Naturfotografie

Ein halbes Jahrhundert auf Fotojagd nach unseren Naturschätzen

Erich Hoyer hält eine Welt fest, die uns alle umgibt und die doch den meisten verborgen bleibt. Seit gut 50 Jahren ist er Naturfotograf – und hat dabei viele Veränderungen erlebt.
Bis 1995 war Erich Hoyer mit verschiedenen Kameras dieses Typs unterwegs und hielt damit unter anderem Hunderte Zugvogelarten
Bis 1995 war Erich Hoyer mit verschiedenen Kameras dieses Typs unterwegs und hielt damit unter anderem Hunderte Zugvogelarten im Bild fest. Christine Gerhard
Erich Hoyer fotografiert besonders gerne Vögel in Aktion, wie hier zwei streitende Seeadler.
Erich Hoyer fotografiert besonders gerne Vögel in Aktion, wie hier zwei streitende Seeadler. ERICH HOYER
Pensin

Alles begann mit dem Buch „Wildschwäne über Uhlenhorst“ von dem berühmten deutschen Tierfotografen Helmut Drechsler. Den Bildband hatte Erich Hoyer als 16-Jähriger von seinen Eltern geschenkt bekommen. Noch heute erinnert er sich, wie ihn die Momentaufnahmen der Vögel darin in ihren Bann zogen. „Ich dachte, das muss ich mir angucken“, erzählt der heute 74-Jährige, der seit sieben Jahren in Pensin zu Hause ist, damals aber noch in Sachsen lebte.

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Mit dem Fahrrad fuhr der Jugendliche von dort nach Norddeutschland, um die Gegend aus dem Buch mit eigenen Augen zu sehen und seine ersten eigenen Naturfotos zu machen. „In den 70er-Jahren sah es hier noch ganz anders aus“, erklärt er. „Es war viel naturbelassener, gab viel mehr Lebensräume auch für seltene Arten.“ Hoyers Debutfoto, ein aufsteigender Reiher, erwies sich nach der Entwicklung allerdings als Enttäuschung. Bessere Technik musste her, doch die war teuer. „Ich habe meine Eltern angebettelt und in den Ferien in einer Brauerei gearbeitet“, erzählt Erich Hoyer, heute einer der besten Naturfotografen Deutschlands.

Mit 20 Kilo auf dem Rad

Seit seiner ersten guten Kamera ist die Technik weit vorangeschritten und inzwischen auch leichter zu bedienen. Der Autofokus wurde erfunden und selbst Handys können inzwischen qualitativ hochwertige Fotos machen. Die Naturfotografie habe sich dadurch laut Hoyer „unglaublich verändert“. „Viele Amateure haben heute die Zeit und können sich die Technik leisten“, erklärt er. „Es ist unglaublich, wie das Hobby ansteigt.“ Zwar seien Amateurfotos auch weiterhin von Profifotos zu unterscheiden. Den Markt für Naturfotografie habe der Trend dennoch zusammenbrechen lassen, weiß Hoyer, der einst einen eigenen Verlag für Naturführer, Bildbände und Broschüren leitete. „Die Goldenen Zeiten sind vorbei“, sagt er.

Erich Hoyer selbst begann als Student, mit seinen Fotos Geld zu verdienen. Für sein Studium war er nach Greifswald gezogen, auch weil er sich seit seiner Reise auf den Spuren von Helmut Drechsler mit der norddeutschen Natur verbunden fühlte. Anfangs unternahm er seine Fototouren weiterhin mit dem Fahrrad, die zwanzig Kilo schwere Ausrüstung auf dem Rücken. Später konnte er sich vom Verkauf seiner Fotos ein Motorrad in Teilzahlung leisten, auf dem er zusammen mit seiner Kommilitonin und späteren Frau Helga ins Grüne fuhr. Auch sie hat ein Faible für die Natur und laut Hoyer „ein besseres Auge für das Kleine, fürs Detail“.

In gewisser Hinsicht hätten sie es damals einfacher gehabt als Naturfotografen, nicht nur weil die Artenvielfalt sehr viel größer gewesen sei. „Man konnte überall auf die Wiesen gehen, Privateigentum spielte keine Rolle“, erinnert sich Erich Hoyer. Aus dem Motorrad wurde ein Bully und aus dem vorpommerschen Umland nach dem Mauerfall die Welt. Mit dem Bully fuhren die Naturfreunde von Portugal bis nach Nordskandinavien. „Dort gibt es noch echte Natur mit ganz faszinierenden Mooren“, schwärmt Hoyer. Auch nach Australien und Amerika führten sie ihre Reisen. Down under war Hoyer, der nach eigenen Angaben am liebsten „Piepmätze“ fotografiert, von der reichen, bunten Vogelwelt und der Vielfalt an Beuteltieren begeistert, in den USA von den „fantastischen Nationalparks“ und dem „wunderbaren roten Gestein“ der Canyons. In Bäumen legte er sich teilweise auf die Lauer, um den richtigen Augenblick abzupassen, auf der Jagd nach der perfekten Momentaufnahme: einem Kampf, der Balz, der Paarung.

Mehr Biologe als Künstler

Er schoss nur mit der Kamera, Gewehre hätten ihn irgendwie nie gereizt, sagt Erich Hoyer, der auch die Norddeutschen Naturfototage ins Leben rief. Was er fotografierte, wollte er bewerben und erhalten und verschrieb sich so nach seinem Biologie-Studium dem Naturschutz. Gemeinsam mit seiner Frau leitete er die Naturschutz-station in Galenbeck, betreute Schutzgebiete, organisierte Fortbildungen. Auch wenn bei der Naturfotografie inzwischen künstlerische Aspekte Komposition und das Spiel mit Unschärfe eine größere Rolle spielen, Erich Hoyer sieht sich auch bei der Fotografie mehr als Biologe denn als Künstler.

Er sammelt Arten, ohne sie dafür einfangen zu müssen und ohne sie unnötig zu stören. Von dem Reichtum und der Schönheit der Natur zeugen Fotos aus einer gut 50-jährigen Karriere als Naturfotograf. „Es gibt 400 bis 500 Zugvogelarten, ich habe vielleicht 350 davon fotografiert.“ Einen Zwergschnäpper würde Hoyer zum Beispiel gerne noch vor die Kamera bekommen. „Das ist ein kleiner Vogel mit roter Brust, der ganz alte Buchenwälder braucht“, beschreibt der Biologe. „Er ist selten geworden.“ Das betrifft nicht nur den Zwergschnäpper.

In seinem Archiv hat Erich Hoyer Fotos von Arten, die man in Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr oder kaum noch fotografieren kann, darunter Enziane, Großtrappen, Hamster und das Rebhuhn. „Das stimmt traurig und tut weh“, gesteht der Naturfotograf, der findet, dass der Naturschutz stark zu wünschen übrig lasse. „Und das ist das Handicap vieler Fotografen heute: Sie wissen nicht, wie es hier vor 50 Jahren aussah. Viele setzen sich deshalb nicht für den Naturschutz ein, weil sie nicht wissen, was wir verloren haben.“

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Kommentare (1)

Einer der letzten.....die noch auf Film statt Chip fotografieren.....