Haus Demmin vor ungewissem Schicksal

:

Frühlingszauber über der Ruine

Vor der Ruine der Villa „Haus Demmin“ breitet sich jetzt ein Teppich voller Schneeglöckchen aus.
Vor der Ruine der Villa „Haus Demmin“ breitet sich jetzt ein Teppich voller Schneeglöckchen aus.
Kirsten Gehrke

Wie die Stadt mit der Ruine der einstigen Villa weiter verfahren will, ist noch nicht entschieden. Alles hängt vom Geld ab. Ein junger Demminer zumindest ist fasziniert von der Geschichte der Besitzerfamilie von Rohr.

Es war Frühling, so wie heute. Damals in den 1980-er Jahren führte Birgit Ute Krügers Weg oft zum Haus Demmin. Da war die Villa noch Internat des Musikgymnasiums und die 23-Jährige gerade Mutter. Mit Sohn Steffen holte sie ihre Mutter, Erna Ruth Heinze, von der Arbeit ab.

„Sie hat in der Küche im Haus Demmin gearbeitet“, sagt die heute 49-Jährige. Unter einer Kastanie, die noch heute steht, hat sie den Kinderwagen abgestellt und auf die Mutter gewartet. „Rein in die Küche durfte man ja nicht, wegen der Hygiene.“ DieSchülerinnen seien immer entzückt gewesen, wie fröhlich das Baby im Wagen war. „Er hat immer gelacht.“

Der Enkel schwärmt für die Arbeitsstätte der Oma

Steffen Krüger, inzwischen fast 27 Jahre alt, hört sich gern die Erinnerungen der Mutter an, wenn sie von seiner Oma erzählt. Aber vor allem die Geschichte rund um das „Haus Demmin“ und damit die Geschichte der Familie von Rohr lässt ihn nicht mehr los. Er recherchierte, nahm sogar Verbindung zu Hans Joachim von Rohr auf, der 1934 geboren wurde und heute in Nordrhein-Westfalen lebt. Und er bekam ein Buch über die Familiengeschichte der von Rohrs in die Hand. „Für mich war das alles spannend“, sagt der junge Demminer.

1881 habe Hans von Rohr aus dem Hause Hohenwulsch bei Stendal die Herrschaft „Haus Demmin“ mit Vorwerk, Lindenfelde und Birkbusch erworben. „Letzeres war ein kleines Bauernanwesen und lag östlich von Vorwerk auf dem Acker. Herr von Rohr ließ es damals abreißen und legte an einigen Hügeln an der Peene die Vorwerker Schweiz an.“

Sein mittlerer Sohn Hansjoachim hatte 1920 den Besitz übernommen, wurde von den Nationalsozialisten verfolgt und im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet. An der Peene stehen noch Reste der herrschaftlichen Villa von 1830. Anfang Januar 1997 war das Haus abgebrannt und ist heute noch eine eindrucksvolle Ruine. Der Sohn des letzten Besitzers, Hans Joachim Rohr, hatte nach der Wende das Haus rückübertragen bekommen. Auf eigene Kosten habe er die Ruine herrichten lassen und die Brücke über die Tollense neu gebaut, sagte der 80-Jährige gegenüber Nordkurier.

Stürzt die Ruine ein?

Zusammen mit dem Denkmalschutz waren die Arbeiten ausgeführt worden. Ihm war es wichtig, dass die Ruine erhalten bleibt. Als alles fertig war, habe er das Anwesen der Hansestadt übertragen. „Als letzten Akt habe ich eine Gedenktafel für meinen Vater anbringen lassen.“

Im Moment macht das Umfeld von „Haus Demmin“ einen gepflegten Eindruck. Wie die Stadt mit der Ruine weiter verfahren will, sei noch nicht entschieden, erklärt auf Nachfrage Vize-Bürgermeister Kurt Kunze. Zwar plane die Stadt weiter das Areal umzugestalten. Aber das könne nur realisiert werden, wenn Geld dafür im Haushalt ist. „In den vergangenen Jahren ist das ehemalige Haus Demmin wiederholt gesichert worden“, so Kunze.

Dass die Ruine einzustürzen droht, wie es Gerüchte behaupten, kann Bauamtsleiter Dietmar Schmidt nicht sehen. Er bestätigt aber, dass der Unterhaltungsaufwand sehr hoch sei. „Wie lange sich die Stadt das noch leisten kann, werden wir sehen.“