Hans-Jürgen Syberberg hat ein altes Haus herrichten lassen. Es soll unter anderem für Vereinszwecke genutzt werden.
Hans-Jürgen Syberberg hat ein altes Haus herrichten lassen. Es soll unter anderem für Vereinszwecke genutzt werden. Christine Gerhard
In dem einstigen Stall, der noch weiter renoviert werden muss, sind Feldsteine und Fachwerk wieder sichtbar. Die Bodenbalken l
In dem einstigen Stall, der noch weiter renoviert werden muss, sind Feldsteine und Fachwerk wieder sichtbar. Die Bodenbalken liegen direkt auf den Findlingen auf. Christine Gerhard
Besondere DDR-Relikte, wie die Küchenzeile aus den 50er-Jahren, durften bleiben.
Besondere DDR-Relikte, wie die Küchenzeile aus den 50er-Jahren, durften bleiben. Christine Gerhard
Diese Sitzgruppe stammt aus dem Nossendorfer Stadtgut, einem der ehemals drei Gutshäuser der Gemeinde. Nach seinem Abriss
Diese Sitzgruppe stammt aus dem Nossendorfer Stadtgut, einem der ehemals drei Gutshäuser der Gemeinde. Nach seinem Abriss hatten die Möbel laut Syberberg zuletzt ein Wohnzimmer in Demmin geschmückt. Christine Gerhard
Sanierung

Filmemacher macht altes Haus zu Treffpunkt mit Museumsflair

Einst haben hier vier Parteien gelebt. Zuletzt stand das alte Haus leer. Nun hat der jetzige Eigentümer und Nachbar die Geschichte des historischen Gebäudes sichtbar gemacht.
Nossendorf

Als der Filmemacher und Nossendorfer Hans-Jürgen Syberberg noch ein Kind war, lebte in dem Haus nebenan eine polnische Familie. In den Zwanzigerjahren waren sie angereist, um im Sommer für die Gutshausbesitzer zu arbeiten, und sie blieben. Das Polnische habe sich mit der Zeit überlagert, erinnert sich Syberberg: „Für uns waren sie Nossendorfer wie alle anderen. Die Kinder gingen hier zur Schule und sprachen platt.“ Dann aber hätten sie wegen des Krieges zwangsweise nach Polen zurückziehen müssen. Mit „tränenden Augen“ habe die Familie ihre Sachen gepackt. Nach ihr zogen Flüchtlinge aus dem Osten in das ehemalige Bauernhaus in Nossendorf (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) ein.

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Alles mit einer „DDR-Schicht” überzogen

Auf 200 bis 300 Jahre schätzt es der jetzige Eigentümer Hans-Jürgen Syberberg. Seitdem haben die Mauern viele menschliche Schicksale bezeugt. „Das ist das Spannende an diesem Haus: Dass es so viele Schichten hat und dass man sie erhält“, findet der Regisseur. Schicht für Schicht hat er gemeinsam mit Handwerkern und Freunden die Geschichte des Hauses wieder freigelegt beziehungsweise rekonstruiert, wie im Fall des Fachwerkelements auf der Rückseite. „Früher war alles Fachwerk“, weiß Syberberg. In der DDR-Zeit seien die Holzbalken aber aus praktischen Gründen durch Hohlbausteine ersetzt worden. Überhaupt sei das inzwischen wieder in Weiß strahlende Haus zuletzt mit einer „DDR-Schicht“ überzogen gewesen, erzählt Syberberg. Innen sind die alten Wandmalereien teilweise wieder freigelegt. Den Plastikboden haben die Arbeiter herausgerissen. Darunter kam der alte, kühle Lehmboden zutage und dort, wo einst der Stall gewesen war, die blanken Feldsteine. Auch in diesem Zimmer des neuen Gästehauses soll der Boden noch mit Lehm aufgefüllt werden, doch einige der eiszeitlichen Feldsteine werden sichtbar bleiben. „Man soll später erkennen, wo man ist“, erklärt der Eigentümer.

