INTERKULTURELLES CAFE

Flüchtlingshelfer fordern mehr Hilfe von der Stadt

Gundula Meyer und Heinz Wittmer gehören zu Demmins engagiertesten Flüchtlingshelfern. Doch auch sie fragen sich, wie es weitergehen soll. Denn die Hilfe für Flüchtlinge und deren Integration sind noch lange nicht abgeschlossen.
Denny Kleindienst Denny Kleindienst
Gundula Meyer und Heinz Wittmer in den Räumen des Demminer-Bürger-Vereins. Jeden Freitag gibt es dort das Interkulturelle Café, regelmäßig findet auch das Frauencafé statt.
Gundula Meyer und Heinz Wittmer in den Räumen des Demminer-Bürger-Vereins. Jeden Freitag gibt es dort das Interkulturelle Café, regelmäßig findet auch das Frauencafé statt. Denny Kleindienst
Demmin.

Gundula Meyer blickt auf die Statistik. Auf dem Balkendiagramm ist gut zu sehen, wie im Jahr 2014 und insbesondere 2015 die Zahl der Ausländer in der Demminer Bevölkerung nach oben schnellte, auf die Höchstmarke von mehr als 350 im Jahr 2015. So viele Ausländer sind es nicht mehr, es sind aber auch nicht wesentlich weniger. Stand Mai 2018: rund 280. Die Statistik unterscheidet dabei nicht zwischen Ausländern, die schon seit vielen Jahren da sind, und Ausländern, die erst vor wenigen Jahren als Flüchtlinge kamen.

Gundula Meyer und Heinz Wittmer sind nicht nur die beiden wesentlichen Akteure, die sich um das interkulturelle Café kümmern, das inzwischen der Anlaufpunkt Nummer eins für Geflüchtete in Demmin ist. Sie bemühen sich auch, all das zu leisten, was man in den Begriff Integrationsarbeit hineinpacken kann. Sie versuchen zum Beispiel, die Menschen in Arbeit zu bekommen. Für die beiden heißt Integration auch, den Geflüchteten eine Bleibeperspektive zu geben. Beide sind aktiv in der Initiative „Pro Bleiberecht“.

Ehrung fürs ehrenamtliche Engagement

„Wir kümmern uns hier natürlich um die Einzelfälle“, sagt Heinz Wittmer. „Aber genauso sehen wir die Gesamtsituation.“ Gundula Meyer und Heinz Wittmer kennen sich wahrscheinlich wie kaum jemand sonst in Demmin mit dem Thema Asyl aus. Doch gerade weil jeder Fall anders ist, sagt Gundula Meyer: „Es ist kein Schema F, das wir abarbeiten.“ Heinz Wittmer ergänzt: „Die Regeln ändern sich ständig.“ Gerade jetzt, da Abschiebungen beschleunigt werden sollen, sei es schwer für sie als Ehrenamtler, auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Die Demminer Stadtverwaltung wie auch die Stadtvertreter dürften froh sein, dass es dieses ehrenamtliche Engagement in Demmin gibt. Gundula Meyer bekam dafür ja auch die Ehrenurkunde beim diesjährigen Jahresempfang. Anerkennung in ihrer sinnigsten Form, nämlich als Höchstförderung in Höhe von 10 000 Euro, gab es bereits Ende vergangenen Jahres vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft für das ebenfalls von Gundula Meyer betreute Demminer Frauencafé und dessen Integrationsarbeit.

Mietminderung würde sehr helfen

Dass die Integrationsarbeit in Demmin an ihnen und einigen weiteren Ehrenamtlichen hängenbleibt, wollen die beiden allerdings nicht. „Ich will die Stadt nicht aus der Verantwortung lassen“, sagt Heinz Wittmer. Denn selbst mancher Stadtvertreter hat den Eindruck, dass von offizieller Seite zu wenig kommt. Es ist schon bezeichnend, wenn Stadtvertreterin Christine Richter (Die Linke), sagt: „Wenn ich eine Frage zu den Flüchtlingen habe, gehe ich zu Gundula Meyer.

Richter sitzt auch im Sozialausschuss der Stadtvertretung. Dessen Mitglieder haben dem Demminer Bürgerverein, in dessen Räumen das interkulturelle wie das Frauencafé stattfindet, gerade einen Mietzuschuss von 2300 Euro über zwölf Monate bewilligt. Bei dem Geld handelt es sich um Zuweisungen des Kreises an die Stadt für die dort lebenden Flüchtlinge.

Eine Hilfe, sicher – Gundula Meyer wünscht sich für die Zukunft aber vor allem eine Mietminderung für die Räume in der Clara-Zetkin-Straße 16. Die mehr als 1000 Euro pro Monat kann der Verein kaum aufbringen. Die Stadt müsste dabei nicht einmal Geld ausgeben. Sie würde nur weniger einnehmen.

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