NEU PLÖTZER WOHNBLÖCKE ABGERISSEN

Es blieb nur ein neues Taubenhaus übrig

Einst waren sie heiß begehrt als Unterkünfte und kündeten von der guten wirtschaftlichen Entwicklung des Dorfes, nun gibt es nichts mehr außer Bilder von ihnen: Die Stadt Jarmen hat zwei Wohnblöcke in ihrem Ortsteil Neu Plötz abreißen lassen.
Rasanter Abwärtstrend bei den Einwohnerzahlen: Die Bagger trugen die zwei Dreigeschosser am Westrand von Neu Plötz i
Rasanter Abwärtstrend bei den Einwohnerzahlen: Die Bagger trugen die zwei Dreigeschosser am Westrand von Neu Plötz innerhalb weniger Wochen ab, machten alles dem Erdboden gleich Stefan Hoeft
Hier soll Gras drüber wachsen: Zuletzt planierte ein Bagger die Oberfläche, auf der nun Rasen angesät wird. &Uu
Hier soll Gras drüber wachsen: Zuletzt planierte ein Bagger die Oberfläche, auf der nun Rasen angesät wird. Übrig blieb die Laterne, die einst den Gehweg beleuchtete. Stefan Hoeft
Als noch dringend Wohnraum in Neu Plötz benötigt wurde: 1964 ließ das ortsansässige Volkseigene Gut (VEG)
Als noch dringend Wohnraum in Neu Plötz benötigt wurde: 1964 ließ das ortsansässige Volkseigene Gut (VEG) die zwei 12-WE-Blöcke hochziehen, hier eine Aufnahme aus der Entstehungszeit. Jetzt wurden die Gebäude abgerissen. Stefan Hoeft
Verschwinden in absehbarer Zeit auch noch diese alten Garagen, genauso wie einige der benachbarten Gärten?
Verschwinden in absehbarer Zeit auch noch diese alten Garagen, genauso wie einige der benachbarten Gärten? Stefan Hoeft
Das vier mal 12-WE-Projekt: Insgesamt warten hier 48 künstliche Nisthöhlen auf ihre Besiedlung.
Das vier mal 12-WE-Projekt: Insgesamt warten hier 48 künstliche Nisthöhlen auf ihre Besiedlung. Stefan Hoeft
Neu Plötz.

Das Todesurteil für die zwei der Kommune gehörenden 12-WE-Blöcke am westlichen Rand von Neu Plötz war seit Jahren gesprochen, die Umsetzung hing praktisch nur noch an der Bereitstellung von Fördermitteln und einer halbwegs akzeptablen Bauleistungs-Ausschreibung. Doch da beides nun eintraf, ließ die Stadt Jarmen in ihrem Ortsteil das Abriss-Kommando anrücken und beide Häuser innerhalb von ein paar Wochen buchstäblich dem Erdboden gleichmachen.

Im April begannen die Handwerker mit dem Entkernen. Was angesichts so manch entdeckter illegal entsorgter Hinterlassenschaften einiger Zeitgenossen in den Räumen noch 6000 Euro zusätzlich erforderte, wie Bürgermeister Arno Karp berichtete. Danach kamen lose Teile wie die Dacheindeckung und Fenster aus den Häusern, bevor fürs Grobe Bagger und Brecher zulangten. Etage für Etage sowie Keller und Fundament fielen ihnen zum Opfer, erst der nördliche Block, dann sein Zwilling. Mitunter rollten fast pausenlos Lkw, um das angefallene Material wegzubringen. Und nachdem diese Wunde im Boden wieder verfüllt war, wurde vergangene Woche das ganze Areal plan gezogen, anschließend soll Rasen angesät werden. Sodass ab sofort nur noch alte Fotos von den Bauwerken künden.

