Im Lebensmitteltransporter ist noch reichlich Platz. Dabei gehen immer mehr Menschen zur Tafel.
Im Lebensmitteltransporter ist noch reichlich Platz. Dabei gehen immer mehr Menschen zur Tafel. Karsten Riemer
Knappheit

„Es fehlt an allem“ – Demminer Tafel schlägt Alarm

Immer weniger Lebnsmittelspenden, aber immer mehr Bedürftige. Die Demminer Tafel kämpft sich derzeit von Tag zu Tag. Und ist damit nicht allein.
Demmin

Die Demminer Tafel befindet sich weiter in einem anstrengenden Spagat: „Wir bekommen immer weniger Ware, müssen aber gleichzeitig immer mehr Bedürftige versorgen“, erklärt Mitarbeiterin Manuela Zeidler. In den rund zehn Jahren, die sie bereits bei der Tafel tätig ist, seien die Zahlen nicht über einen so langen Zeitraum so weit auseinandergeklafft, meint sie. Und dass sich der Mangel an Lebensmittelspenden oder die Zahl der Bedürftigen bald einpendelt, ist aus ihrer Sicht nicht abzusehen.

Lesen Sie auch: Demminer Tafel-Team braucht mehr Helfer

„Immer mehr Menschen kommen zu uns, wir haben viel mehr Leute zu versorgen“, weiß Manuela Zeidler. Mindestens 750 Familien seien es zurzeit an allen sechs Ausgabestellen, wenn nicht sogar mehr. Darunter viele ukrainische Flüchtlinge, aber auch Einheimische, die durch die gestiegenen Preise bedürftig geworden seien. Wer Hartz  IV, Grundsicherung oder eine niedrige Rente erhält, hat Anspruch auf die Unterstützung der Tafel. Der Obolus sei – anders als die Preise in den Supermärkten – dabei nicht gestiegen.

Tafeln dürfen keine Lebensmittel zukaufen

In den Tüten jedoch, die die Helfer verteilen, befinden sich aufgrund der zurückgegangenen Lebensmittelspenden nun weniger Waren. „Das ist traurig“, findet nicht nur Manuela Zeidler. Zukaufen dürfen die Tafeln nicht, das widerspräche ihrem Grundsatz: Lebensmittelverschwendung reduzieren und dabei Menschen in Not finanziell entlasten.

Mehr lesen: Tafeln im Nordosten leiden unter Helfermangel und hohem Bedarf

Als Zuschuss zu Sprit- und Mietkosten dürfen die Tafeln jedoch Geldspenden annehmen und auf die sind sie angesichts steigender Energiepreise zurzeit auch dringend angewiesen, wie Manuela Zeidler betont. Bis nach Hamburg, wo die dortige Tafel gelegentlich mit Lebensmitteln aushilft, fahren die Mitarbeiter teilweise. Aber auch private Lebensmittelspenden zum Beispiel in Form von Gartenfrüchten sind laut Manuela Zeidler eine große Hilfe.

Auch weitere Helfer werden dringend gesucht

Was gerade besonders benötigt wird, kann sie nicht beantworten. „Es fehlt an allem“, sagt sie. Auch an Helfern. „Wir sind dankbar für alle Ehrenamtlichen. Aber wir brauchen noch mehr Leute, zusätzliche Fahrer und Helfer, die die Waren aufbereiten und verteilen“, so Zeidler. Nur einen Gesundheitsausweis brauche man dafür, doch den zu erlangen, sei kein Problem. Wer sich vorstellen kann, die Demminer Tafel tatkräftig zu unterstützen, könne unter 03998 433413 Kontakt aufnehmen oder persönlich in der Brinkstraße  2 vorbeikommen.

Lesen Sie auch: Bei der Tafel werden die Lebensmittel knapp

Doch längst nicht nur in Demmin arbeiten die Tafeln derzeit am Limit. Bundesweit klagen die Einrichtungen über zurückgegangene Lebensmittelspenden bei gleichzeitig gestiegenem Bedarf. In einer Pressemitteilung appelliert der gemeinnützige Verein daher an die Politik. „Wir helfen in Notsituationen nach Kräften“, heißt es darin. Grundsätzlich sei es allerdings Aufgabe des Staates, seine Bürgerinnen und Bürger vor Armut zu schützen und ausreichend zu versorgen. Die Tafel fordert deshalb, Sozialleistungen zu erhöhen und Menschen mit geringem Einkommen zu entlasten.

„Ehrenamtsorganisationen können nicht das auffangen, was seit Jahren schief läuft in unserem Land“, argumentiert Jochen Brühl, Vorsitzender der Tafel Deutschland, für eine schnelle und konkrete Hilfe. „Der Staat darf sich nicht auf der Arbeit unserer 60 000 Helferinnen und Helfer ausruhen“. Die ursprüngliche Idee der Tafeln sei es gewesen, kurzfristig in Not geratenen Menschen zu helfen. Inzwischen seien allerdings viele dauerhaft auf die Unterstützung angewiesen, weil sich Armut in Deutschland so stark verfestigt habe.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

zur Homepage