MÜLLHAUFEN AM FLUGPLATZ

Haben sich in Tutow Kupferdiebe ausgemistet?

Immer wieder wird am Tutower Flugplatzgelände illegal Müll verkippt, zuletzt jede Menge Elektro-Abfälle. Zwar will der Bürgermeister Anzeige erstatten, doch eigentlich ist an dieser Stelle eine ganz andere Instanz zuständig.
Spurensuche: Elektro-Fachmann Hans-Peter Littmann (links) und Gemeindevertreter Alfred Koch inspizieren den Haufen Kabelreste,
Spurensuche: Elektro-Fachmann Hans-Peter Littmann (links) und Gemeindevertreter Alfred Koch inspizieren den Haufen Kabelreste, der jüngst am Tutower Ortsrand entsorgt wurde. Stefan Hoeft
An den Signaturen auf den Erdungskabeln lässt sich so einiges ablesen, deshalb könnte sich deren Herkunft wohl durch
An den Signaturen auf den Erdungskabeln lässt sich so einiges ablesen, deshalb könnte sich deren Herkunft wohl durchaus herausfinden lassen. Stefan Hoeft
Die fiesen Fliesen: Auch dieser Hümpel Bauschutt findet sich neben der ehemaligen „Rampe“, und er ist bei Wei
Die fiesen Fliesen: Auch dieser Hümpel Bauschutt findet sich neben der ehemaligen „Rampe“, und er ist bei Weitem nicht der Einzige. Stefan Hoeft
Tutow.

„Da müsste endlich mal etwas passieren, denn das wird jetzt schon zu so was wie einem Volkssport, hier seinen Dreck und Müll zu entsorgen“, schimpft der Tutower Gemeindevertreter Alfred Koch. Er steht auf jener alten Betonstraße, die rund hundert Meter von der sogenannten Pappelallee weg gleich hinter dem Heizhaus Flughafenring nach rechts abzweigt. Hier ein Haufen Grünschnitt und andere Gartenabfälle, dort Haushaltsabfall und säckeweise Bettfedern, dann wieder Bauschutt – von ausrangierten Fliesen bis hin zu Asbestplatten. Das meiste dürfte aus Tutow und der näheren Umgebung stammen, sprich von Leuten mit Ortskenntnis, die das Dickicht dort geschickt als Deckung zur Wohnbebauung hin nutzen.

Die vermutlich jüngste Fuhre zum alten Flugplatz sorgt allerdings für mehr Aufsehen als übrig, handelt es sich doch um große Mengen Kabelreste, insbesondere von Erdungskabeln. Die wurden einerseits auf handliche Stücke zurechtgeschnitten und andererseits ihrer Adern beraubt, um Letztere beim Schrotthändler zu Geld zu machen. Nicht nur Alfred Koch stellt sich angesichts dieses Haufens die Frage, ob dahinter wirklich nur eine illegale Entsorgung steckt oder gar ein groß angelegter Diebstahl. Eventuell sei ja gleich eine ganze Kabeltrommel entwendet und hinterher von den „Kupferhaien“ wie üblich in Meterabschnitte zerteilt worden, erklärt der frühere Bürgermeister Hans-Peter Littmann, von Beruf Elektriker. Er zeigt sich überzeugt, dass die Kriminalpolizei mit etwas Aufwand die Herkunft klären könnte.

Material muss von einer größeren Firma stammen

„Diese Längen mit diesem Querschnitt verlegt kein Kleinbetrieb, das ist viel zu viel. Das muss schon eine große Firma sein“, weiß der Experte. Entweder handele es sich um Material von einer großen Industrieanlage, bei der viele Nullleiter gezogen werden mussten, oder um Material für die Erdung von Bahntrassen und Solarpark-Gestellen, vermutet er. Wobei die Fotovoltaik-Installateure eher auf Aluminium setzen würden, es hier aber um Überreste von Kupferkabeln geht. „Von unseren Solaranlagen in Tutow kann das aber nicht stammen“, stellt der Praktiker klar. Und für Windkraftanlagen seien die Leitungen eigentlich zu dünn.

Es könne natürlich sein, dass ein Elektrobetrieb oder ein Angestellter die Reste von umfangreichen Installationsarbeiten „verwertet“ und sich dann am Tutower Ortsrand der Kunststoffummantelungen entledigt habe. Aber egal was nun dahinter steckt, für den Experten stellen diese Fundstücke mit ihren eingeprägten Buchstaben und Ziffern eine heiße Spur dar: „Y steht für Kupfer, 0 für Erdung und J für drei Adern. Außerdem ist da noch der Querschnitt drauf.“ Zusammen mit der gut lesbaren Produktionszahl und dem Namen des Herstellers ließe sich bei einer Anfrage bei den wenigen größeren in der Region aktiven Firmen feststellen, wo das Zeug herkommt, zeigt sich Littmann überzeugt – oder, wo es eben nach einem Diebstahl verschwunden ist, und so Schlüsse auf den oder die Täter ziehen.

Anzeigen haben bisher nie zu etwas geführt

Seinem Amtsnachfolger Roland Heiden wäre dies natürlich am liebsten, schließlich muss er solche Straftaten und Ordnungswidrigkeiten sonst fast immer folgenlos hinnehmen. Längst nicht zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit sieht sich die Kommune mit Vandalismus und Müll-Tourismus konfrontiert. „Ich habe im Durchschnitt jedes Jahr so zwei bis drei Anzeigen gemacht, aber zu etwas geführt hat das noch nie“, berichtet das Dorfoberhaupt. Trotzdem will Heiden die Sache an der Rampe nicht auf sich beruhen lassen und erneut die Ordnungshüter einschalten. „Allein wegen dieser Umweltverschmutzung, aber es könnte ja auch Diebesgut sein.“

Dabei ist der Bürgermeister am Tatort eigentlich gar nicht in der Verantwortung. Die der Gemeinde gehörenden Grundstücke enden nämlich rund 50 Meter hinter dem besagten Heizhaus am Flughafenring. Und das übrige Areal befindet sich als einst militärische Liegenschaft großteils im Eigentum der Bundesrepublik beziehungsweise ihrer Immobiliengesellschaft, wie eben auch die Rampe. Von daher sei eigentlich Berlin für diesen Umweltfrevel zuständig, aber bis dahin scheinen die Tutower Probleme noch nicht vorgedrungen zu sein, meint Heiden. Er hofft, dass dieses Malheur nicht auch noch finanzielle Folgen für den Ort hat. Gemeindevertreter Koch jedenfalls fordert, dass die Zufahrt schleunigst wieder verbarrikadiert wird, um wenigstens diesen Abfall-Sumpf trocken zu legen.

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