Symbol für den Niedergang des Ortes

Sie stehen beziehungsweise standen beispielhaft für die Entwicklung von Neu Plötz, das einst mit seinem erfolgreichen Volkseigenen Gut (VEG) zu einer Art sozialistischem Musterdorf avancierte. Samt Bürgersteigen, Kinder-, Kultur- und Einkaufseinrichtungen sowie eben jeder Menge neuem Wohnraum. Auch die beiden nun verschwundenen Dreigeschosser wurden 1964 errichtet, um dem Bedarf der vielen VEG-Beschäftigten Rechnung zu tragen. Sie vervollständigten das Gebäudeensemble in der Ortsmitte, das von einer Parkanlage mit Brunnen gekrönt wurde.

Doch mit der Wende versiegte nicht nur dieses Wasserspiel, sondern die Grundlage für den Neu Plötzer Wohlstand. Denn mit dem Ende des VEG begann sich die in den 1990er-Jahre ohnehin im Osten einsetzende Landflucht hier besonders rasch auszubreiten. Und hält bis heute an: Mittlerweile leben in dem Jarmener Ortsteil nicht einmal mehr halb so viele Menschen wie zu Hoch-Zeiten. Gerade viele der „Neubauten“ leerten sich zusehends. In Aufgang 3-4 kehrte deshalb schon 2015 Totenstille ein, vier Jahre später war es auch im Nachbarblock mit der Nummer 1-2 soweit. Weshalb die Peenestadt den Rückbau beschloss.

Finanziert über Bundesförderprogramm

Finanziert wird die Beseitigung dieser rund 1565 Quadratmeter Wohnfläche über das Bundesförderprogramm Stadtumbau-Ost. Aus dem fließen 50 Euro pro Quadratmeter, zusammengerechnet also gut 78 200 Euro. Doch das deckt anders als früher heute längst nicht mehr die Kosten solcher Maßnahmen, sodass die Kommune entsprechend der Ausschreibungen weitere 173 200 Euro dafür aufbringen muss, wie Bauamtsleiterin Karina Bodemann erklärt. Glücklicherweise übernehme das Innenministerium über seinen Kofinanzierungsfonds die Hälfte dieses Betrages. Ob das Geld ausreicht, werde sich aber erst nach der Abrechnung zeigen. Wobei schon jetzt 6000 Euro mehr fällig wurden, wie der Bürgermeister berichtet. Nämlich für die Entsorgung all des Sperrmülls, den die Leute in den leeren Häusern hinterlassen beziehungsweise dort neu hingeschafft hätten.

Mit dem Abriss indes war es nicht getan, denn neben Menschen sollen die Gebäude auch einige schützenswerte Tiere beherbergt haben. Weshalb die Kommune eine Ausgleichsmaßnahme in Form eines Schwalbenhauses oder besser -turms realisieren musste. Dabei handelt es sich um eine quadratische dachförmige Konstruktion auf einem Stahlmast, hoch oben unter dem Wetterschutz sind insgesamt 48 vorgefertigte Nisthöhlen für die wendiger Flieger befestigt. Aufgestellt wurde das Ganze mitten im benachbarten Plötz – zwischen Friedhof und Dorfteich. Nur eingezogen zu sein scheint dort bisher niemand, wie eine Nordkurier-Kontrolle ergab.

In Neu Plötz denkt der Bürgermeister derweil schon an die nächsten Schritte bei der „Beräumung“ des Ortes, speziell im Umfeld der jüngst verschwundenen 12-WE-Blöcke. Dabei geht es um die kleine Garagenreihe am Südrand – die andere befindet sich in Privathand – ebenso wie um die rückwärtig gelegenen Gärten. Schließlich würden die nur noch vereinzelt genutzt und es gebe an andere Stelle im Dorf genügend freie Alternativen. „Mir schwebt vor, aus dem Ganzen wieder landwirtschaftlich genutzte Fläche zu machen – wie es früher hier der Fall war“, so Karp. Aber die Entscheidung darüber müsse die Stadtvertretung treffen.

 

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