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Der performative Hörspaziergang führt unter anderem an die Stadtmauer, zum Hafenspeicher, zu leerstehenden Geschäften, befahrenen Bundesstraßen und idyllischen Flussufern. Die Beteiligten wollen ein facettenreiches Bild von Demmin zeichnen. K. Riemer/ picture alliance
Tourismus

Hörspaziergang soll Besucher durch Demmin führen

Dass Demmin mehr zu bieten hat als die Erinnerungen an ein Kriegstrauma, soll ein neues Kulturprojekt eindrücklich zeigen. Nun regte sich Kritik an den Kosten.
Demmin

Ein Kulturprojekt über Demmin, das sich nicht auf die tragischen Ereignisse 1945 fokussiert – daran arbeitet zurzeit der Demminer T30 Verein in Kooperation mit dem Kulturkosmos Leipzig. Bei dem „performativen Hörspaziergang“ durch die Stadt sollen die Teilnehmer einer Klangcollage aus Experteninterviews, O-Tönen, persönlichen Erinnerungen von Demminern und einer eigens komponierten musikalischen Untermalung lauschen, die verschiedene Aspekte der Demminer Geschichte und Gegenwart beleuchten. Insgesamt solle dabei ein positives Bild der Stadt gezeichnet werden, so Organisatorin Stefanie Leu. Eines mit „viel Wiedererkennungswert.“

Das seit zwei Jahren geplante Projekt, für das der Verein K osten in Höhe von insgesamt 49  359 Euro veranschlagt hat, wird hauptsächlich aus Fördermitteln finanziert. Neben dem Fonds Soziokultur beteiligen sich auch der Landkreis mit 4000 und die Stadt mit insgesamt 800 Euro an der Produktion und Umsetzung. Das Land hat zudem einen Zuschuss in Höhe von 13  450 Euro in Aussicht gestellt, ein Zuwendungsbescheid steht allerdings noch aus. Der Landtagsabgeordnete Enrico Schult (AfD) hat die beabsichtigte Förderung nun jedoch öffentlich hinterfragt und bezüglich der Förderkriterien eine Kleine Anfrage an das Land gestellt.

Verein weist Kritik zurück

Aus seiner Sicht gehört das Projekt wegen der veranschlagten Personalkosten, die einen Großteil der Gesamtsumme ausmachen, mit Blick auf ein mögliches „Einsparpotenzial“ auf den Prüfstand. Grundsätzlich sei es zwar „zu begrüßen, dass Demminer Kulturschaffende versuchen, der Stadt im Bereich Kunst und Kultur noch mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen und neue Projekte starten“. Den Steuerzahlen seien die Personalkosten allerdings „in der jetzigen Zeit nicht zu vermitteln“. „Sollte die Landesförderung aber dennoch in dieser Höhe fließen, werde ich das in den anstehenden Haushaltsberatungen im Landtag kritisch begleiten“, erklärte das Mitglied des Finanzausschusses in einer Pressemitteilung.

Der Verein weist die Kritik an seiner Kostenplanung zurück. An dem Projekt mit einer Laufzeit von einem Jahr seien inklusive der Darsteller immerhin rund 15 Menschen beteiligt, darunter auch Fachpersonal. Abgesehen von der Produktionsleiterin aus Leipzig, die ein für Fachkräfte übliches Honorar erhalte, gingen dabei laut Sarah Dittrich sämtliche Aufträge an Akteure aus der Region. So werden bei den Vorführungen unter anderem Akrobaten des Borrentiner Vereins Aserkop Do auftreten, die Komposition der Musik und die Produktion übernimmt ein Tonstudio in Pensin. Dort wird der Hörspaziergang nach den Vorführungen noch einmal umgeschnitten und überarbeitet, um als kostenloser Audioguide mit weiteren Informationen der Stadt zur Verfügung gestellt zu werden. Touristen wie auch Demminer können den Hörspaziergang dann herunterladen und laut Sarah Dittrich jederzeit „mit dem eigenen Handy loslaufen“, um sich ein Bild von der Stadt zu machen. „Insgesamt versuchen wir, so viel wie möglich in das Projekt hineinzupacken, das bleibt und für die Stadt Sinn macht“, erklärt sie. Im Finanzplan enthalten seien so etwa Tonstudio-Workshops für Demminer Schulklassen. Und auch die Theatergruppe, die für das Projekt von einer Greifswalder Theaterpädagogin aufgebaut wird, soll nach Wunsch des Vereins weiter bestehen bleiben.

Bereicherung für die Stadt

Kathrin Giebener-Trost (UWG), die ebenso wie die Mehrheit der Stadtvertreter Anfang des Jahres für eine städtische Förderung in Höhe von 300 Euro gestimmt hatte, sieht Vereinsprojekte grundsätzlich als Bereicherung für die Stadt. „Sicherlich trifft nicht alles jeden Geschmack, aber je breiter wir aufgestellt sind, desto besser“, findet sie. Schließlich solle für jeden etwas dabei sein.

„Über Sinn und Unsinn von Kunst und Kultur kann man natürlich diskutieren“, weiß Sarah Dittrich. „Aber es ist wichtig für eine Gesellschaft sich jenseits des Alltags mit Dingen auseinanderzusetzen und Impulse von außen zu bekommen.“ Seine Premiere soll der performative Hörspaziergang am 2. September feiern. Drei weitere Veranstaltungen sind geplant, bei Interesse könnten noch mehr angeboten werden.

 

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