GEDENKSTÄTTEN-DEBATTE

Garten der Erinnerung statt Suizid-Gedenkort im Gespräch

Ein neuer Vorschlag in der Diskussion um den neuen Erinnerungsort legt den Schwerpunkt darauf, dass sich nachfolgende Generationen wesentlich stärker inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzen.
Der neue Erinnerungsort soll auch ein Zeichen gegen Rechtsextreme setzen, die das Demminer Trauma für ihre Zwecke missbra
Der neue Erinnerungsort soll auch ein Zeichen gegen Rechtsextreme setzen, die das Demminer Trauma für ihre Zwecke missbrauchen. Kai Horstmann
Bernd Koltz befürwortet ganz klar einen Garten der Erinnerung statt eines Denkmals für die Suizidopfer. Und der d&uu
Bernd Koltz befürwortet ganz klar einen Garten der Erinnerung statt eines Denkmals für die Suizidopfer. Und der dürfte seiner Meinung nach durchaus an der Fischerinsel entstehen. Kai Horstmann
Früher Horst Wessel Ufer und morgen Garten der Erinnerung?
Früher Horst Wessel Ufer und morgen Garten der Erinnerung? Kai Horstmann
Demmin.

„Nur“ eine Gedenkstätte für die verzweifelten Menschen, die sich im April und Mai 1945 in Demmin das Leben genommen haben, ist Bernd Koltz zu wenig. Er will mehr. Er will, dass sich die Menschen für die Hintergründe des Massensuizids interessieren. Für den Interessenverband Demmin (IVD) sitzt er in der Arbeitsgruppe Erinnerungsstätte für Demminer Suizidopfer 1945, die jüngst erneut über die Form des geplanten Erinnerungsortes beriet.

Nur Blumen niederlegen ist zu wenig

Laut seinen Worten soll es demnach auch keine Gedenkstätte oder einen Gedenkort in der üblichen Art in der Hansestadt geben. Geplant sind Stelen mit Inschriften über die Schicksale der Menschen, die sich selber getötet haben. „Ein Ort, wo man nur Blumen an einem Denkmal oder einem Erinnerungsstein ablegt, das ist mir einfach zu wenig. Deshalb bin ich dafür, einen Garten der Erinnerung zu errichten, damit man sich mehr mit den Hintergründen des Massensuizids auseinandersetzt“, sagt Bernd Koltz.

„In dem Haus meiner Tante wohnte eine Mutter von zwei Kindern. Diese ertränkte aus Angst vor den Russen ihre Kinder in der Tollense. Sie selber wurde gerettet und wanderte später in die USA aus“, schildert er nur eines der vielen dramatischen Demminer Schicksale am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Den Neonazis, die jedes Jahr am 8. Mai das Demminer Trauma für ihre Zwecke missbrauchen, wirft Koltz Verdrehung der Tatsachen vor. Nach seiner Meinung haben die Soldaten der Roten Armee nur eine Teilschuld an dem Massenselbstmord. Der Ursprung für diese Selbsttötungen liegt für Koltz bereits in der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als die Wehrmacht noch in die damalige Sowjetunion hineinmarschierte und Gräueltaten beging. Zudem wurden die Bolschewisten, wie damals die Russen bezeichnet wurden, von der NS-Propaganda als Bestien dargestellt. Das alles verstärkte die Angst vor den feindlichen Soldaten.

Zudem hatte der „Nero-Befehl“ von Adolf Hitler für die Hansestadt grausame Folgen haben. Die deutschen Truppen sollten dem Feind eine unbrauchbare Infrastruktur hinterlassen, alle militärisch wichtigen Verkehrs-, Industrie- und Versorgungsanlagen sollten zerstört werden. Somit wurden auch in Demmin die Brücken gesprengt. „Für die Flüchtlinge bedeutete das, dass sie nicht mehr aus der Hansestadt herauskamen. Hier staute sich so mancher Flüchtlingstreck und die Panik stieg ins Unermessliche“, erklärt Bernd Koltz.

Kritisierte Flächen noch nicht aus dem Rennen

„Meiner Ansicht nach führte die nationalsozialistische Ideologie in den Massensuizid, wo sich in Demmin im April und Mai 1945 etwa tausend Menschen das Leben nahmen. Wir können nicht die Rote Armee als alleinige Schuldige sehen, sondern müssen viel mehr über die Hintergründe und Ursprünge des Massenselbstmordes nachdenken“, fordert Bernd Koltz. Und eben dies könne ein Denkmal allein nicht leisten.

Bleibt nur die Frage, wo der Garten der Erinnerung entstehen soll – neben dem Tulpenfeld oder neben der Brücke über die Peene hin zur Fischerinsel? Diese Fläche war in die Kritik geraten, weil der gesamte Bereich früher einmal Horst-Wessel-Ufer hieß. Die Entscheidung dazu ist nach wie vor offen. Bei den nächsten Treffen der Arbeitsgruppe soll das Vorhaben inhaltlich vorangetrieben werden, bis es beschlussfähig ist. „Letzten Endes ist es egal, ob die Fläche neben der Brücke oder dem Tulpenfeld nimmt. Hauptsache der Garten der Erinnerung entsteht“, meint Koltz. Viel wichtiger als der Ort sei die inhaltliche Gestaltung. „Ich stelle mir das toll vor, wenn man sich in dem Garten auf eine Bank setzt und über die damaligen Ereignisse intensiv nachdenkt“, schwärmt Bernd Koltz.

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