CORONA-LOCKDOWN

Erhoffter Babyboom bleibt in Demmin aus

Ein Anstieg der Geburten durch die Corona-Krise macht sich im Demminer Standesamt und auf der Geburtenstation nicht bemerkbar. Die Chefärztin hat eine Ahnung, woran das liegen könnte.
Der Corona-Lockdown hat, anders als es manch einer erwartet hat, zu keinem Anstieg der Geburtenzahlen am Demminer Kreiskranken
Der Corona-Lockdown hat, anders als es manch einer erwartet hat, zu keinem Anstieg der Geburtenzahlen am Demminer Kreiskrankenhaus geführt. Felix Kästle
Demmin ·

Sie war wohl zu schön, um wahr zu sein, die Geschichte mit dem Baby-Boom aufgrund der Corona-Lockdowns. Die tröstliche Hoffnung, dass die Pandemie, die so viele Menschenleben gefordert hat, indirekt auch zu einem Anstieg der Geburten geführt haben könnte – für Demmin und das Umland hat sie sich nicht bestätigt. Tatsächlich könnte die 200er-Marke bei den Geburten in diesem Jahr sogar etwas später geknackt werden als 2020, als am 15. Juni das 200. Baby des Jahres im Demminer Kreiskrankenhaus zur Welt kam. Insgesamt 188 Entbindungen zählt das bis zum Donnerstag für dieses Jahr.

„Es ist ja kein Wettbewerb, wichtig ist, dass alle gesund sind”, stellt die Chefärztin der Demminer Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Uta Teichmann klar. Trotzdem hätten sie und ihr Team sich gewünscht, dass der prophezeite Kindersegen eintritt. „Aber die Zahlen sind ähnlich wie im vergangenen Jahr, einen auffälligen Anstieg gab es nicht, ein Babyboom zeichnet sich nicht ab”, erklärt die Ärztin. Immerhin sei aber auch kein signifikanter Geburtenrückgang festzustellen. „Wir sind auf einem guten Weg”, zeigt sich Dr. Uta Teichmann, in deren Klinik Schwangere aus dem größeren Umland betreut werden, zufrieden.

Unsicherheit in der Krise wohl zu groß gewesen

Der bislang ausgebliebene Babyboom hat die Ärztin nicht überrascht. „Ich hätte mir das sehr gewünscht, habe aber von vornherein nicht daran geglaubt”, sagt sie. Zu groß war aus ihrer Sicht wohl die Unsicherheit. „Ich vermute stark, dass sich viele wegen der Unsicherheit entschieden haben, vielleicht nicht gerade jetzt die Familie zu vergrößern”, so Dr. Uta Teichmann. „Die Angst vor der Pandemie, die damit verbundenen große wirtschaftliche Unsicherheit und die Ungewissheit, wie es weitergeht, könnte den erhofften Geburtenanstieg verhindert haben, meint die Ärztin.

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Die Tendenz in der Geburtenstation schlägt sich auch im Zuständigkeitsbereich des Demminer Standesamts nieder. Insgesamt 180 Geburten zählte das Amt zwischen dem 1. Januar und dem 31. Mai 2021. 2020 waren es in demselben Zeitraum mit 187 Geburten sogar noch etwas mehr gewesen, 2019 wurden bis Ende Mai 207 Neugeborene gemeldet. „Die Zahlen bewegen sich auf dem Niveau der Vorjahre”, informiert Enrico Müller vom Demminer Standesamt auf Nachfrage. „Aus Sicht des Standesamtes Demmin können wir nicht von einem Babyboom beziehungsweise einem auffälligen Zuwachs sprechen.”

Ob sich ein Babyboom womöglich noch verspätet einstellt, bleibt abzuwarten. Nach Angaben des Standesamts jedenfalls war der vergangene Monat mit insgesamt 42 Kindern ein geburtenstarker.

 

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Kommentare (1)

Laut den Corona-Videos der Bundesregierung vom November 2020 sollte man nur faul auf der Couch liegen und dabei ein Held sein. Von Kindermachen war weder die Rede noch bebildert.