Unsere Themenseiten

Naturerlebnisbad „Biberburg”

:

Gehen künftig die Kassierer baden?

Weitgehend verlassen ist inzwischen wieder das Demminer Naturerlebnisbad „Biberburg“. Dort geht nächste Woche die Saison zu Ende. Sie war besucherstark, doch jetzt gibt es Diskussionen um die Eintrittspreise.
Weitgehend verlassen ist inzwischen wieder das Demminer Naturerlebnisbad „Biberburg“. Dort geht nächste Woche die Saison zu Ende. Sie war besucherstark, doch jetzt gibt es Diskussionen um die Eintrittspreise.
Archiv/Georg Wagner

Mehr als doppelt so viele Besucher wie im vorigen Jahr, aber nicht doppelt so hohe Einnahmen: Im Demminer Naturerlebnisbad scheinen die Zahlen auseinanderzuklaffen. Könnte zukünftig ein Kassenautomat die Kassierer ersetzen?

An Badewetter herrschte in diesem Jahr kein Mangel, an Badegästen im Demminer Naturerlebnisbad „Biberburg“ gleichfalls nicht. Tatsächlich hat es dank des rekordverdächtigen Sommers eine ausgezeichnete Saison zu verbuchen. Daran wird sich kaum noch etwas ändern, bis das Bad Ende nächster Woche die Tore schließt. Insgesamt besuchten vom 1. Juni bis Ende vergangener Woche 15.276 Erwachsene und Kinder die „Biberburg“. Allein am 31. Juli, dem besucherstärksten Tag, bevölkerten 650 Badefreunde die Becken und Liegewiese. Im verregneten Sommer des vorigen Jahres waren es dagegen insgesamt nur 7315 Gäste.

Diese Bilanz zog Ordnungsamtsleiter Jörg Küthe am Dienstagabend im Ausschuss für Soziales, Schulen und Kultur. Doch so erfreulich sie aus Sicht der Stadt und des Betreibers ausfiel, sie hat auch eine Schattenseite. Während die Ausgaben in etwa denen des vergangenen Jahres entsprechen, hielten die Einnahmen mit dem gewachsenen Besucherstrom nicht Schritt. Eine mehr als doppelt so hohe Gästezahl, das ließe auf den ersten Blick auch annähernd eine Verdoppelung der Eintrittsgelder erwarten. Das aber trat nicht ein. Rund 25.000 Euro wurden in diesem Jahr kassiert, im vorigen Jahr waren es bei nicht einmal der halben Besucherzahl rund 15.000 Euro.

Ermäßigte Karten für Sozialschwache

Gerade diese Zahlen gaben manchem im Ausschuss zu denken. Kathrin Giebener-Trost (UWG) wünschte auch die Vorlage der Zahlen für 2016, um nicht zwei extreme Jahre miteinander zu vergleichen, ihr Fraktionsvorsitzender Eckhardt Tabbert ging noch einen Schritt weiter. Es sei „unklar, weshalb sich die Einnahmen aus dem Eintritt nicht so wesentlich gesteigert haben, obwohl voriges Jahr der Eintritt verdoppelt wurde“, sagte er. An den ermäßigten Karten für Sozialschwache könne es nicht liegen.

Tatsächlich wurden sie laut Küthe nur von rund 30 Familien in Anspruch genommen. Für Tabbert und seine Fraktion liegt deshalb eine Schlussfolgerung auf der Hand: Durchrechnen, ob ein Kassenautomat und ein symbolischer Preis von 50 Cent letztendlich günstiger kämen. Denn gegenwärtig zahlt die Stadt jährlich gut 60.000 Euro an ein Demminer Unternehmen, das unter anderem den Einlass betreibt und das Personal dafür stellt. Die Einsparung dieser Personalkosten, vermutet Tabbert, könnte Mindereinnahmen durch einen geringen Eintrittspreis wieder auffangen. Unter dem Strich hätte die Stadt dann möglicherweise nicht weniger, gerade Bürger mit geringem Einkommen aber hätten mehr.

Zuschussgeschäft wird das Bad bleiben

Ganz neu ist der Gedanke nicht. Laut eigener Auskunft hatte der Ausschussvorsitzende, Herbert Frank (CDU), schon im vorigen Jahr angeregt, einen Kassenautomaten aufzustellen. Damals sei er im Ausschuss noch dafür „ausgebuht“ worden, sagte er. Ob die Lösung nun eine Zukunft hat, werden Kalkulationen zeigen müssen. Ohnehin müssen Besucherzahlen und Eintritt nicht genau miteinander übereinstimmen. Denkbar sei etwa, dass bei sonnigem Wetter mehr Kinder kommen, meint Küthe. Sie zahlen aber nur den halben Eintrittspreis.

Ein Zuschussgeschäft aber wird die "Biberburg" auf alle Fälle bleiben. Das zeigen die gesamten Zahlen. Laut Jörg Küthe erzielte es in diesem Jahr neben dem Eintritt 1326 Euro Einnahmen aus dem Verkauf am Kiosk und weitere 248 Euro für Strom aus einer Photovoltaikanlage. Die Ausgaben dagegen beliefen sich bisher auf rund 130.000 Euro. Sie werden noch weiter steigen, weil auch nach Saisonende Kosten für Personal und Bewirtschaftung anfallen. Im gesamten vergangenen Jahr betrugen sie rund 220.000 Euro. Eine Hochrechnung für die noch fehlenden Monate dieses Jahres sei aber schwierig, so Küthe. Das hänge beispielsweise vom Wetter ab. „Wenn es ein sehr kalter Winter wird, steigen die Heizkosten. Das kann man nicht vorhersagen“