BÜRGERWILLEN BEI GEMEINDEN AN ERSTER STELLE

Energie-Werbung wirbelt mächtig viel Wind auf

Ganz offensichtlich gehen die Investoren von 26 neuen Windkraftanlagen auf den Gemarkungen von Alt Tellin und Kruckow jetzt ganz eigene Wege, um die Bürger von ihren Plänen zu überzeugen. Sie verteilten Handzettel, die bereits viele Reaktionen auslösten.
Im Amtsbereich Jarmen-Tutow bestimmen inzwischen zahlreiche Windkraftanlagen das Landschaftsbild. Geht es nach dem Willen von
Im Amtsbereich Jarmen-Tutow bestimmen inzwischen zahlreiche Windkraftanlagen das Landschaftsbild. Geht es nach dem Willen von Investoren, sollen 26 neue Windräder dazu kommen. Geplant ist, sie auf der Gemarkung der Gemeinden Kruckow und Alt Tellin zu bauen. Stefan Hoeft
Kruckow.

Ein Anwohnerschreiben, das an alle Haushalte der Gemeinden Alt Tellin und Kruckow mit den dazugehörigen Ortsteilen gegangen ist, sorgt derzeit für reichlich Gesprächsstoff. Die Windpark „Heydenhof-Neu Plötz Betriebs GmbH“ startet mit diesem Papier eine Umfrage zur Akzeptanz für den Bau von 26 Windkraftanlagen in zwei Windparks in diesen beiden Gemeinden und unterbreitet gleichzeitig ein Angebot zur Bürgerbeteiligung in Form von einem vergleichsweise niedrigen Strompreis: „Ihre Zustimmung zu den Windparks sehen wir als unsere Verpflichtung zur Einhaltung unseres Angebotes an. Die Einhaltung des Angebotes sichern wir vor einem Notar unmittelbar nach Zustimmung schriftlich zu. Und zwar mit Geltung ab dem ersten Spatenstich für die Windparks für deren Laufzeit (etwa 20 Jahre)“, heißt es in dem Schreiben.

Stimmzettel ist dabei

Zudem werden die Tarife, die die Stadtwerke Loitz in Zusammenarbeit mit der FairWind GmbH anbieten, sowie die Vorteile, die die Gemeinden von den Windparks haben, genauer erklärt. Wer sich für den Bau der beiden neuen Windparks entscheidet, kann dies auch gleich schriftlich festmachen: Am Ende des Schreibens befinden sich Stimmzettel, die einfach zu handhaben sind: Ein Kreuz und die vollständige Anschrift mit Name und Wohnort reichen aus, um den Bauplänen zuzustimmen oder sie abzulehnen. Bei Zustimmung signalisiert die Unterschrift, vom günstigen Stromtarif profitieren zu wollen. Bleibt abzuwarten, wie viele Bürger sich die Mühe machen und auch ihre Ablehnung per Postweg oder Handyfoto an die Verfasser des Schreibens von der „Heydenhof-Neu Plötz Betriebs GmbH“ beziehungsweise an den Geschäftsführer der Firma FairWind Deutschland, Max von Maltzahn, zurücksenden. Der wird in den nächsten Tagen sicher noch Rede und Antwort stehen müssen.

Verunsicherung

Denn schon wenige Stunden, nachdem die ersten Anwohnerschreiben verteilt waren, gab es auch die ersten Reaktionen. Das bestätigte auf Nordkurier-Nachfrage die Kruckower Bürgermeisterin Elke Hempel: „Die Leute sind entweder verunsichert, wollen wissen, was es mit diesem Zettel auf sich hat oder sie haben bereits eine gefestigte Meinung. Es gibt Anwohner, die sagen, dass ihnen das Geld durch einen billigeren Stromtarif nichts nützt, wenn dafür die Landschaft mit Windrädern zugebaut und ihre Grundstücke damit abgewertet werden“, berichtete Elke Hempel.

Die Bürgermeisterin ist sehr überrascht und erstaunt, „dass Max von Maltzahn diese Aktion jetzt lostritt. Wir hatten uns verständigt, dass wir eine Bürgerversammlung organisieren und zwar erst dann, wenn es darum geht, Entscheidungen treffen zu müssen. Unser gemeindliches Einverständnis liegt überhaupt noch nicht vor. Es gibt viel Gesprächsbedarf. Ich verstehe nicht, warum jetzt alles so schnell gehen soll“, sagte Elke Hempel.

„Wille der Einwohner ist maßgebend”

Gesprächsbereit ist nach dem Erscheinen der Umfrage einschließlich Stromtarifangebot auch der Bürgermeister der Gemeinde Alt Tellin Frank Karstädt. „Der Wille der Einwohner unserer Gemeinde ist für uns Maßgabe. Wenn sich jetzt 50 Prozent der Bürger für den Bau der Anlagen entscheiden, dann sehen wir Handlungsbedarf. Im Moment unternehmen wir nichts. Es steht der Firma ja frei, so eine Umfrage zu starten. Einwohner, die Fragen haben, können jederzeit mit uns sprechen. Wir haben uns in einer kleinen Gruppe zusammengesetzt und den Entschluss gefasst, gerade nichts zu unternehmen, auch um nicht noch mehr Unruhe zu erzeugen“, sagte Frank Karstädt. Wie der Nordkurier berichtete, wurde in Alt Tellin das gemeindliche Einverständnis zum Bau von neuen Windkraftanlagen verweigert.

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Kommentare (2)

Überrumpelungstaktik, Fakten schaffen, hat schon sehr oft funktioniert! Gemeindvertreter sind dann sehr schnell eingeknickt.
Ggf. Bürgerentscheid durch Bürgerbefragung zum nächsten Wahltermin durchführen. Dann weiß man, wo die Gemeinde hin will.Und nein, nicht die Firma führt die Befragung durch, sondern ein demokratischer Prozess einer amtlichen Abstimmung, wenn die Gemeindevertretung nicht entscheiden kann oder will, Herr Karstädt!

... das gemeindliche Einvernehmen interessiert nicht! Das Veto des Landrates interessiert nicht! Hierfür reicht der ministeriale Erlass zur Baugenehmigung aus. Diesen erteilt dann der Minister für Energie, der Herr Pegel, und den interessiert die vorpommersche Landschaft nicht! Manchmal ist es besser den Spatz in der Hand zu nehmen, als dass man später nur die Taube auf dem Dach sieht...