KEINE TOTENRUHE

Gefräßige Rehe treiben weiterhin ihr Unwesen auf Demmins Friedhof

Der Demminer Friedhof ist immer noch ein Schlaraffenland für hungriges Wild. Alle Versuche, die Tiere dauerhaft fernzuhalten, schlugen bisher fehl. Hilft jetzt nur noch der Abschuss?
Der neue Zaun am Evangelischen Friedhof erzielt offenbar noch nicht ganz den erwünschten Effekt. Wie viele andere Demmine
Der neue Zaun am Evangelischen Friedhof erzielt offenbar noch nicht ganz den erwünschten Effekt. Wie viele andere Demminer hofft auch Wolfram Besch, dass Friedhofsverwaltung und Jagdbehörde schon bald eine dauerhafte Lösung parat haben, wie sich das Wild am wirksamsten abwehren lässt. Archiv
Demmin.

Stiefmütterchen und frische Schnittblumen scheinen Rehe besonders gerne zu mögen, wie ein Gang über den Friedhof St. Bartholomaei in der Jarmener Straße in Demmin beweist. Statt bunter Blüten sind dieser Tage auf vielen Gräbern nur karge grüne Stängel und herausgerissene Pflanzen zu sehen. Ein Anblick, der in der Vergangenheit schon öfter für Frust und Ärger bei den Angehörigen sorgte. „Lange Zeit hatten wir Ruhe, doch jetzt haben die Tiere über Ostern wieder ihr Unwesen getrieben. Der Blumenschmuck vom Grab meiner Frau ist komplett abgefressen“, erzählt Wolfram Besch.

Neuer Schutzzaun hat offenbar nicht viel gebracht

Wie viele andere Demminer hatte auch er gehofft, dass der neue Schutzzaun, den die Friedhofsverwaltung im Herbst vergangenen Jahres errichten ließ, das Wild dauerhaft fernhalten kann. Doch auch wenn sie jetzt nicht mehr wie früher über die flache Friedhofsmauer am Wasserturm springen können, haben die Rehe allem Anschein nach eine ganz andere Möglichkeit gefunden, um auf den Friedhof zu gelangen. „Nur keiner weiß, wie sie das immer wieder schaffen. Es ist für uns Angehörige ein Rätsel“, sagt Wolfram Besch.

 

 

 

 

Wildtiere ließen sich bisher nicht vertreiben

Gudrun Zeick von der Friedhofsverwaltung stoßen die wiederholten Fress-Ausflüge der Tiere mittlerweile ebenfalls bitter auf. „Wir wissen, dass sich regelmäßig zwei Rehe auf dem Gelände aufhalten, die hier wohl ihr neues Zuhause gefunden haben“, sagt die Mitarbeiterin. Es sei schon einmal versucht worden, die Tiere bei einer Treibjagd einzufangen. Das habe allerdings nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Auch ein mit Fell gefülltes Zwiebelnetz an der Mauer, spezielle Wild-Abwehrsprays, rot-weiße Flatterbänder und Netze, die von den Grabbesitzern über den Beeten befestigt wurden, sollten Abhilfe schaffen und die Rehe vergrämen. „Doch alle Maßnahmen waren vergebens“, sagt Wolfram Besch.

Gemeinsam mit der Unteren Jagdbehörde des Kreises Mecklenburgische Seenplatte soll deshalb nun nach einer alternativen Lösung gesucht werden, wie sich das Wild am wirksamsten vertreiben lässt. Wann erste Gespräche dazu stattfinden können, ist allerdings noch unklar, wie Haidrun Pergande sagt. Der Brief der Friedhofsverwaltung sei an eine Kollegin der Jagdbehörde persönlich adressiert worden, die aktuell nicht im Dienst sei. Deswegen könne das Schreiben momentan auch nicht von einem anderen Mitarbeiter geöffnet und bearbeitet werden, so die Kreissprecherin.

Jagd auf dem Friedhof ist besondere Herausforderung

Um das Wild-Problem künftig in den Griff zu bekommen, sieht so mancher Demminer keine andere Möglichkeit, als die Tiere zu erlegen. Doch das ist einfacher gesagt als getan, wie der Vorsitzende des Demminer Jagdverbandes, Egbert Scholle, auf Nordkurier-Anfrage erklärte. „Da Friedhöfe zu den befriedeten Bezirken gehören, in denen die Jagd gesetzlich verboten ist, müsste im Vorfeld erneut eine Ausnahmegenehmigung bei der Jagdbehörde der Kreisverwaltung eingeholt werden, die nur für einen bestimmten Zeitraum gilt. Sollte die Erlaubnis erteilt werden, sind strengste Regeln zu beachten“, sagt Scholle.

Denn gerade wenn sich eine Friedhofsanlage wie in Demmin im Stadtgebiet befindet, ist besondere Vorsicht geboten, damit niemand gefährdet wird. Das elf Hektar große Gelände müsste für den Besucherverkehr weiträumig abgeriegelt werden. Hinzu kommt, dass aus Gründen der Pietät grundsätzlich nie auf Grabflächen, sondern nur auf Wiesen und Sichtachsen geschossen werden darf. „Für den Jäger, der das Gewehr zum Abschuss anlegt, ist so ein Einsatz daher immer eine nicht zu unterschätzende Herausforderung“, erklärt Scholle.

Welche Entscheidung Friedhofsverwaltung und Jagdbehörde letztlich treffen werden, bleibt abzuwarten. Den Demminern, die regelmäßig mit viel Hingabe die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen pflegen, ist nur wichtig, dass möglichst bald etwas passiert. „Abgefressene Blumenköpfe und zertrampelte Ruhestätten müssen endlich der Vergangenheit angehören“, fordert Wolfram Besch.

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Kommentare (1)

ist zu tief. Der entscheidende halbe Meter fehlt.