KREISKRANKENHAUS DEMMIN

Geldspritze für Klinik mildert Gesetzeshärte

Weil das Demminer Kreiskrankenhaus seine Leistungsfähigkeit verbessert hat, muss es in manchen Bereichen erst einmal draufzahlen. Jetzt greift ihm das Land dafür finanziell unter die Arme.
Georg Wagner Georg Wagner
Für die medizinische Versorgung in der Region ist das Kreiskrankenhaus Demmin nahezu unverzichtbar. Gegenwärtig braucht es aber selbst finanzielle Unterstützung.
Für die medizinische Versorgung in der Region ist das Kreiskrankenhaus Demmin nahezu unverzichtbar. Gegenwärtig braucht es aber selbst finanzielle Unterstützung. Georg Wagner
Demmin.

Das Kreiskrankenhaus Demmin will im Jahr 2020 wieder die sprichwörtliche Schwarze Null schreiben. Das erklärten Geschäftsführer Kai Firneisen und Prokuristin Katrin Habrich am Dienstag in einem Gespräch mit dem Nordkurier, nachdem Landrat Heiko Kärger (CDU) am Abend zuvor im Kreistag über die laufenden Verluste des Krankenhauses informiert hatte.

In der Bilanz des vergangenen Jahres steht demnach ein Minus von rund 3,9 Millionen Euro, in diesem Jahr wird etwa eine Million erwartet. Die Verluste 2017 gehen laut Katrin Habrich zurück auf Tariferhöhungen, die in der Höhe nicht erwartet worden seien, auf einmalige Abschreibungen beziehungsweise Wertberichtigungen von rund zwei Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) und auf rund 1,4 Millionen Euro Abschläge an die Krankenkassen.

Schnelle Gewinne für lukrative Fälle verhindern

Diese Abschläge sind für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar. Grob gesagt, werden aufgrund der gesetzlichen Regelung neue Leistungen eines Krankenhauses zunächst von den Kassen nicht honoriert, um zu verhindern, dass sich einzelne Häuser für schnelle Gewinne nur lukrative Fälle herausgreifen. Das trifft zwar auf Demmin nicht zu, doch es hat gleichfalls darunter zu leiden. Vor allem im vergangenen und in diesem Jahr hat es unter anderem mit der Kardiologie und der Gastroenterologie sein Leistungsspektrum stark ausgebaut, die Patientenzahlen stiegen entsprechend an. „Wir haben manchen Herzinfarkt und manche Magenblutung gestillt“, sagt Kai Firneisen.

Doch das wird dem Krankenhaus bei neuen Leistungen zunächst nicht erstattet, im Gegenteil. Für ein und denselben Fall muss es im ersten Jahr 65 Prozent, dann drei Jahre lang je 35, teilweise sogar bis zu 50 Prozent Abschläge bezahlen. Ein fiktives Beispiel: Hätte im Jahr 2017 eine OP 1000 Euro gekostet, müsste das Krankenhaus dafür im Jahr 2017 einen Abschlag von 650 Euro leisten und in den drei Folgejahren jeweils 350 Euro. Insgesamt kämen so Abschläge von 1700 Euro oder 170 Prozent zusammen.

Überbrückungskredit soll zurückgezahlt werden

Nach vier Jahren endet das. Dann gilt eine neue Leistung als fest etabliert und wird von den Krankenkassen voll vergütet. Das wäre bei der Demminer Kardiologie erst 2020 der Fall. Aus diesem scheinbaren Missverhältnis von Leistung und Honorierung machen Firneisen und Habrich den Kassen aber keinen Vorwurf. Sie handelten nur nach gesetzlichen Vorgaben, die in Ballungsräumen mit einer großen Krankenhausdichte sinnvoll seien, meint Firneisen. Ein kleines Haus wie Demmin in einem Flächenland träfen sie aber besonders hart.

Jetzt erhält es vom Landesförderinstitut zur Überbrückung der „Durststrecke“ einen Kredit von 3,2 Millionen Euro. In einigen Jahren, wenn das Krankenhaus wieder Gewinn macht, soll die Rückzahlung beginnen. Darin sieht Firneisen auch eine Reaktion der Politik auf die ungewollten Härten des Gesetzes. „Die Politik will nicht, dass wir vom Markt gedrängt werden, das zeigt der Kredit“, sagte er. „Wir sind dankbar für diese politische Unterstützung.“

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