TIERISCHER KANDIDAT

Ein Kater soll Demminer Bürgermeister werden

In Demmin hat sich ein neuer Bürgermeisterkandidat hinter dem Ofen vorgewagt. Quarky will die Menschen aufrütteln und zum Nachdenken animieren.
Manch einer behauptet ja, dass Katzen ohnehin die Weltherrschaft anstreben. In Demmin soll ein Kater nun als Bürgermeiste
Manch einer behauptet ja, dass Katzen ohnehin die Weltherrschaft anstreben. In Demmin soll ein Kater nun als Bürgermeister kandidieren. Sein Herrchen will damit auch zum Nachdenken anregen. Karsten Riemer/NK-Grafik
Hinter Quarky steht sein Bruder Teufi, der für ein politisches Amt allerdings weniger geeignet wäre.
Hinter Quarky steht sein Bruder Teufi, der für ein politisches Amt allerdings weniger geeignet wäre. ZVG Torsten Lohr
Quarky lässt es gerne auch einmal ruhig angehen.
Quarky lässt es gerne auch einmal ruhig angehen. ZVG Torsten Lohr
Per Einschreiben wurde die Bewerbung von Kater Quarky eingereicht.
Per Einschreiben wurde die Bewerbung von Kater Quarky eingereicht. ZVG Torsten Lohr
Demmin ·

Ein neuer Bürgermeisterkandidat hat sich in Demmin leise, sozusagen auf Samtpfoten, an den Wahlkampfring herangepirscht. Der gebürtige Demminer heißt Quarky Mauz und ist ein Kater. Am Donnerstag reichte sein Besitzer Torsten Lohr ganz offiziell die Bewerbung per Einschreiben beim Rathaus ein, da hatte sie schon eine Weile in der Schublade gelegen.

Lange hatte Lohr die Kandidatur vor sich hergeschoben, sich nicht so recht getraut, aus Angst, die Leute würden ihn „für bescheuert halten“. „Das machst du eh nicht“, hatten Freunde gesagt, mit denen die Idee gewachsen war. Lohr machte es doch: Schließlich gab es auch in anderen Ländern schon tierische Bürgermeister und wenn nötig würde Lohr für Quarkys Recht auch vor Gericht streiten. Auch wenn die Kandidatur in Deutschland rechtlich wohl problematisch wäre – Lohr ist davon überzeugt, dass sein Quarky Qualitäten hat, die er in der Stadtpolitik der vergangenen Jahre vermisst.

Frustriert von Stadtpolitik der letzten Jahre

Schon seit fast zwei Jahren trägt sich das Gründungsmitglied des IVD mit der Idee eines flauschigen Bürgermeisterkandidaten. „Die IVD-Gründung hat nicht so geklappt, wie sie sollte“, sagt Lohr, der sich über die politische Spaltung noch heute ärgert: „In Demmin ist einiges anders gelaufen, als es gelaufen wäre, wenn der Zusammenhalt dagewesen wäre“, meint er. Quarky dagegen sei friedlich, auch wenn er fauchen könne. Sein anderer Kater „Teufi“ hätte sich für die Kandidatur da weniger geeignet. „Der ist auf Krawall gebürstet“, sagt Lohr. „Quarky aber würde die Mäuse im Keller und die Tauben auf dem Dach an einen Tisch holen, um zu besprechen, was wir für die Stadt machen können.“

Außer seiner Friedfertigkeit spricht noch etwas für den Einzelbewerber Quarky, der sich in seinem Wahlprogramm auch für Fundtiere starkmacht: „Quarky wäre treuer in seinen Entscheidungen und verlässlich“, wirbt Lohr. All das habe er so in der Politik zuletzt nicht gesehen. Seine Kritik: „In Demmin passiert nichts und das ist nicht nur meine Meinung.“ Lohr ist in der Hansestadt geboren und dort gut vernetzt. Einerseits freuen sich Quarky und sein Besitzer über das viele Grün in ihrer Heimatstadt und darüber, dass der Vandalismus etwas zurückgegangen sei.

Keine Stichwahl gegen Karsten Behrens

Aus seinen Unterhaltungen mit anderen Demminern hört Lohr aber auch viel Unzufriedenheit. „Viele Leute sagen, Demmin ist heute teilweise schlimmer als zu DDR-Zeiten“, berichtet er. Er hat auch gehört, wie sich Demminer über die anstehende Wahl unterhielten und darüber, dass sie gar nicht so recht wüssten, wem sie ihre Stimme geben sollen. Dass viele nur meckern, ärgert ihn. Mit der Bewerbung seines Katers will er die Menschen „wachrütteln und zum Nachdenken anregen.“

Dass Quarky tatsächlich die Stadt regiert, ist dabei aber nicht Lohrs Ziel. „Es ist ja klar, dass das Blödsinn ist. Würde er die Wahl gewinnen, würde er die Kandidatur zurückziehen“, erklärt er. Nicht weiter antreten würde Quarky übrigens auch, wenn es zu einer Stichwahlzwischen ihm und Karsten Behrens käme.

Doch auch ohne politisches Amt könnte Quarky der Stadt guttun, ist sich Lohr sicher – als Maskottchen. „Die Bremer haben ihre Stadtmusikanten“, träumt der tierliebe Demminer. „Es wäre doch interessant, wenn Quarky ein Denkmal am Hafen bekommen würde.“

Tiere im Amt: Quarkys politische Vorgänger

Quarky wäre nicht der erste vierbeinige Politiker: Das Dorf Rabbit Hash im amerikanischen Kentucky etwa hatte noch nie einen menschlichen Bürgermeister. Hier bekleiden seit 1990 Hunde das Amt. In Talkeetna in Alaska hielt ein Kater namens Stubbs sogar ganze 19 Jahre lang das Szepter in der Pfote. Seine Amtszeit als „Katzenehrenbürgermeister“ endete erst mit seinem Tod. Ein bürgernaher Golden Retriever und die Ziege Lincoln haben sich zudem bei tierischen Bürgermeisterwahlen in Städten in Kalifornien und Vermont durchgesetzt.

Oft sollen die kuschligen Kandidaten den Einwohnern ein Lächeln ins Gesicht zaubern, manchmal sind sie aber auch bissige Satire. Für die Präsidentschaftswahl der USA 2016 kandidierte so aus Protest auch ein Flusskrebs. Eine neue Idee sind Tiere in der Politik übrigens keineswegs. Schon der römische Kaiser Caligula soll geplant haben, sein Lieblingspferd Incitatus mit der Konsulwürde und einem ständigen Sitz im Senat zu bestallen. Die Senatoren dürfte das ziemlich beleidigt haben.

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Kommentare (1)

verbreitet leider falsche Informationen. Der abgefeierte Herr hat wohl etwas zuviel gezecht, und hat daher vermutlich einen Kater.