BEREICH JARMEN/LOITZ

Große Lücken im Plan zum Breitbandausbau

Nach jetzigem Stand wird fast ein Drittel aller Anschlüsse im Bereich Jarmen/Loitz ohne Glasfaserverbindung bleiben. Die Telekom hat die nötige Förderung buchstäblich verbaut.
Seit 2018 steht auch in Broock so ein Verteilerkasten, mit dem die Telekom schnelles Internet verspricht. Allerdings basiert d
Seit 2018 steht auch in Broock so ein Verteilerkasten, mit dem die Telekom schnelles Internet verspricht. Allerdings basiert das auf dem Vectoring-Verfahren, das von Experten als weniger zukunftsfähig eingestuft wird. Aus der Glasfaserförderung fällt das Dorf damit heraus. Stefan Hoeft
Fast ein Drittel der Adressen in den Amtsbereichen Jarmen-Tutow und Peenetal/Loitz ist derzeit von den Erschließungspl&a
Fast ein Drittel der Adressen in den Amtsbereichen Jarmen-Tutow und Peenetal/Loitz ist derzeit von den Erschließungsplänen für den öffentlichen Breitbandausbau ausgenommen. Denn den gibt es nur zu den auf dieser Karte des Landkreises veröffentlichten roten Punkten. (Quelle: Landkreis Vorpommern-Greifswald) Screenshot
Jarmen.

Egal, wann der von Bund und Land einst zu 2018 versprochene Ausbau der neuen Datenautobahnen für Vorpommern nun Wirklichkeit wird, zumindest in den Amtsbereichen Jarmen-Tutow und Peenetal/Loitz dürfte ein erheblicher Teil der Haushalte und Unternehmen keine Auffahrt erhalten. Das zumindest vermittelt jene Karte des Landratsamtes, die über den Stand der Breitband-Planungen informiert. Dort markieren rote Punkte alle Grundstücke, zu denen die neuen Glasfaserleitungen gezogen werden sollen. Und dies ist im besagten Plangebiet 25-02 mit seinen rund 12.750 Einwohnern nur bei 5439 der um die 8100 vorhandenen Anschlüsse der Fall.

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„Das ist das Ergebnis unserer Ausschreibung. Denn nur die sind förderfähig“, erklärt Petra Niederberger, die beim Landkreis Vorpommern-Greifswald für den Breitbandausbau zuständig ist. Hintergrund sind die Kriterien für das mit Milliarden-Summen aus Berlin und Schwerin finanzierte bisher wohl größte Investitionsprojekt im Nordosten. Das will zwar offiziell dafür sorgen, dass im ländlichen Raum flächendeckend schnelles Internet mit Download-Geschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit je Sekunde zur Verfügung steht. Doch in den Zuwendungsvoraussetzungen findet sich ein Ausschlusskriterium: „Förderfähig sind jedoch nur unterversorgte Haushalte/Einrichtungen. Das sind alle Haushalte/Einrichtungen im Projektgebiet, die derzeit mit weniger als 30 Mbit/s versorgt sind.“

Vectoring verhindert Förderung

Das bedeutet: Wo der örtliche Versorger schon heute Kabel mit Internet-Fahrspuren ausweist, die dieses Tempo zulassen, beziehungsweise er demnächst deren Einrichtung plant, darf nicht entsprechend aufgerüstet werden. Egal, ob er wie hierzulande in der Regel die Telekom das bestehende Netz nur mit sogenanntem Vectoring aufwertet. Bei diesem kommt lediglich bis zum letzten Verteilerkasten Glasfaser zum Einsatz, danach aber die althergebrachte Kupferleitung. Das erlaubt längst nicht solche Geschwindigkeiten wie die von Kreis und Kommunen angestrebte Glasfaser-Komplett-Lösung erlaubt, schon gar nicht einen für die Zukunft erwarteten noch viel höheren Datentransfer. Trotzdem machte der frühere Staatsmonopolist nach Jahren der Untätigkeit zuletzt verstärkt in dieser Richtung mobil, um sich so wohl auf Dauer seine Kunden zu sichern.

Stark betroffen ist davon Loitz: Ursprünglich standen im Zentrum nur die Greifswalder Straße und die Goethestraße 1 bis 10 auf der schwarzen Liste sowie der Brandmühlendamm. Nun trifft dieses Schicksal fast das gesamte Areal nördlich von Altstadt und Kälberteich sowie westlich der Lutherkirche. Im Osten und Norden wird es begrenzt vom Ibitzbach sowie der Langen Reihe. Also mehrere Hundert Haushalte und Unternehmen. Ähnlich gravierend stellt sich die Situation in Görmin dar, wo „unterhalb“ von Schulstraße und Kirche so gut wie der gesamten Südhälfte des Dorfes die Abkopplung von der neuen Datenautobahn droht.

Große Teile von Jarmen-Tutow aus Förder-Karte verschwunden

Noch heftiger scheinen einige Flecken im Amtsbereich Jarmen-Tutow betroffen, weil sich dort in den vergangenen drei Jahren der Status geändert hat. So etwa in der Peenestadt selbst, wo anfangs nur ein kleiner Teil der Ortsdurchfahrt und die Zillestraße aus dem Förderprogramm herausfielen. Jetzt trifft dies nicht nur auf die komplette Demminer Straße zwischen dem Norma-Markt im Osten und dem Beginn der Grünanlagen im Westen zu, sondern auch auf das Gros der angrenzenden Wohngegenden. Umfasst an der unteren Seite von Friedhof und südlicher Stadtgrenze sowie oben von einer imaginären Linie, die vom ehemaligen Kleiderwerk-Gelände über das Annstift bis auf den Grundschulhof verläuft. Also alles in allem ein Areal, dass rund zwei Fünftel der Stadtfläche entsprechen dürfte. Nicht betroffen sind hier nur die Jahn- und Reuterstraße sowie die Westhälfte der Brinkstraße und die Wohnblöcke am Anger.

So gut wie komplett von der Förder-Landkarte verschwunden ist Tutow. Momentan finden sich nur noch am Wasserwerk, beim Recyclinghof und dem Flugplatz jene roten Punkte, die einen geförderten Anschluss verheißen. Ähnlich leer schaut es bei einigen Ortsteilen der Nachbargemeinden aus. Das betrifft beispielsweise das zu Bentzin gehörende Zemmin, wo lediglich ein Wohngrundstück außerhalb erfasst ist.

Ebenso abgekoppelt werden vom neuen Netz sollen anscheinend große Teile der Gemeinde Kruckow: Neben dem Hauptort mit nur drei roten Punkten sind momentan Tutow-Dorf, Marienfelde, Kartlow, Heydenhof und Unnode komplett aus dem Rennen. Lediglich für die Ortsteile Schmarsow und Borgwall gilt das nicht. Bei der Gemeinde Alt Tellin wiederum stellt die Tollense künftig auch technisch eine Grenze dar, denn bis auf das ebenfalls südlich des Flusses gelegene Hohenbüssow sind die dortigen Dörfer aus der Liste des Kreises gestrichen – Broock, Buchholz und Neu Buchholz.

 

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Kommentare (1)

Erst werden den menschen blühende landschaften versprochen und dann steht man in einer datenwüste. Alles verb....diese Volksvertreter mit ihren wirtschaftlichen gefolge!