:

Glück am Straßenrand: Vitamine gibt es frei Haus

Unbeachtet am Straßenrand: Äpfel von Alleebäumen bei Kaslin.
Unbeachtet am Straßenrand: Äpfel von Alleebäumen bei Kaslin.
Georg Wagner

Der vergangene Herbststurm hat die Bäume kräftig geschüttelt, jetzt liegen an Obst-Alleen wieder Äpfel am Straßenrand. Wer aber darf sie nehmen?

Das Glück liegt manchmal auf der Straße: rotbäckig, golden leuchtend, einfach zum Hineinbeißen. Doch bleibt es oft unbeachtet liegen, so wie bei Kaslin, wo sich die Äpfel am Fahrbahnrand gegenwärtig unter den Reifen zu Most und glitschiger Maische verwandeln. „Früher“, erzählt der Kasliner Hartmut Roder, „wurde das Obst noch für die Schweine gesammelt. Jetzt fährt man einfach drüber weg.“

Das Obst der Alleebäume hat viel von seinem Reiz verloren, seit Äpfel und Birnen zu jeder Jahreszeit im Supermarkt erhältlich sind und gleichzeitig die Sorge um Belastungen aus den Auspuffrohren zugenommen hat. Dabei hätten die Eigentümer der Früchte nicht einmal etwas dagegen, wenn Bürger sie einsammeln. „Wir verwerten sie nicht“, sagt die Pressesprecherin der Kreisverwaltung, Haidrun Pergande, über den Segen der kreiseigenen Bäumen. „Das kann nehmen, wer will.“ Nur sollte man darauf achten, dass es sich nicht um Bäume aus Privatbesitz handelt.

Im Fall des Straßenbauamtes Güstrow, in dessen Zuständigkeit Bundes- und Landesstraßen im Demminer Land fallen, ist das einfach zu erkennen. „Unsere Bäume sind alle nummeriert und mit Plaketten gekennzeichnet“, sagt der stellvertretende Amtsleiter, Burkhard Kohn.

Besonders viele solcher Alleen gibt es indessen nicht mehr. Die Strecke zwischen Kaslin und der Landesstraße 271 zählt zu den wenigen, entlang der Landesstraße zwischen Buschmühl und Gatschow stehen gleichfalls Apfelbaumreihen.

In Zukunft wird der Obstreichtum wohl noch weiter abnehmen. Denn Obstbäume sind heute für Alleen nicht mehr gefragt. Statt ihrer werden bei Neupflanzungen meist robuste Eichen oder Ahorn gesetzt. Apfel- oder Birnenbäume dagegen sehe man eher als Gefahrenquelle für den Straßenverkehr, sagt Kohn. Denn das Fallobst locke Tiere an.

Aber mancher Bürger nimmt gern noch mit, was er am Straßenrand findet. Dagegen hat  das Straßenbauamt nichts einzuwenden. „Wir sind jedoch dagegen, wenn die Leute beim Pflücken oder Parken des Autos sich selbst und andere gefährden.“