Die Kachelöfen funktionieren alle noch

Anderswo durften die DDR-Relikte bleiben: Die Kachelöfen aus Meißen etwa, alle unterschiedlich und alle noch funktionstüchtig, sind Hans-Jürgen Syberbergs Stolz. „Sie stammen aus den 70er und 80er Jahren“, erzählt er. Eine der Küchen ist mit noch älteren Möbeln aus dem Jahr 1951 eingerichtet, von vor der Plastik-Zeit, wie Syberberg betont. Überall im Haus hat sich Altes neu zusammengefügt: Die Sitzgarnitur im Wohnzimmer etwa stammt aus dem längst nicht mehr existierenden Stadtgut, laut Syberberg einem von einst drei Gutshäusern in Nossendorf. Zuletzt hatten die Möbel ein Wohnzimmer in Demmin geziert. Die neuen Betten ruhen auf alten Balken aus dem Haus oder der nahen Kirche. Und an einem der Tische hat Syberberg nach seiner Rückkehr in das benachbarte Gutshaus vor etwa zwanzig Jahren häufig gesessen, wenn er bei seinem Freund eingeladen war. Alfred Krüger war Traktorist, so wie schon sein Vater. Vier Parteien hatten zur Zeit der Wohnungsnot in dem alten Haus gelebt. Doch die Umstände änderten sich.

Garten verwildert

Die letzte Bewohnerin, die Frau von Alfred Krüger, starb vor etwa acht Jahren, seitdem stand das einstige Bauernhaus leer. Es sei ziemlich heruntergekommen gewesen, erzählt Syberberg, der Garten war verwildert. Vor zwei Jahren begannen er und seine Helfer das Grundstück herzurichten. Dass viele von ihnen schon älter und bereits zu DDR-Zeiten tätig waren, sei bei der Renovierung des alten Gebäudes von Vorteil gewesen, „weil sie das Handwerk noch so gut kennen“, erklärt Syberberg.

Sänger des Männerchors sind die ersten Gäste

Die Handwerker rissen Wände ein, die für die Nutzung durch mehrere Parteien zu DDR-Zeiten hochgezogen worden waren. Jetzt findet man sich bei Betreten des Hauses in einer geräumigen Küche wieder, wie das laut Syberberg für viele alte Gebäude typisch war. Für die künftigen Gäste eignet sie sich als Gemeinschaftsraum, während der andere Gebäudeflügel über eine separate Küche verfügt. Insgesamt acht Betten sind in den unterschiedlichen Zimmern des neuen Gästehauses verteilt. Wenn am Wochenende die Mitglieder des Klenzer Männerchors als erste Gäste hier übernachten, will Syberberg noch zusätzliche Klappbetten aufstellen.

Es sol wieder Leben einziehen

Auch wenn es „fast ein bisschen ein Museum ist“, das alte Haus soll mit neuem Leben gefüllt werden, kultureller Treffpunkt sein und neue Impulse geben. Gäste des Vereins „Freunde der Kirche in Nossendorf, Kunst und Natur“ und auch ausländische Bekannte, die an Syberbergs aktuellem Filmprojekt mitarbeiten, sollen künftig hier übernachten können. „Der Bedarf war schon da“, so Syberberg, „jetzt gibt es endlich eine Unterkunft.“ Er könne sich auch vorstellen, zu Ausstellungen in das Haus einzuladen oder dort Filme vorzuführen. „Ich hoffe, dass das Haus die Region belebt.“

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Kommentare (3)

Hilfreich sei der Mensch, edel und gut! (von Goethe)

Kachelöfen stehenlassen! Der nächste Winter wird kalt. Politisch gesehen eiskalt!

Sein Tatendrang übertrifft den einer ganzen Abschlussklasse Abiturienten!