Im Schmarsower Herrenhaus war auch ein Modell zu einer Studie für ein Museum am bronzezeitlichen Schlachtfeld im Tollense
Im Schmarsower Herrenhaus war auch ein Modell zu einer Studie für ein Museum am bronzezeitlichen Schlachtfeld im Tollensetal ausgestellt. Stefan Hoeft
Geschichte

Historiker sauer – Wird die Pommersche Geschichte abgewickelt?

Beim Treffen von Historikern und Archäologen kam ein Thema auf den Tisch, das es noch in sich haben dürfte: Die Geschichte Pommerns ist bedroht – ein Lehrstuhl an der Uni ist bereits dicht.
Schmarsow

Wird die pommersche Landesgeschichte nach Mecklenburg verramscht? Diese Befürchtung hat Dr. Wilfried Hornburg aus Anklam. Der Vorsitzende der Gesellschaft für Pommerschen Geschichte und der ehemalige Leiter des Anklamer Steintor-Museums ließ jüngst beim 36. Demminer Kolloquium in Schmarsow jede Menge Kritik Richtung Landespolitik als auch nach Greifswald an die dortige Uni los. Hintergrund sind die Schließung des Lehrstuhls für Ur- und Frühgeschichte in der Hansestadt. Außerdem gibt es laut Hornburg damit einhergehende anhaltende Bestrebungen, pommersche Archivmaterialien und Sammlungen aufzuteilen beziehungsweise wegzugeben. Und das vorzugsweise Richtung Rostock und Schwerin, also ins Mecklenburgische.

Pommersches Erbe nicht ausreichend betrachtet

Auch museumstechnisch werde der östliche Landesteil klar benachteiligt, so die nicht nur von Hornburg im Laufe des Tages immer wieder zu hörende Feststellung. Die Leute sehen das pommersche Erbe nicht ausreichend beachtet. „Wir haben dazu keine universitäre Lehre und Bildung mehr auf deutscher Seite in Pommern“, so Hornburg. Lediglich in Polen gebe es das noch – zum Glück und sogar in zunehmendem Maße, wie später Prof. Dr. Marcin Majewski von der Universität Stettin berichten konnte.

Weil er vormittags noch einen anderen Termin in Barth zu absolvieren hatte, entging ausgerechnet dem Parlamentarischen Staatssekretär für Vorpommern und das östliche Mecklenburg, Heiko Miraß (SPD), ein Großteil dieser brisanten Wortmeldungen. Wobei er zumindest durch das von Anne Dombrowsky am frühen Nachmittag gehaltene außerplanmäßige Kurzreferat einen ersten Eindruck von den Problemen bekommen haben dürfte. Die einstige Stipendiatin für Ur- und Frühgeschichte in Greifswald gab aus aktuellem Anlass einen Überblick zum Stand der an dieser Universität 1823 ins Leben gerufenen Sammlung vorgeschichtlicher Altertümer. „Denn möglicherweise gibt es die Sammlung als solche beim nächsten Tag der pommerschen Landesgeschichte nicht mehr“, so ihre Befürchtung.

 

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