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Gemeinden wächst das Gras über den Kopf

Mitarbeiter von Ökotech beim Mähen von Grabenrändern in der Woldeforster Straße: Die Stadt beauftragt mit solchen Arbeiten Unternehmen. Gemeinden tun sich damit teils schwer. [KT_CREDIT] FOTOs: Georg Wagner

VonJana OttoBislang konnten sich die Bürgermeister auf den Einsatz von Ein-Euro-Kräften in vielen Dörfern verlassen. In diesem Jahr jedoch ist das ...

VonJana Otto

Bislang konnten sich die Bürgermeister auf den Einsatz von Ein-Euro-Kräften in vielen Dörfern verlassen. In diesem Jahr jedoch ist das anders.

Sarow/Kletzin.Mit dem Frühling stehen viele Gemeinden vor einer besonderen Herausforderung: Es fehlen Ein-Euro-Jobber. „Wir kommen auf unseren Flächen nicht rund“, schildert Sarows Bürgermeister Friedhelm Wyrwich. Ähnlich ergeht es seinen Amtskollegen in Lindenberg und Beggerow. Bislang konnten sich die Gemeindeoberhäupter auf den Einsatz der Ein-Euro-Kräfte verlassen, die sie über den Regionalen Förderverein in Kletzin oder die Landschaftsentwicklungsgesellschaft Rosenow zugewiesen bekamen. In diesem Jahr ist das anders: „Die Personalzuweisungen durch das Jobcenter wurden drastisch reduziert“, schildert Norbert Freitag, Projektleiter des Fördervereins Demmin-Land. Waren es 2012 noch 70 Frauen und Männer, startete Freitag in diesem Jahr mit 58. „Im März kam dann nochmal eine Reduzierung, so dass uns nur 33 Arbeitskräfte zur Verfügung stehen“, so Norbert Freitag. Für ihn und den Verein sei das eine Katastrophe. „Mit so wenig Leuten bekommen wir in den Gemeinden nichts fertig. Die Existenz des Vereins sehe ich infrage gestellt.“
Der Rückgang der Arbeitsgelegenheiten hat seine Ursache vor allem in gesellschaftlichen Entwicklungen. „Die Arbeitslosenquote ist in den vergangenen Jahren ständig gesunken. Somit wurde auch das Geld für Eingliederungsmaßnahmen weniger“, erläutert Roland Bengelsdorf, stellvertretender Geschäftsführer des Demminer Jobcenters. Standen 2010 noch 16,8 Millionen Euro bereit, sind es in diesem Jahr nur noch 5,5 Millionen. Die Prioritäten für das Jobcenter liegen auf dem 1. Arbeitsmarkt, so bleibt weniger Geld für die Ein-Euro-Jobs übrig. „Zumal die Erfahrung gezeigt hat, dass der Effekt des Wiedereinstiegs in den 1. Arbeitsmarkt durch die Ein-Euro-Jobs ausgeblieben ist“, begründet Bengelsdorf.
Rein rechnerisch stehen monatlich fünf Frauen und Männer zur Verfügung, die Aufgaben in den neun Mitgliedsgemeinden des Fördervereins übernehmen können. So ergibt sich für die Dörfer das Problem, dass nicht ständig Leute vor Ort sind, die beispielsweise Wege oder Plätze sauber halten. „Ich hatte gehofft, dass es aufgrund der bevorstehenden Bundestagswahl einen Schub gibt, doch es deutet sich nichts in dieser Richtung an“, klagt Friedhelm Wyrwich. Dabei ist seine Gemeinde noch eine derer, die zumindest bis Ende August über zwei Ein-Eurokräfte verfügt. Allerdings können diese beiden es nicht schaffen, sämtliche Gemeindeflächen in Sarow und den drei dazugehörigen Dörfern freizuhalten.
Alternativen wurden in Sarow bereits diskutiert. Ein Arbeitseinsatz, an dem sich die Bürger beteiligen, stand genauso im Raum wie die Möglichkeit, aus anderen Quellen Geld für geringfügig Beschäftigte locker zu machen. Letztlich allerdings entschieden sich die Sarower – wie im Übrigen auch die Borrentiner – dafür, mit einem ortsansässigen Hausmeisterservice das Gespräch zu suchen, inwieweit der Unternehmer die Pflege bestimmter Flächen übernehmen kann. Und zu welchem Preis, denn das fehlende Geld ist aufgrund der bestehenden Haushalte kein geringes Problem. Auch für die Lindenberger. Sie haben sich entschieden, ab Juni zwei Gemeindearbeiter zu beschäftigen, die sie dann aus eigenen finanziellen Mitteln bezahlen müssen.

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j.otto@nordkurier.de