STUDIE

Droht in Demmin das Klinik-Ende?

In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser, heißt es in einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Der Geschäftsführer des Demminer Krankenhauses kann der Studie durchaus etwas abgewinnen.
Denny Kleindienst Denny Kleindienst
Das Kreiskrankenhaus in Demmin ist technisch gut ausgestattet und erfüllt die Anforderung eines wirtschaftlich laufenden Haus
Das Kreiskrankenhaus in Demmin ist technisch gut ausgestattet und erfüllt die Anforderung eines wirtschaftlich laufenden Haus, heißt es von Seiten der Geschäftsführung. Denny Kleindienst
Demmin.

In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser, vor allem zu viele kleine Krankenhäuser. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung. Demnach würden gerade die kleinen Häuser oftmals nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle, wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, angemessen zu behandeln. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass viele Komplikationen und Todesfälle sich durch eine starke Verringerung der Klinikanzahl von aktuell knapp 1400 auf deutlich unter 600 Häuser vermeiden ließen. Denn mit weniger Kliniken gingen eine bessere Ausstattung, eine höhere Spezialisierung sowie eine bessere Betreuung durch Fachärzte und Pflegekräfte einher.

Auch die Fahrzeit ist Thema. Wichtiger, als die nächstgelegene Klinik nach 30 Minuten zu erreichen, sei es für einen Schlaganfallpatienten, dort auch einen entsprechend qualifizierten Arzt vorzufinden. In der Studie wurde dabei die Modellregion Köln/Leverkusen unter die Lupe genommen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass es zur Konzentration im Kliniksektor keine Alternative gibt.

Ambulante und stationäre Medizin besser verknüpfen

Auf die Studie angesprochen, erklärt Kai Firneisen: „Ich war erstaunt, dass 60 Prozent der Häuser so schlecht ausgestattet sind.“ Sein eigenes Haus zählt der Geschäftsführer des Demminer Krankenhauses zu den anderen 40 Prozent. Denn in Demmin gebe es sowohl ein MRT- als auch ein CT-Gerät. Demmin besitze zwei Herzkatheterlabore. Durch die Studie fühlt Firneisen sich auch in der damaligen Entscheidung bestätigt, die invasive Kardiologie und die Gastroenterologie aufzubauen. Er verweist zudem auf das Spezialfeld der Rheumatologie, das in Demmin bedient wird.

„Mit knapp unter 200 Betten liegen wir am unteren Ende der wirtschaftlichen Häuser. Wir sind aber auch kein ganz kleines Haus“, sagt der Geschäftsführer. Sein Haus sei zudem offen für Trends, die in der Studie aufgezeigt werden. So habe sich laut Firneisen die Zahl ambulanter Operationen in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Und dank des neu gebauten ambulanten Zentrums ließe sich ambulante und stationäre Medizin noch besser verknüpfen.

Nicht mit Flächenland vergleichbar

Für den Geschäftsführer ist die Modellregion Köln/Leverkusen letztlich auch nicht mit Mecklenburg-Vorpommern vergleichbar. Im Flächenland MV wird aus seiner Sicht „jedes Krankenhaus gebraucht“. Er ist außerdem überzeugt davon, dass der Rettungsdienst in MV Notfallpatienten ohnehin ins nächstgeeignete statt nur ins nächstbeste Krankenhaus bringt.

Bleibt die Frage nach der besseren Betreuung durch hoch qualifizierte Fachärzte und Pflegekräfte. Sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte am Demminer Krankenhaus haben in der jüngeren Vergangenheit gestreikt, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. „Noch können wir alle unseren offenen Stellen besetzen“, sagt Firneisen. Er sagt aber auch, dass das in Zukunft schwieriger wird. „Wir müssen ausbilden, ausbilden, ausbilden, um in unserem schönen Flächenland zukünftig genügend Personal zu haben.“

Die Geschäftsführerin des Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums, Gudrun Kappich, hat sich jüngst zu der Studie geäußert.

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Kommentare (1)

Wenn ich das schon wieder höre:
"Am Ende steht die Erkenntnis, dass es zur Konzentration im Kliniksektor keine Alternative gibt."

Nichts ist alternativlos!

Mögliche Alternativen gibt es zu Hauf. Rückverstaatlichung des Gesundheitssektor. Ausbau der Kliniken und entsprechender Ausstattung. Ausbau der Forschung in den Kliniken. Rückgewinnung und Anwerbung von Spezialisten. Starker Ausbau des Medizintourismus.
Deutschland hat das Personal und das know how wieder ein führender Anbieter in der Medizin und seinen Sparten zu werden. Statt dessen vergraulen wir unsere gut ausgebildeten Fachkräfte durch schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen ins Ausland.
Schaut euch die Namen der Nobelpreisträger an. Sie klingen oft Deutsch. Sind aber die abgewanderten Spezialisten und ihre Nachfahren, die wir eigentlich dringend brauchen.