Wibke Seifarth, Gundula Meyer und Anne Rachfall (v.l.n.r.) vom Verein Demminer Bürger haben für die Flüchtlinge
Wibke Seifarth, Gundula Meyer und Anne Rachfall (v.l.n.r.) vom Verein Demminer Bürger haben für die Flüchtlinge eine digitale Karte von Demmin erstellt. Christine Gerhard
Ukraine

Flüchtlinge in Demmin – diese Dinge werden noch gebraucht

Einleben und zumindest zweitweise mal nicht an den Krieg denken. Den ukrainischen Flüchtlingen in Demmin wollen Ehrenamtliche dabei helfen. An ein paar Dingen fehlt es noch.
Demmin

In ihrem Deutschkurs hatte Anne Rachfall die Teilnehmer aus der Ukraine gefragt, was sie sich wünschen: Deutsch lernen, arbeiten, zur Schule gehen steht auf der Pinnwand, an der sie die Ergebnisse gesammelt hat. Nachdem sie ihre Heimat plötzlich und unerwartet verlassen mussten, wollen sich die Geflüchteten nun, da die dringendsten Fragen zu Wohnen, Schul- und Kitaplätzen geklärt sind, offenbar ein Leben in Demmin aufbauen – wie lange ihr Aufenthalt hier auch dauern mag.

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Viele Ideen für die neuen Nachbarn

„Fühlt euch für die Zeit, die ihr hier seid, wohl und willkommen“, ist laut Gundula Meyer vom Verein Demminer Bürger deshalb aktuell die Prämisse für die ehrenamtlichen Helfer aus Vereinen, Stadt, Kirche und Caritas. Und was die Kinder und Erwachsenen zum Wohlfühlen brauchen, dazu hatten sie bei dem Übergangsdeutschkurs mit Anne Rachfall ebenfalls einige Ideen: Ausflüge in die Natur oder auch einmal in eine große Stadt zum Beispiel. „Viele kommen ja aus Charkiw oder Odessa, da ist Demmin schon etwas anderes“, weiß Wibke Seifarth. Und wegen der durch den Schienenersatzverkehr zurzeit noch erschwerten Verkehrsanbindung in der Hansestadt hätten die Geflüchteten kaum Möglichkeiten, an andere Orte zu gelangen.

Gemeinsame Exkursionen seien deshalb schon in Planung, auch eigens für die Kinder wird es Ausflüge geben. Dabei sollen sie das Geschehene zumindest zeitweise vergessen und einen „normalen Alltag ohne Ängste und Sorgen“ erleben können, heißt es vom Verein. Für die Umsetzung der ersten Ideen – darunter auch ein mögliches Patenschaftsprojekt – wolle sich der Verein noch mit den Schulen verständigen.

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Weil außerhalb der Schule viele Kinder Interesse an Sport bekundet haben, werde eine der nächste Aufgaben für die Helfer wohl zudem darin bestehen, im Austausch mit den Vereinen und der Volkshochschule „zu sammeln, wo es welche Kurse gibt und wo Kapazitäten sind“. Außerdem müssten die Vereine entsprechend vorbereitet werden.

Spenden und Helfer werden weiterhin gebraucht

Generell sei der Austausch ein wichtiger Teil in der Flüchtlingsarbeit, wie die Helfer des Demminer Bürgervereins betonen. Bei einem Auftakttreffen zur Ukrainehilfe mit einer Filmvorführung habe sich deshalb ein Netzwerk aus Helfern verschiedener Organisationen, Verwaltungen und Vereine gebildet, deren Verantwortliche sich nun regelmäßig treffen. Das Ziel ist „ein kurzer Informationsfluss und die Vermeidung von Doppelstrukturen“, erklärt Wibke Seifarth. Der Verein Demminer Bürger etwa widme sich den Bereichen Jugend, Kinder und Familie. Helferinnen der Kirche unterstützten die Geflüchteten unter anderem bei Behördengängen.

Kleidung und Schuhe werden gebraucht

Doch auch über das Koordinationsnetzwerk hinaus wird Unterstützung weiterhin benötigt. Die Caritas habe so vor allem zur Spende von Oberbekleidung und Schuhen aufgerufen. Auch die Tafel sammelt gebrauchte Kleidung, um sie an Bedürftige weiterzugeben. „Gebraucht werden außerdem Kindersitze für Fahrräder und Kinderräder“, so Wibke Seifarth, „am besten intakt, weil wir gemerkt haben, dass die Reparaturkapazitäten begrenzt sind.“ Die Flüchtlinge, die die Räder brauchen, um ihre Kinder bei der Kita abzuliefern oder zum Deutschkurs an die VHS zu kommen, seien für diese Hilfe sehr dankbar.

Und auch wer Lust und Zeit hat, sich tatkräftig einzubringen, ist willkommen. „Wir könnten noch Helfer für die Betreuung gebrauchen“, erklärt Anne Rachfall. Als Überbrückung, bis auch die noch nicht in der Kita aufgenommenen Kinder den erforderlichen Masern-Impfschutz aufweisen können, werden sie während des Deutschkurses an der VHS nämlich umsorgt. „Wer außerdem Lust hat, freitags zusammen zu kochen, kann sich gerne melden, und ein weiteres Kursangebot in der Woche würde auch noch passen“, meint Wibke Seifarth.

Doch schon jetzt scheinen sich die Geflüchteten in Demmin gut betreut zu fühlen, meinen die Ehrenamtlichen. Die meisten, so ihr Eindruck, ziehen nicht weiter. Mit den ersten Sprachkursen, der Registrierung, der ärztlichen Versorgung seien die Grundbedürfnisse in der Hansestadt gut abgedeckt. Ein Blick auf die Pinnwand im Café 3K scheint den Eindruck zu bestätigen: Unter der Frage, ob sie sich in Demmin wohlfühlen, haben alle ihren Klebepunkt bei dem lachenden Gesicht angebracht.

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