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Ein brandheißer Verdacht

Die Ermittlungen der Polizei führten schnell auf die Spur des vermeintlichen Brandstifters.
Die Ermittlungen der Polizei führten schnell auf die Spur des vermeintlichen Brandstifters.
Marcus Beck Fotolia

Ein 46-Jähriger soll unter Alkoholeinfluss in einem Schuppen Feuer gelegt haben. Zeugen haben ihn in Tatortnähe gesehen. Doch der Mann fühlt sich unschuldig – und hätte fast ein ausgleichendes Angebot des Gerichts ausgeschlagen.

Nein, als Brandstifter will sich Ralf N.* nicht mehr bezeichnen lassen. Deshalb hat der 46-Jährige auch einem Strafbefehlsverfahren widersprochen. Mit der darin verhängten Geldstrafe ist er nicht einverstanden. Das käme seiner Meinung nach einem Schuldeingeständnis gleich. „Denn ich war es nicht“, beteuert er in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Demmin.

Rückblende: Im Juni vergangenen Jahres soll der Berufskraftfahrer in einem Dorf bei Demmin am Gutshaus einen Schuppen in Brand gesetzt haben, der zuvor von ihm errichtet worden war. Der Angeklagte sei irrtümlich davon ausgegangen, dass es sein Gebäude war, sagt der Staatsanwalt in der Anklage. Doch der Schuppen stand auf dem Grundstück der Gemeinde. Zwei Bäume sowie das Häuschen wurden von den Flammen zerstört.

Kollegen nennen ihn Brandstifter

Ralf N. will das Feuer aber nicht gelegt haben. Doch nach Aussagen von Zeugen sei der 46-Jährige „brandheiß in Verdacht“ geraten, hält Richter Jörg Blasinski ihm vor. Er sei in der Nähe des Tatorts gesehen worden, offenbar stark alkoholisiert. „Es wäre sinnvoll, wenn wir eine moderate Einstellungslösung finden“, schlägt der Richter vor. Doch davon sind der Angeklagte und seine Verteidigerin zunächst nicht begeistert. Denn immer noch würde das Kind des Angeklagten zu hören bekommen, dass sein Vater ein Brandstifter sei. Die Ex-Frau habe das Verfahren genutzt, um das Umgangsrecht zum Kind auszusetzen. Auch von den Kollegen werde er immer als Brandstifter bezeichnet.

Der Makel bleibe. Zudem müsste Ralf N. bei einer Einstellung des Verfahrens die Kosten tragen. „Das kann er wirtschaftlich nicht leisten“, erklärt die Verteidigerin. Der Kindesunterhalt gehe vor. Warum solle ihr Mandant an den Kosten hängen bleiben, obwohl er nichts getan habe?

300 Euro Geldbuße

Der Richter indes möchte es gern vermeiden, alle elf benannten Zeugen zu hören. Das würde bedeuten: ein neuer Termin. „Das dauert und kostet Geld. Am Ende weiß keiner, was raus kommt“, so seine Einschätzung. Und: Das Risiko sei für den Angeklagten immens, schlechter beim Urteil weg zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung sei hoch. Deshalb sollte er ernsthaft über den Vorschlag des Gerichts nachdenken, eine Einstellung inklusive einer Geldbuße in Höhe von 300 Euro zu akzeptieren.

Die Verteidigung zögert – sie will, dass der Angeklagte die Kosten des Verfahrens nicht übernehmen muss. Das macht den Richter ungehalten. „Soll ich Recht brechen? Soll das eine Anstiftung sein?“, fragt er. Auch der Staatsanwalt kann sich damit nicht anfreunden. Droht jetzt doch ein Zeugen-Marathon? Der Angeklagte und seine Verteidigerin bitten um ein kurzes Gespräch. Die Verhandlung wird unterbrochen. Dann lenken beide ein. Mit viel Bauchschmerzen, wie die Verteidigerin betont, würden sie auf den Vorschlag des Gerichts doch eingehen. „Um des Friedens Willen“, sagt die Verteidigerin.

(*Name geändert)