzuhalten.
Gegendemonstranten versuchen mit Sitzblockaden, die NPD-Anhänger aufzuhalten. Bernd Wüstneck
Weil vor allem junge Leute versuchten, die Wege zu blockieren wie hier in der Adolf-Pompe-Straße. Dabei kam es immer wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Weil vor allem junge Leute versuchten, die Wege zu blockieren wie hier in der Adolf-Pompe-Straße. Dabei kam es immer wieder zu Zusammenstößen mit der Polizei. Georg Wagner
Polizisten versuchen, eine Blockade in der Adolf-Pompe-Straße zu verhindern.
Polizisten versuchen, eine Blockade in der Adolf-Pompe-Straße zu verhindern. Georg Wagner
NPD-Aufmarsch am 8. Mai

Randale und Verletzte in Demmin

Friedlicher Protest sieht anders aus: Im Umfeld des NPD-Aufmarschs in Demmin werden sechs Menschen verletzt. Während am Tag danach Kritik am Polizei-Einsatz laut wird, bestätigen sich Gerüchte um einen ins Koma gefallenen Gegendemonstranten nicht.
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Demmin

Friedlichen Protest hatte das Demminer "Aktionsbündnis 8. Mai" im Vorfeld der Demonstration der rechtsextremen NPD am Donnerstagabend angekündigt, die Ereignisse vor Ort machten dieses Ziel zumindest teilweise zunichte.

Wie die Polizei mitteilte, griffen bereits vor dem Marsch der NPD einige vermutlich linke Demonstranten die Rechtsextremen an. Zwei Menschen wurden dabei verletzt, einer davon kam ins Krankenhaus. Ins Greifswalder Uni-Klinikum musste zudem ein Gegendemonstrant eingeliefert werden, der nach der Festnahme durch die Polizei das Bewusstsein verloren hatte. Augenzeugen berichteten, die Beamten seien äußerst brutal gegen den jungen Mann vorgegangen. Gerüchte, nach denen dieser später ins künstliche Koma versetzt werden musste, bestätigten sich nicht. Der Mann konnte das Krankenhaus am Freitagmorgen wieder verlassen. Neben ihm mussten auch drei Polizeibeamte in einer Klinik behandelt werden. 

"Einsatz von Wasserwerfern überzogen"

Im Nachgang der Demonstration warf die Polizei dem Bündnis vor, gewaltbereite Linksextreme mit großem Konfliktpotenzial aus Berlin und Hamburg mit Bussen herangeholt zu haben. Kerstin Lenz, Sprecherin des Aktionsbündnisses 8. Mai, wies das zurück. „Ja, wir haben bundesweit mobilisiert“, sagte sie, man habe aber nicht immer die Übersicht, wer nun von wo komme. „Insgesamt hat unser Konzept mit den vielen Mahnwachen aber funktioniert.“

Man habe den Rechten gezeigt: „Hier kommt ihr nicht durch, ohne dass wir euch friedlich zeigen, dass ihr hier nicht gewollt seid.“ Das Auffahren der Wasserwerfer zum Ende am Hafen durch die Polizei wertete Lenz aber als „überzogen“. Laut Polizei waren diese zum Einsatz gekommen, weil Beamte massiv attackiert worden waren. Zuvor jedoch waren Hunde der Polizei ohne erkennbaren Grund auf Demonstanten am Hafen losgelassen, laut Kerstin Lenz wurden dabei auch Menschen verletzt.

Friedlicher Protest mit gut 200 Menschen

In Demmin hatte die NPD einen von ihr sogenannten "Ehrendienst" anlässlich des Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs abgehalten. Etwa 170 Anhänger waren dabei durch die Stadt zum Hafen marschiert.

Bereits seit dem Nachmittag liefen in Demmin verschiedene Gegenveranstaltungen wie beispielsweise ein Friedensfest, an denen sich nach Angaben der Behörden etwa 200 Personen beteiligten. Die Sicherheitskräfte selbst waren mit etwa 500 Beamten im Einsatz.
 

Hintergrund: Der Zweite Weltkrieg in Demmin

In Demmin war es 1945 zu einem Massenselbstmord gekommen, über den bis 1989 niemand sprechen durfte. Historiker sehen Massenvergewaltigungen und andere Exzesse durch Soldaten der Roten Armee, die von Einheimischen teilweise provoziert worden seien, als Ursache. Über den Umfang gibt es unterschiedliche Angaben. Während einige Historiker von 1500 bis 2500 Toten in den letzten Kriegstagen sprechen, hat das Demminer Regionalmuseum durch Eintragungen in einem Friedhofsbuch und einem standesamtlichen Sterbebuch eine Zahl von 500 nachgewiesenen Toten ermittelt.

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