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Eine Dose Fleischbällchen bringt Tafel-Dieb in den Knast

Ein 20-jähriger Demminer hat einen Einbruch bei der Tafel bis zum Schluss abgestritten. Doch eindeutige Spuren an einer Konservendose haben ihn überführt. Dumm nur, dass der Klau in seiner Bewährungszeit war.

Nach den Vorräten der Demminer Tafel haben Diebe in den vergangenen Monaten schon öfter ihre Finger ausgestreckt.
T. Plath/ Stephanie Pilick Nach den Vorräten der Demminer Tafel haben Diebe in den vergangenen Monaten schon öfter ihre Finger ausgestreckt.

Lucas S.*muss schlucken. Dass er in den Knast muss, damit hat er offensichtlich nicht gerechnet. Bis zum Schluss streitet der 20-Jährige alles ab. Doch die Beweise sind erdrückend. Im März dieses Jahres soll er in einer Nacht in die Lagerhalle der Demminer Tafel der Diakonie eingestiegen sein, Fenster aufgehebelt und Regale durchwühlt haben.

Aus einer Gefriertruhe hat er laut Anklage Kuchen gestohlen, zudem Marmelade, Chips und Tee. Eine Dose mit Fleischbällchen wurde dabei zum Verhängnis. Geöffnet wurde diese am Tatort gefunden – mit den DNA-Spuren des Angeklagten. „Ich kann es mir nicht erklären, wie die Spuren an die Dose gekommen sind“, beteuert er. Einen Einbruch im September 2013 bei der Tafel habe er ja zugegeben. „Dann werde ich das doch nicht wiederholen“, sagt er. „Ich bin es nicht gewesen.“ Er sei doch nicht so blöd und schmeiße einfach eine leere Dose hin. Fakt ist, dass Lucas S. die Räume in der Brinkstraße kennt. Er hat 2012 Arbeitsstunden bei der Diakonie abgeleistet.

Selbst die Tafel wollte ihn nicht mehr

Die 52-jährige Zeugin aus der Einrichtung kann sich an den jungen Mann gut erinnern. Jedoch muss sie erst einmal überlegen, was es für einen Einbruch im März gegeben hat. „Wir hatten sehr viele Einbrüche jetzt, gerade erst vor kurzem wieder“, sagt sie. Für einen Diebstahl hätten sich der Angeklagte und andere Beteiligte bereits entschuldigt, weiß sie. „Ihr wolltet wieder bei uns arbeiten, aber das haben wir abgelehnt“, meint sie an Lucas S. gerichtet.

Doch die DNA lügt nicht. Alle Bereiche hätten übereingestimmt, hält Richter Martin Stempel dem Angeklagte vor. Er sei eindeutig identifiziert worden. Lucas S. kippt trotzdem nicht um. „Ich bin es nicht gewesen“, bleibt er bei seiner Version. Doch die Aussichten sind schlecht. Der junge Mann stand im März unter Bewährung. Seine Auflagen hat er nicht erfüllt, erklärt seine Bewährungshelferin. Er habe den Kontakt abgebrochen. Auch bei der Jugendgerichtshilfe habe er sich nicht mehr gemeldet. Zudem ist sein Strafregister lang. Drogendelikte, Diebstahl, Körperverletzung stehen dort drin.

Nichts spricht für den Angeklagten

Auch wenn Lucas S. alles abstreitet, steht für die Staatsanwältin fest, dass er an dem Einbruch beteiligt war. „Zugunsten des Angeklagten kann ich eigentlich nichts vorbringen“, meint die Staatsanwältin. Auch eine Bewährung komme nicht mehr in Frage. Sie beantragt eine Jugendstrafe von einem Jahr. Einbezogen werden soll das Urteil des Landgerichts, in dem Lucas S. wegen Diebstahls zur Bewährung verurteilt worden war.

Nach dem Plädoyer wirkt der geschockt. Gefängnis? „Ich kann nur sagen, ich bin es nicht gewesen“, wiederholt er. Doch für das Schöffengericht steht fest, dass der Angeklagte im März im Diakonie-Lager eingebrochen ist. Das Gericht verurteilt den 20-Jährigen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr. (*Name geändert)