Unsere Themenseiten

:

Gehen Betrieben eigentlich die Lehrlinge aus?

Lehrstellenbörsen wie „Job fit“ in Demmin sind nicht nur für junge Leute wichtig, sondern auch für die Betriebe.
Lehrstellenbörsen wie „Job fit“ in Demmin sind nicht nur für junge Leute wichtig, sondern auch für die Betriebe.
Kirsten Gehrke

Freie Ausbildungsplätze, Jugendliche auf Stellensuche: Am Lehrstellenmarkt hat sich die Lage gewandelt.

Wenn bei der Demminer Maschinenbautechnik (DMT) das neue Lehrjahr  beginnt, dann wird Gerd Schultz nach jungen Gesichtern schauen. Denn der Betriebsleiter erwartet zwei Lehrlinge für Zerspanungsmechanik. Er hätte gerne mehr junge Leute eingestellt,  doch daraus wurde nichts. Entweder weil das Interesse bei Jugendlichen fehlte oder weil deren Leistungen nicht genügten. So werden im neuen Lehrjahr nur zwei Berufseinsteiger beginnen. „Damit haben wir uns abgefunden“, sagt Schultz und hofft, dass beide die Stellen tatsächlich antreten. „Die Verträge haben sie unterschrieben. Ich gehe davon aus, dass sie kommen.“

Das ist nicht  selbstverständlich. Mitunter bekommen Jugendliche mehrere Zusagen - und sagen dann bei manchen Betrieben nicht ab. Das wäre in früheren Jahren kaum möglich gewesen, als ein dramatischer Lehrstellenmangel in der Region herrschte. Mittlerweile aber hat sich das verändert. Seit es erheblich weniger Schulabgänger gibt, müssen teilweise Betriebe nach Lehrlingen suchen. „Wir haben über die Jahre festgestellt, dass es schwierig ist, geeignete Bewerber zu finden“, sagt Viola Hicke vom Borrentiner Baubetrieb  Hicke und vermutet als einen der Gründe  die Bedingungen im Handwerk. „Es ist manchmal körperlich schwere Arbeit und immer draußen.“

Wenige Kilometer weiter haben das Hotel Gravelotte und die zur Familie Meitzner gehörende Kfz-Werkstatt ähnliche Erfahrungen gemacht. Drei Köche suchte sie, eine Fachkraft für Gastgewerbe, einen Kfz-Mechatroniker. Gerade in der Gastronomie fällt es schwer, junge Leute zu finden. „Wir arbeiten dann, wenn andere feiern“, kennt Hotelchefin Karina Meitzner einen Grund. Dazu komme, dass oft bei Interessenten die schulischen Leistungen nicht ausreichten. „Aber sie müssen ja auch  die Berufsschule schaffen“, sagt Karina Meitzner.

Sie steht mit solchen Problemen nicht alleine da. Mehr als 500 Lehrstellen in der Region waren Ende vergangener Woche laut Arbeitsagentur Neubrandenburg noch nicht besetzt. Gleichzeitig gab es ähnlich viele junge Leute, die noch keinen Ausbildungsplatz hatten. Angesichts dessen ermuntert die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Müritz-Demmin, Marlies Händschke, Betriebe, auch zusätzliche Anreize für gute Lehrlinge zu schaffen. Die jungen Leute wiederum sollten bereits in Praktika während der Schulzeit herausfinden, was sie wollen oder nicht wollen.

Insgesamt aber sieht sie bisher zumindest keinen dramatischen Lehrlingsmangel im Handwerk. „Bei uns hier gibt es noch keinen Einbruch in der Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge“, sagt sie. Wobei die Situation heute mit der vor zehn Jahren absolut nicht zu vergleichen sei. „Wir sind froh, dass es in normale Bahnen gekommen ist.“

Auch Karina Meitzner konnte schließlich ihre Stellen besetzen. Offenbar mit den richtigen Bewerbern. „Sie sind noch willig und versuchen zu lernen“, sagt sie.