Ob sich der Gesetzgeber das so gedacht hat? Wegen der Corona-Pandemie sind die üblichen Fahrverbote für Lkw aufgehob
Ob sich der Gesetzgeber das so gedacht hat? Wegen der Corona-Pandemie sind die üblichen Fahrverbote für Lkw aufgehoben. Jetzt rollt im Peenetal die Gülle – Tag und Nacht, selbst an Sonn- und Feiertagen. Dennis Bacher
Schweinezucht

Dutzende Gülle-Transporter rauschen jeden Tag durch Daberkow

Durch die Ortschaft Daberkow rollen wieder vermehrt Gülletransporter, wie besonders die Anlieger der Dorfstraße feststellen mussten. Auch an Sonn- und Feiertagen wird offenbar keine Ausnahme gemacht.
Daberkow

Die Schweinezuchtanlage in der Gemeinde Alt Tellin gilt als die größte in Europa. In dem Stallkomplex zwischen Siedenbüssow, Neu Plötz und Daberkow werden fast 10 500 Muttersauen gehalten, die jährlich rund 250 000 Ferkel werfen. Im vergangenen Jahr produzierten die Tiere schätzungsweise etwa 65 000 Tonnen Gülle. Diese schiere Menge wird derzeit aus der Anlage abtransportiert, damit Bauern im Umland ihre Felder und Wiesen düngen können.

Schwerlastverkehr im 15-Minuten-Takt

Die Tankwagen wiegen bis zu 40 Tonnen. Etwa alle 15 Minuten verlässt einer von ihnen die Ferkelzucht, passiert das Ortsschild der Gemeinde Daberkow, rollt innerorts die Dorfstraße entlang, biegt an der Dorfkirche nach links ab und verlässt die Ortschaft wieder im Osten. Wenige Minuten später wiederholt sich das Schauspiel. Der Gülletransport durch Daberkow scheint derzeit fast endlos. So manchem Anwohner schmeckt das überhaupt nicht.

Daberkows Vizebürgermeister Thomas Kröchert ist Anlieger der betroffenen Kreisstraße. Wie er dem Nordkurier berichtete, rollen die Lkw schon seit Mitte März nahezu ununterbrochen durch den Ort. „Sie fahren Tag und Nacht“, so Kröchert, „auch am Wochenende und sogar an den Feiertagen.“ Das wegen der Corona-Pandemie aufgehobene Sonntagsfahrverbot für Lkw werde ebenfalls ausgenutzt. An Schlafruhe sei nicht zu denken, denn besonders bei Nacht würden sich viele Laster nicht an die Verkehrsbeschränkung halten. Außerdem befürchtet Kröchert massive Auswirkungen auf die Kreisstraße, die der ständigen tonnenschweren Belastung nicht gewachsen sein könnte.

„Keine Rücksicht auf die Anwohner”

Thomas Kröchert ist selbst Landwirt. Wie wichtig die Ausbringung von Restgärstoffen ist, um die Düngung von Sommerkulturen wie zum Beispiel Mais zu gewährleisten, weiß er ganz genau. Doch als Anwohner wünscht er sich mehr Beachtung seitens der Betreiberfirma LFD-Holding GmbH. „Die Leute vor Ort werden überhaupt nicht berücksichtigt“, so der Vizebürgermeister. Dabei sei der Zeitraum für die Gülleausbringung bei Weitem nicht so eng, dass Tag und Nacht und vor allem sonntags gefahren werden muss. Kröchert stellte klar: „Wir fordern nicht die Schließung der Anlage. Als Anwohner fühlen wir uns aber nicht gehört und bitten um etwas Rücksicht.“

Rainer Hardt weiß, dass sich Anwohner von dem rastlosen Gülletransport durch Daberkow gestört fühlen. Der zuständige Ordnungsamtsleiter im Jarmener Rathaus stand daher auch bereits in Kontakt mit Thomas Kröchert. Generell gelte: Ignoriert ein Transportunternehmen das Fahrverbot zu Sonn- und Feiertagen, wird die entsprechende Firma ermittelt und beim zuständigen Landratsamt nachgefragt, ob eine Ausnahmegenehmigung vorliegt. Die aktuelle Verordnung des Bundesamtes für Güterverkehr, wonach Lkw bis zum 30. Juni sogar Sonn- und Feiertags fahren dürfen, treffe die Daberkower in diesem Fall aber besonders schwer. „Als örtliches Ordnungsamt haben wir leider keinerlei Handhabe und müssen die Entscheidung hinnehmen“, so Hardt.

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