FÄLLUNG DROHT

Nossendorfer Filmemacher verteidigt seine Bäume

Seit Jahren kämpft Hans Jürgen Syberberg um die Bäume auf seinem Grundstück in Nossendorf. Der Kreis stört sich an ihnen und will sie fällen. Syberberg sieht eine andere Lösung.
Denny Kleindienst Denny Kleindienst
Am Rande des Grundstücks von Hans Jürgen Syberberg gibt es bereits einen offenen Graben – und eine hübsch
Am Rande des Grundstücks von Hans Jürgen Syberberg gibt es bereits einen offenen Graben – und eine hübsche Brücke, die darüber führt. Denny Kleindienst
Unter diesen Bäumen verläuft die Rohrleitung. Der Landkreis hatte bereits angeordnet, sie zu fällen. Das will H
Unter diesen Bäumen verläuft die Rohrleitung. Der Landkreis hatte bereits angeordnet, sie zu fällen. Das will Hans Jürgen Syberberg unbedingt verhindern. Denny Kleindienst
Nossendorf.

„Der Kreis will die Bäume wegnehmen. Das kommt nicht infrage“, sagt Hans Jürgen Syberberg. „Hier wird kein einziger Baum gefällt.“ Damit bringt der in Nossendorf lebende Filmemacher auf den Punkt, worum es ihm geht. Die Bäume stehen auf seinem Grundstück. Syberberg selbst hat sie Mitte der 2000er Jahre gepflanzt. Zwölf Bäume sind es, darunter eine Platane, eine Eiche und eine Buche, mehrere Weiden und diverse Linden.

Der Kreis stört sich schon lange an ihnen, weil durch eine Rohrleitung auf dem Grundstück ein Gewässer 2. Ordnung verläuft. Laut offiziellen Angaben ist an dieses Gewässer ein Großteil der Nossendorfer Ortsentwässerung angeschlossen, auch die zentrale Kläranlage. Bei einer Kamera-Befahrung, durchgeführt vom Wasser- und Bodenverband „Trebel“ (WBV) vor einigen Monaten, wurde festgestellt, dass die Rohrleitung im Allgemeinen in gutem Zustand und funktionstüchtig ist.

Bäume sollten schon gefällt werden – Syberberg klagte vor Gericht

An mehreren Stellen sei es aber zu massiven Einwurzelungen gekommen. Der WBV macht dafür Syberbergs Baumpflanzung über der Rohrleitung verantwortlich. Die Fällung der Bäume war auch schon angeordnet worden. Doch Syberberg hat dagegen geklagt und hatte zuletzt vor Gericht in Greifwald auch Recht bekommen, wie er sagt.

Syberberg zufolge ist bei der Kamerabefahrung auch festgestellt worden, wo genau das unterirdische Rohr liegt. Als er die Bäume gepflanzt hat, habe ihm das niemand genau sagen können. Er hat dann einfach gepflanzt. Der Wasser- und Bodenverband kümmert sich im Auftrag der Gemeinde um die Rohrleitung. Dafür bezahlt die Gemeinde auch. In der kommenden Woche soll wieder gefräst werden. Also Ablagerungen und Wurzeleinwüchse entfernt werden, um den Abfluss im Rohr zu gewährleisten.

Blumen sollen die Bäume retten

Noch sei die Situation händelbar, sagte Bürgermeister Carsten Tietböhl während der letzten Gemeindevertretung in Nossendorf. Die Gemeinde, die in dem Streit bisher eher außen vor war, werde nun aber doch mit hineingezogen, erklärte Tietböhl. Denn Syberberg will das Rohr öffnen und einen Graben anlegen. Die Gemeinde als Eigentümer der Leitung muss das genehmigen.

„Wenn der Graben kommt, müssen die Bäume nicht weg“, sagt Syberberg. Denn der Graben, so wie er ihn sich vorstellt, würde einen etwas anderen Verlauf nehmen, einige Meter abseits der jetzigen Rohrleitung, am Rand seines Grundstücks. Einen offenen Graben habe es laut Syberberg auch früher gegeben, bevor zu DDR-Zeiten dann das Rohr gelegt wurde. Er will den Graben auch, weil er den einstigen Zustand wieder herstellen möchte.

Syberberg verspricht sich von der Umgestaltung auch eine optische Verschönerung, denkt an Blumen, die dort blühen werden. Er verweist zudem auf eine Art „Entrohrungs-Programm“ der EU sowie auf Till Backhaus (SPD), Landesminister für Landwirtschaft und Umwelt, der solche Rohre ebenfalls aufmachen und dies mit Millionen Euro fördern wolle. Soll heißen: Das Geld, um den Graben anzulegen, ließe sich beschaffen.

Die Meinung der Nossendorfer Gemeindevertreter gehen auseinander

In jedem Fall muss geklärt werden, ob die Fördergelder tatsächlich zu haben sind. Darüber waren sich alle Nossendorfer Gemeindevertreter in ihrer letzten Sitzung einig. Doch es gibt noch andere Unklarheiten. So wird die Gemeinde wohl auch für das Planungsverfahren zahlen müssen. Wie viel kostet das? Und wer kümmert sich um die Böschungsunterhaltung, wenn es den Graben gibt?

Die Meinungen zur Anfrage gingen schließlich auseinander. So war Enrico Schult durchaus offen für den Vorschlag, auch weil er einem Anwohner die Gestaltung seines eigenen Grundstücks ermöglichen will. „Wir sollten uns der Sache nicht verschließen“, sagte er. Die Kosten sollten aber geklärt werden. Marion Senger äußerte dagegen die Sorge, ein offener Graben sei für Kinder gefährlich.

Timo Stambusch war derweil klar gegen die Öffnung der Rohrleitung. Er sah darin keinen Sinn. Stattdessen müssten die Bäume weg. Fred Schult sagte, dass Syberberg von Anfang an den offenen Graben haben wollte, er sei entschieden gegen das Vorhaben. Laut Bürgermeister Carsten Tietböhl kann die Gemeinde nur Sachen finanzieren, die der Allgemeinheit dienen. Dennoch will auch er sich der Sache nicht grundsätzlich versperren.

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