Am Morgen des Neujahrstages musste die Feuerwehr dieses Haus an der Neu Plötzer Ortsdurchfahrt löschen. Es galt zwar
Am Morgen des Neujahrstages musste die Feuerwehr dieses Haus an der Neu Plötzer Ortsdurchfahrt löschen. Es galt zwar schon vorher als Ruine, war aber noch weitgehend dicht und standfest. Nun droht wol 2022 der Abriss. Stefan Hoeft
Drehleiter-Einsatz: Erst durch das Entfernen von Teilen der Eindeckung konnte der Brand endgültig unter Kontrolle gebrach
Drehleiter-Einsatz: Erst durch das Entfernen von Teilen der Eindeckung konnte der Brand endgültig unter Kontrolle gebracht werden. Stefan Hoeft
Das Feuer brach teilweise bereits von oben ins Erdgeschoss durch.
Das Feuer brach teilweise bereits von oben ins Erdgeschoss durch. Stefan Hoeft
Unter den Dachziegeln leuchtete der Feuerschein deutlich sichtbar hervor.
Unter den Dachziegeln leuchtete der Feuerschein deutlich sichtbar hervor. Stefan Hoeft
Das Feuer brach teilweise bereits von oben ins Erdgeschoss durch.
Das Feuer brach teilweise bereits von oben ins Erdgeschoss durch. Stefan Hoeft
Am Morgen des Neujahrstages musste die Feuerwehr dieses Haus an der Neu Plötzer Ortsdurchfahrt löschen. Es galt zwar
Am Morgen des Neujahrstages musste die Feuerwehr dieses Haus an der Neu Plötzer Ortsdurchfahrt löschen. Es galt zwar schon vorher als Ruine, war aber noch weitgehend dicht und standfest. Nun droht wol 2022 der Abriss. Stefan Hoeft
Feuerwehreinsatz

Feuer zerstört geschichtsträchtiges Haus in Neu Plötz

Nun hat es auch das letzte ungenutzte Gebäude in der langen Neu Plötzer Ruinenreihe erwischt: Am Neujahrsmorgen musste die Feuerwehr an dem Haus anrücken.
Neu Plötz

Als gäbe es nicht schon genug akut abrissbedürftige Brandruinen entlang der Kreisstraße durch den Jarmener Ortsteil Neu Plötz, so kommt seit dem ersten Januar-Wochenende eine weitere hinzu. Denn am Morgen nach Silvester stand das Dachgeschoss des letzten Wohnhauses auf der Ostseite in Richtung Ortsausgang Daberkow/Alt Tellin in Flammen.

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Und markierte so in mehrerlei Hinsicht die Fortsetzung einer traurigen Entwicklung, die mit der Abwicklung des dort ansässigen Volkseigenen Gutes (VEG) nach der Wende begann. Nicht nur, dass Neu Plötz vom einstigen sozialistischen Musterdorf zum Sinnbild für den demografischen Abschwung in Vorpommern mutierte – mit mehr als der Halbierung der Einwohnerzahl gegenüber DDR-Zeiten und entsprechend viel Leerstand.

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Kulturkomplex bereits vor Jahren abgebrannt

Auch die vielen Sozialeinrichtungen überlebten diesen Niedergang nicht. Seinen vorläufigen Höhepunkt fand das Ganze beim Niederbrennen des Kulturhaus-Komplexes im Frühjahr 2011 und von Teilen der Reihenhäuser auf der Westseite der Ortsdurchfahrt im Sommer 2016.

Schon damals bot auch das schräg gegenüberliegende Gebäude, das mal die Büros der VEG-Verwaltung beherbergte und früher obendrein teils Lehrlingen als Unterkunft diente, alles andere als einen hoffnungsvollen Anblick. Allerdings waren Dach und Fenster dicht, bestand keinerlei Einsturzgefahr.

Standort des „Widerstandsbüros”

So dass der Plötzer Landwirt Carl Hesse als Besitzer einen Abriss wiederholt verschob. Zuvor hatte die Immobilie zwischenzeitlich recht ungewöhnliche Verwendungen gefunden, die sie auf zwei sehr unterschiedliche Weisen in die Öffentlichkeit rückten.

So durften die Gegner der auf Alt Telliner Gemeinde-Gemarkung in Sichtweite von Neu Plötz geplanten großen Schweinezucht im Frühjahr 2009 dort ein so genanntes „Widerstandsbüro” eröffnen.

Wie es damals hieß, „der ideale Treffpunkt für alle, die sich über die geplante Ferkelzuchtanlage informieren, austauschen und andere Aktive kennen lernen wollen.” Sogar ein Fest samt Straßenmusik gab es aus dem Anlass. Diese Dauerpräsenz hielt nicht lange, und verhindert werden konnte der riesige Stallkomplex nicht, doch auch er wurde Ende März 2021 ein Raub von Flammen.

Kulisse für Filmemacher

Ganz anders buchstäblich ins Rampenlicht geriet die Adresse im Frühjahr 2014, selbst da indes war irgendwie wieder die Feuerwehr mit im Spiel. Als nämlich die Produktionsfirma „WirFilm” für ihre Tragikomödie „Ein idealer Ort” über das vorpommersche Provinzleben nach Drehmöglichkeiten suchte, erkor die Crew dieses Haus als passend für die Außenszene mit einem Makler aus.

Und die Brandbekämpfer sorgten über mehrere Stunden mit ihrer Technik einschließlich der Drehleiter für den von der Regie geforderten strömenden Regen. Der rund 40-minütige Streifen mit weiteren Einstellungen aus dem Dorf feierte im Februar 2015 seine Premiere – immerhin auf der Berlinale, dem wichtigsten deutschen Filmfestival, das auch international ganz vorne mitspielt.

Brandstiftung durch Pyrotechnik vermutet

Nun allerdings scheinen die Tage des Gemäuers, an das im rechten Winkel und nur etwas mehr als einen Meter entfernt eine Werkstatt von Hesses Betrieb grenzt, endgültig gezählt, mitsignalisiert von der ausgerechnet am Nachbargiebel befestigten Neu Plötzer Alarmsirene. Denn die heulte am Sonnabend um 5.49 Uhr auf, weil aus dem Dachboden Qualm und Feuerschein gemeldet worden war.

Mutmaßlich verursacht durch eine Brandstiftung, eventuell mittels Pyrotechnik. Schließlich stand zwar die Eingangstür offen, doch eine Treppe nach oben gibt es nicht und die Decke galt laut Besitzer eigentlich als geschlossen. Die Entzündung scheint also von innen erfolgt sein.

Abriss nun wohl besiegelt

Insgesamt rund 20 Kameraden und Kameradinnen der Feuerwehr Jarmen samt ihrer Löschgruppen Daberkow und Plötz rückten daraufhin aus. Letztere schafften es als erste vor Ort und begannen mit dem Aufbau einer Versorgungsleitung an den nahen Hydranten.

Doch erst mit dem teilweisen Abdecken der Ziegel vom Drehleiter-Korb aus gelang es den Angriffstrupps, den auf beide Dachseiten ausgebreiteten und schon ins Erdgeschoss durchbrechenden Brand endgültig unter Kontrolle zu bringen. Die letzten Wehrleute packten gegen 8 Uhr ihre Sachen, die Ermittlungen übernahm der Kriminaldauerdienst der Polizei. Carl Hesse geht derweil davon aus, dass damit 2022 wohl der Abriss dieser so Geschichtigen trächtigen Immobilie ansteht.

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