TODENHAGEN-KAUFHAUS

Ex-Einkaufstempel soll Demmin mit Bild von 1920 verschönern

Die Einkaufsstraßen in der Innenstadt geben ein zunehmend tristes Bild ab. Mit einer kreativen Idee sollen nun verwaisten Geschäfte wiederbelebt werden.
Das ehemalige Kaufhaus wird heute von einer Gebäudereinigungsfirma als Depot genutzt. Fotos: Tobias Holtz
Das ehemalige Kaufhaus wird heute von einer Gebäudereinigungsfirma als Depot genutzt. Fotos: Tobias Holtz
Diese historische Stadtansicht aus den 1920ern Jahren könnte bald das Schaufenster des ehemaligen Kaufhauses Todenhagen i
Diese historische Stadtansicht aus den 1920ern Jahren könnte bald das Schaufenster des ehemaligen Kaufhauses Todenhagen in der Clara-Zetkin-Straße zieren. ZVG
Zum Betriebsausflug trafen sich 1937 in der Hansestadt die Mitarbeiter der Modehäuser aus Altentreptow, Stavenhagen, Grim
Zum Betriebsausflug trafen sich 1937 in der Hansestadt die Mitarbeiter der Modehäuser aus Altentreptow, Stavenhagen, Grimmen und Demmin. Vom Stammhaus aus ging es nach Salem und anschließend zur Dampferfahrt auf den Kummerower See. NK-Archiv
Die Risse im Glas des großen Doppelschaufensters wurden provisorisch mit braunem Klebeband repariert.
Die Risse im Glas des großen Doppelschaufensters wurden provisorisch mit braunem Klebeband repariert. Tobias Holtz
Demmin.

Es war einer der größten Einkaufstempel in Demmin und lockte seit seiner Eröffnung vor rund 100 Jahren täglich etliche Kunden aus der ganzen Region an: das Kaufhaus Todenhagen. Von schicker Kleidung über Haushaltswaren bis hin zu Möbeln und Dekorationsartikeln gab es in dem von Kaufmann Erich Todenhagen gegründeten Geschäft alles, was das damalige Einkaufsherz begehrte. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Kaufhaus enteignet. Erich Todenhagen flüchtete vor dem Einmarsch der Russen nach Schleswig-Holstein. Doch der Betrieb ging weiter. Zu DDR-Zeiten übernahm die Konsumgenossenschaft das Kaufhaus. Nach der Wende wurde es noch einmal komplett renoviert. Das einstige Konsumkaufhaus hieß ab sofort „Elegant“. 1995 musste es dann für immer seine Türen schließen.

Heute erinnert nichts mehr an die einstige Einkaufsstätte der Demminer. Die großen Schaufensterscheiben des geschichtsträchtigen Gebäudes in der Clara-Zetkin-Straße sind gesprungen und wurden notdürftig mit braunem Klebeband geflickt. Kein einladender Anblick. Weder für Einheimische noch für Touristen. „Die Verschönerungssparte des Heimatvereins möchte dieses Schaufenster deshalb neu gestalten und die Atmosphäre der damaligen Zeit wieder ein Stück weit lebendig werden lassen“, betont der Vereinsvorsitzende Karsten Behrens. Künftig soll eine Aufnahme aus den 1920er Jahren das verwaiste Schaufenster zieren. Darauf ist neben dem ehemaligen Kaufhaus Todenhagen auch eines der wenigen Bauwerke Demmins abgebildet, das von den Zerstörungen des Krieges weitgehend verschont blieb – das Luisentor.

Beim Bummeln Blick in die Vergangenheit

Der jetzige Eigentümer des einstigen Einkaufstempels, die „Perfekta Unternehmensgruppe“ sei sehr begeistert gewesen, als sie von der Idee des Heimatvereins erfuhr. „Der Dienstleistungskonzern nutzt derzeit nur einige Räume des Hauses als Lager für Reinigungsmittel und erhofft sich, durch die Verschönerungsmaßnahme noch weitere Mietinteressenten zu gewinnen“, erzählt Karsten Behrens.

Die historische Stadtansicht soll möglichst im Maßstab 1:1 auf dem Schaufenster angebracht werden. „Entweder lassen wir dafür das Foto auf eine große selbstklebende Folie drucken oder befestigen es als eine Art Poster auf einer witterungsbeständigen Kunststoff-Platte“, schlägt der Vereinsvorsitzende vor. Mittels dieser Techniken könnten nach Ansicht des Heimatvereins auch andere Schaufenster von leer stehenden Geschäfts- und Wohnhäusern im Zentrum in neuem Glanz erstrahlen. „Uns ist natürlich bewusst, dass sich dieses Projekt nicht ganz ohne finanzielle Unterstützung umsetzen lässt. Deswegen werden wir als Verein auch Fördermittel beantragen“, sagt Karsten Behrens und denkt dabei an mögliche Gelder aus dem Vorpommern-Fonds, dem Leader-Programm oder von der Sparkassenstiftung.

Sollte es mit der Förderung klappen, müssten die Demminer bei einem Stadtbummel künftig nicht mehr an vielen verwaisten Läden vorbeischlendern, sondern könnten beim Betrachten der Schaufenster einen Blick in die Vergangenheit der Hansestadt werfen. Das sind doch mal schöne Aussichten.

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Kommentare (3)

werden sich - hundert Jahre später - nicht wiederholen. Demmin hat seine besten Zeiten lange hinter sich. Da helfen auch die Fotos nicht. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Und sich selbst zu belügen ist das Erbärmlichste überhaupt.

Ich hoffe nicht daß das Photo der Angestellten in der von den Nazis propagierten "Einheitstracht" die Schaufenster "schmücken" wird - ein Photo der Gleichschaltung auf dem Marsch ins Verderben...

ganz in zivil. So, wie es sie heute noch gibt. Gut gelaunte junge Leute von allen drei Kaufhäusern zusammen an einem schönen sonnigen Tag. Sie sehen Gespenster, wo keine sind!