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Gatschower stopfen Straßen-Löcher selbst

Hans-Werner Holtz organisierte vom ortsansässigen Landwirtschaftsbetrieb einen Radlader, um das Material im Ort zu verteilen.  FOTOs (2): Jana Otto

VonJana OttoFür die Autos war die Fahrbahn in Alt-Gatschow eine große Belastung. Deshalb legten die Anwohner selbst Hand an und hoffen, dass dieses Zeichen ...

VonJana Otto

Für die Autos war die Fahrbahn in Alt-Gatschow eine große Belastung. Deshalb legten die Anwohner selbst Hand an und hoffen, dass dieses Zeichen bei der Gemeinde verstanden wird.

Gatschow.Loch an Loch holpert es auf der Dorfstraße in Alt-Gatschow vor sich hin. Die Anlieger fühlen sich etwas vergessen von der Gemeinde. „Als wir hier herzogen, wurde zumindest zweimal im Jahr etwas gemacht. Doch jetzt passiert hier nichts mehr“, sagt Ursula Kolczynski. Ihr Mann Lothar nickt zustimmend und erzählt, dass sogar das Auto des Ehepaares erheblichen Schaden erlitt.
Ihren Unmut darüber taten einige Dorfbewohner dem Bürgermeister Wolf-Peter Peetz schriftlich kund. Er hatte vor ein paar Wochen Postkarten verteilt und die Bürger um Hinweise gebeten. „Mit Hilfe einer gemeinschaftlichen Initiative wären doch bestimmt einige dabei, sich an Ausbesserungsarbeiten zu betätigen“, schrieb eine Anwohnerin. Das Material allerdings müsse von der Gemeinde kommen. Und so ließ der Bürgermeister einen großen Berg aus Schotter und Sand ankarren und die Gatschower hielten Wort und packten mit an.
Hans-Werner Holtz ist einer von ihnen. Er hatte von dem ortsansässigen Landwirtschaftsunternehmen einen Radlader organisiert und verteilte das Gemisch im Ort, wo überall Menschen, darunter auch viele junge Leute, mit Schippen bereitstanden. Hans-Werner Holtz war es, der alle Anwohner informierte und zu dem Arbeitseinsatz zusammentrommelte. „Hier musste dringend was gemacht werden, das ging gar nicht mehr. Wir haben alle Angst um unsere Autos“, sagt Holtz. Das sei vor allem der Grund, weshalb die Leute gerne bereit sind, aktiv zu werden.
Ein Dauerzustand sei das jedoch nicht, waren sich die meisten einig. „So etwas darf nicht Überhand nehmen“, sagte Nicole Nowak. Sie packte gerne mit an, auch weil es die soziale Verbindung unter den Bürgern fördere. Und so kamen die Einwohner mitten auf der Dorfstraße ins Gespräch über die Postkartenaktion ihres Bürgermeisters. „Das ist wahrscheinlich der einzige Weg zu erfahren, was los ist. Die Karten übernehmen da die Funktion des Gesprächs über den Gartenzaun, das es ja heute aufgrund der großen Ausdehnung der Gemeinde kaum noch gibt“, meinte die junge Frau.
Die größten Löcher sind jetzt erst einmal gestopft. Doch die Alt-Gatschower wissen, dass dieser Zustand das Jahr nicht überdauern wird und hoffen, dass ihr Einsatz auch von der Gemeinde als Zeichen gesehen wird, die Straße langfristig einmal zu überholen.

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j.otto@nordkurier.de