Geschichte soll lebendig werden

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Ein Wiedersehen mit dem Café Zilm

Der Anfang einer Vision: Reiko Neumann, Marcel Börner und Hans-Joachim Drescher (von links) von der Demminer Firma Metall und Gerüstbau Welsow errichten derzeit das Gerüst für die Schaufassade des gegen Ende des Zweiten Weltkriegs niedergebrannten Café Zilm.
Der Anfang einer Vision: Reiko Neumann, Marcel Börner und Hans-Joachim Drescher (von links) von der Demminer Firma Metall und Gerüstbau Welsow errichten derzeit das Gerüst für die Schaufassade des gegen Ende des Zweiten Weltkriegs niedergebrannten Café Zilm.
Georg Wagner

Das neue Projekt von Hans Jürgen Syberberg ist in Demmin angelaufen: eine Vision des alten Café Zilm. Ende nächster Woche soll es eröffnet werden.

Noch ist es nur der Grundstock eines Gerüstes, in einander verschraubte und verbolzte Eisengestänge, dazwischen leerer Raum – kein Fundament, keine Mauer. Doch gerade diese für Baustellen ungewöhnliche Konstruktion lässt erahnen, dass etwas Besonderes entstehen wird am Demminer Markt.

Tatsächlich wächst auf der Freifläche zwischen altem Rathaus und Holstenstraße weniger eine Baustelle als vielmehr eine Vision. Dort hat der von dem Filmemacher Hans Jürgen Syberberg und dem Verein der Freunde der Nossendorfer Kirche organisierte „Wiederaufbau“ des historischen Café Zilm begonnen. Nächste
Woche Freitag um 17 Uhr soll es mit musikalischer Begleitung feierlich eröffnet werden und dann für zwei Wochen stehen bleiben.

Syberberg führt damit fort, was er vor zwei Jahren zum Stadtjubiläum mit der Installation einer Ansicht der früheren Marktsüdseite begonnen hatte. Allerdings größer. Zwölf Meter hoch wird das Gerüst aufragen, von dem eine nach historischen Fotos bedruckte Plane die einstige Fassade des Café Zilm und des gesamten Hauses an der Nordwestseite des Marktes zeigen wird.

Ganz in bester Kaffeehaustradition wird es immer wieder Veranstaltungen geben hinter der Fassade, mit Filmen, Musikabenden, natürlich auch Kaffee und Kuchen. „Alles wird“, kündigt Syberberg an, „einen lokalen Bezug haben.“ Die Kuchen beispielsweise wird keine Bäckerei liefern, sondern sie kommen von Privatleuten.

Kommentare (2)

an seinem angestammten Platz ist besser als gar nichts. Immerhin war es das Lieblingscafé meiner Oma. Aus Stein und für immer wäre es mir lieber. Noch lieber gleich das ganze alte Demmin. Mit der Stadtsparkasse am Markt, Krugs "Hotel zur Sonne", dem Walslebenschen Haus, dem Offizierskasino am Marienhain, dem barocken Bürgerpalais in der Frauenstrasse und den Speichern am Apollonienmarkt und... Der Verlust, den Demmin 1945 erlitten hat ist nicht wieder gut zu machen.

dem edlen und unermütlichen Spender Hans-Jürgen Syberberg, der dieses und viele andere Projekte angestoßen und verwirklicht hat. Nach dem Kriege hat er viel für den Neuen Deutschen Film getan. Der „Commandeur" des Arts et des Lettres und Grimme-Preisträger hat seine pommersche Heimat nie vergessen. Nach der Wende war er sich nicht zu schade, das Gutshaus seiner Eltern in Nossendorf aus aus eigener Kraft zu renovieren. Im Winter holt er dort den Flugschnee vom Dachstuhl. Wer sollte das auch sonst tun?